Debatte wird belebt

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(sid). Die Bayern machen Druck, der DFB setzt auf die Wissenschaft und Union Berlin will Fakten schaffen - einen Monat vor dem Saisonstart der Fußball-Bundesliga am 18. September nimmt die Diskussion um eine Zuschauerrückkehr in die Arenen neue Fahrt auf. "Der primäre Aspekt muss sein, Atmosphäre und Emotionen zurück ins Stadion zu holen", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern München: "Es kann gelingen."

Obwohl die Politik den Plänen der Klubs aufgrund der stetig steigenden Corona-Fallzahlen vorerst eine Absage erteilt hat und Geisterspiele zumindest bis Ende Oktober wahrscheinlich sind, möchte Rummenigge noch nicht aufgeben. "Wir sind bereit, wenn man uns die Chance gibt", äußerte der 64-Jährige in der "Sport Bild" mit Blick auf einen möglichen Zeitpunkt für die Öffnung der Stadiontore: "Aber das ist eine Entscheidung, welche die Politik fällen muss."

Zwar lässt Rummenigge keine Zweifel daran, dass "die gesundheitlichen Aspekte über allem stehen" - dennoch hat er klare Vorstellungen. "Wir müssen nicht mit 25 000 Zuschauern anfangen, sondern mit weniger. Um den Beweis zu erbringen, dass das geregelt möglich ist", sagte der Bayern-Boss: "Vielleicht wäre es sinnvoll, 20 bis 25 Prozent der Stadionkapazität zu erlauben. Das wären bei uns 15 000 bis 18 000 Fans."

Während die Münchner noch planen, sind die Berliner schon wieder einen Schritt weiter. Die Eisernen, die mit ihrem Vorhaben eines Saisonstarts vor vollem Haus erfolglos vorgeprescht waren, haben beim Gesundheitsamt Treptow-Köpenick die Austragung eines Testspiels am 5. September vor 3000 Zuschauern beantragt. Präventivtests aller Besucher sollen dabei als Infektionsschutzmaßnahme dienen.

Damit der Fußball seine Kraft nicht verliert, möchte auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder Zuschauer in den Stadien sehen. Allerdings geht der Verband vorsichtiger zu Werke. "Wir arbeiten mit Wissenschaftlern daran, eine Lösung zu finden", sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Priorität müsse aber weiterhin die Gesundheit der Menschen haben: "Auch um eine Rückkehr der Zuschauer in Zukunft nicht zu gefährden."

Genau diesen Ansatz verfolgt auch Fritz Sörgel. Der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg kritisiert die Deutsche Fußball-Liga (DFL), weil sie bislang nicht untersucht habe, wie sich Aerosole im Stadion verbreiten, sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Dass ausgerechnet die DFL mit dem Verweis auf die geringe Zuschaueranzahl bislang nichts dazu beigetragen hat, empfindet Sörgel als "Frechheit" und betont: "Es geht momentan doch gar nicht um die Frage, ob sich das rechnet. Es geht darum, ob der Fußball wieder Zuschauer aufnehmen darf - ganz prinzipiell."

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