Das »dreckige Dutzend« bröckelt

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(sid). Das »dreckige Dutzend« wartet zwar vergeblich auf deutsche Alliierte, bahnt sich aber trotz des erbitterten Widerstands aus allen Richtungen weiter seinen Weg. Obwohl Bayern München seine Teilnahme an der European Super League (ESL) noch einmal ausgeschlossen hat und sich die großen Fußball-Verbände auf ihren gemeinsamen Kampf gegen die Separatisten eingeschworen haben, wird das Vorhaben der zwölf europäischen Topklubs wohl nicht zu stoppen sein.

»Rein juristisch betrachtet hat die UEFA keine Chance, ihre Drohungen durchzusetzen«, sagte die renommierte Sportrecht-Fachanwältin Anne Jakob: »Die Tendenz ist tatsächlich, die Märkte zu öffnen und Konkurrenzligen zuzulassen. Das Recht in Europa sieht das so vor.« Auch die Spitze der EU-Kommission sieht keine Handhabe. »Dies liegt nicht in der Verantwortung der Kommission«, sagte Vizepräsident Margaritis Schinas: »Die Verbände müssen Lösungen für dieses Problem finden.«

Die 55 Mitglieder der UEFA verabschiedeten zum Abschluss ihres Kongresses einstimmig eine Resolution gegen die Super League - was ganz im Sinne des DFB war. »Die Vereine und ihre Nachwuchsmannschaften sollten von allen Wettbewerben ausgeschlossen werden, bis sie wieder an ihre vielen Anhänger denken, die sie erst zu den größten Klubs der Welt gemacht haben - und nicht nur an ihre Geldbeutel«, sagte DFB-Präsident Fritz Keller.

Auch Weltverbandsboss Gianni Infantino stellte in Richtung der ESL klar, dass es »keinen Zweifel an der Ablehnung der FIFA« gebe und drohte mit Auswirkungen. »Wenn einige sich entscheiden, ihren eigenen Weg zu gehen, dann müssen sie mit den Konsequenzen leben«, äußerte der Schweizer: »Entweder bist du drin, oder du bist draußen. Man kann nicht halb drin und halb draußen sein.«

Diese Formulierung deckte sich mit dem, was UEFA-Präsident Aleksander Ceferin bereits angekündigt hatte. Der Slowene will die ESL-Klubs und ihre Spieler mit Sanktionen bis hin zum Ausschluss von Welt- und Europameisterschaften bestrafen. Zudem soll bei der Sitzung des Exekutivkomitees am Freitag über einen Ausschluss der Rebellen aus den laufenden Europacup-Wettbewerben beraten werden.

Sanktionen drohen den Bayern und Borussia Dortmund nicht. Obwohl sie wie Paris St. Germain von den ESL-Gründern offenbar fest als Mitglieder eingeplant werden und wohl noch Bedenkzeit erhalten haben, wollen sie bei ihrer Ablehnung bleiben. »Wir sind nicht dabei, weil wir kein Teil davon sein wollen«, sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: »Wir vergessen nicht die Verantwortung gegenüber unseren Fans und dem Fußball im Allgemeinen«.

Rummenigge baut darauf, dass es noch eine Einigung gegeben kann - was auch von einigen Marketing- und Rechtsexperten erwartet wird. »Meine Hoffnung ist, dass wir noch eine Lösung finden. Denn die Super League schadet dem ganzen europäischen Fußball. Das müssen wir verhindern«, sagte der Bayern-Boss.

Unterdessen wurde Rummenigge als Mitglied in das Exekutivkomitee der UEFA aufgenommen. Er zog als Vertreter der Europäischen Club-Vereinigung ECA in das Gremium ein. Er folgt auf den Italiener Andrea Agnelli, der wegen des Streits um die Super League den Posten räumen musste.

Obwohl Ceferin die Abtrünnigen (FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur, FC Arsenal, FC Chelsea, Real Madrid, FC Barcelona, Atletico Madrid, Juventus Turin, AC Mailand und Inter Mailand) beim UEFA-Kongress in seiner Rede minutenlang scharf angriff, hielt ihnen der Slowene die Tür offen. »Ihr habt einen großen Fehler gemacht«, richtete sich der 53-Jährige an die ESL-Gründer: »Es ist nicht zu spät, die Meinung zu ändern.« Und offenbar plant der FC Chelsea einen Rückzug. Manchester City hat sich keine 48 Stunden nach der großen Verkündung sogar schon als erstes Team wieder aus der Super League zurückgezogen. Das gab der Premier-League-Spitzenreiter am späten Dienstagabend auf seiner Homepage bekannt. Auch Atletico Madrid soll vor einem Rückzug stehen.

Unterdessen erwartet die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine lange juristische Auseinandersetzung. »Ob diese Superliga dann so tatsächlich kommt, das wird noch abzuwarten sein. Der Weg dahin wird sehr lang und sehr steinig und gepflastert sein von beinharten juristischen Auseinandersetzungen«, sagte DFL-Boss Christian Seifert: »Dieser Kampf kann unter Umständen auch schmutzig werden.«

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