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Eigengewächs Jessic Ngankam bejubelt seinen 2:1-Siegtreffer für die Berliner Hertha bei Absteiger Schalke.

Das Eigengewächs trifft

  • VonSID
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(sid). Die »Millionenspieler« verletzt, das lange verschmähte Eigengewächs als Retter - die letzte unerwartete Wendung im wahrlich abwechslungsreichen Kampf von Hertha BSC um den Bundesliga-Verbleib hatte Pal Dardai geahnt. »Ich habe schon vor zwei Monaten gesagt: Es kann sein, dass Jessic das wichtigste Tor in dieser Saison macht«, berichtete der Berliner Trainer nach dem 2:

1 (1:1)-Befreiungsschlag beim Absteiger Schalke 04.

Seine Vorhersage war eingetreten: Jessic Ngankam, 20, in Berlin geboren, seit fast 15 Jahren im Verein, hatte gerade mit seinem Siegtreffer (73.) den Weg zu einem versöhnlichen Ende einer verkorksten Saison geebnet. Nicht der für 15 Millionen Euro verpflichtete Jhon Cordoba, für den die Spielzeit wegen einer Bänderverletzung vorzeitig beendet ist, und auch nicht der rund 25 Millionen teure Krzysztof Piatek, der eine Viertelstunde zuvor ebenfalls verletzt ausgewechselt worden war. Am Donnerstag gab die Hertha das Saison-Aus für den Polen wegen einer Sprunggelenksfraktur bekannt.

»Es ist ein sehr, sehr, sehr, sehr schönes Gefühl«, sagte Ngankam freudestrahlend, »ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr hier, ein richtiger Herthaner. Da bin ich umso stolzer, der Mannschaft ein bisschen geholfen zu haben.«

Auf diesen Moment hatte der Deutsch-Kameruner, A-Jugend-Meister 2018 und Regionalliga-Torschützenkönig ein Jahr später, lange warten müssen. Seit seinem ersten Bundesliga-Tor vor sieben Monaten in München war er höchstens zu Kurzeinsätzen gekommen. In der Rückrunde stand er nur sieben Minuten auf dem Platz, gehörte elfmal überhaupt nicht zum Kader.

»Da tut mein Herz weh«, gab Dardai, der mit Ngankam schon in der Jugend-Akademie gearbeitet hatte, zu, »er ist immer gut im Training, gibt Gas, aber auf seiner Position ist ein Piatek, ein Cordoba, das sind Millionenspieler.«

Der Matchwinner auf Schalke hat somit am eigenen Leib erfahren, was es für die Eigengewächse bedeutet, wenn die Hertha ihre Investoren-Millionen in immer neue teure Stars pumpt. Erst wenn die Not groß ist, eröffnen sich neue Möglichkeiten. »Wie man sieht, musst du immer auf deine Chance lauern«, sagte Torhüter Alexander Schwolow.

Auch die Zwangspause durch die Corona-Quarantäne im April trug dazu bei. Dardai rotierte in den vier Spielen seitdem kräftig durch - mit Erfolg. Mit den acht Punkten, die die Hertha innerhalb von zehn Tagen holte, ist die Rettung nah: Mit einem Heimsieg am Samstag gegen den 1. FC Köln könnten die Berliner den Klassenerhalt vorzeitig sichern. »Wir haben jetzt zwei Matchbälle«, meinte Dardai.

Kurzsteno: SR: Schmidt (Stuttgart). - Tore: 1:0 Harit (6.), 1:1 Boyata (19.), 1:2 Ngankam (74.). - Gelb-Rote: - / Lukebakio (89./wiederholtes Foulspiel).

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