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Island-Kapitän Aron Gunnarsson zeigt sich volksnah.

Das »Hu« ist verstummt

  • VonSID
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(sid). Rudi Völler brodelte in seiner berühmten »Weißbier«-Wutrede auf Island einst wie ein Vulkan. Und die wackeren Nordmänner würden liebend gerne einen erneuten Ausbruch provozieren, diesmal von Joachim Löw. »Wir haben nicht die besten individuellen Spieler in Europa, das ist uns allen bewusst«, sagt Stürmer Alfred Finnbogason im SID-Interview, »aber als Team sind wenige so stark wie wir.

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Selbst kann der verletzte Augsburger im WM-Qualifikationsspiel gegen die DFB-Elf am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) nicht mithelfen. Auch Topstar Gylfi Sigurdsson fehlt, weil seine Frau ein Kind erwartet. Doch Finnbogason betont: »Wir haben in den vergangenen Jahren schon oft für eine Überraschung gesorgt, und daher hoffe ich, dass es noch einmal klappt.«

Doch seit dem begeisternden EM-Auftritt mit der Achtelfinal-Sensation gegen England (2:1) 2016 und der ersten WM-Teilnahme zwei Jahre später ist nicht nur das legendäre »Hu« der Fans verstummt.

In der EM-Quali scheiterte Island in den Playoffs an Ungarn (1:2), ein 0:4 gegen England besiegelte den Abstieg in der Nations League - mit null Punkten. Die goldene Generation scheint über den Zenit, hoffnungsvolle Talente sind rar.

Kein Wunder, dass Finnbogason ein »schwieriges Spiel« erwartet. »Deutschland ist natürlich der Favorit in der Gruppe«, sagt der 32-Jährige, und ja, »wir werden auch älter«. Er glaube aber fest daran, dass »noch etwas drin ist in dieser Mannschaft. Wir haben den Hunger, noch etwas zu erreichen.«

Hoffnung macht ihm der neue Nationaltrainer Arnar Vidarsson. Der bisherige U21-Coach, der gegen die DFB-Elf seinen Einstand geben wird, habe »eine klare Idee«, seine Herangehensweise sei »spannend«. Und dann ist da auch noch Aron Gunnarsson, »der beste Kapitän, den ich je erlebt habe«, wie Finnbogason schwärmt: »Der wurde mit der Binde um seinen Oberarm geboren. Er ist der stolzeste Isländer, den ich kenne.«

Nur das »Hu«, sagt er, »das vermissen wir sehr«. Corona stoppt auch die reise- und sangesfreudigen isländischen Fans. Finnbogason schwärmt vom »besonderen« Anhang, der immer »positiv« sei: »Wir würden uns freuen, wenn wir wieder mit denen feiern könnten.«

Der perfekte Regisseur für einen Coup gegen Deutschland steht bei Island im Tor: Hannes Halldorsson, im Hauptberuf Filmemacher. Bei der WM in Russland hielt der Schlussmann einen Elfmeter von Weltstar Lionel Messi, »eine Wahnsinnsgeschichte«, sagt Finnbogason.

Nach einigen Werbefilmen bringt Halldorsson jetzt seinen ersten großen Streifen heraus. Finnbogason verspricht »ein bisschen Comedy, ein bisschen Action«. Klingt fast wie eine Neuauflage von Völlers »Weißbier«-Ausbruch.

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