Jack Culcay bejubelt seinen Sieg über Abass Barou. FOTO: DPA
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Jack Culcay bejubelt seinen Sieg über Abass Barou. FOTO: DPA

Culcay wehrt Angriff von Barou ab

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(dpa). Das deutsche Berufsboxen hat am Wochenende mit zwei Veranstaltungen sein umkämpftes Innenleben offengelegt. Auf der einen Seite der großartige und hochwertige Kampf zwischen Ex-Weltmeister Jack Culcay und Toptalent Abass Barou in den Berliner Havelstudios um einen WM-Ausscheid der IBF im Superweltergewicht, auf der anderen Seite der Schwergewichts-Langweiler zwischen Ex-Weltmeister Marco Huck und 150-Kilo-Mann Dennis Lewandowski im Braunlager Eisstadion. Es waren zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein konnten. Welchen Weg wird das deutsche Berufsboxen auf Dauer einschlagen?

Was am Freitagabend vom Berliner Boxstall Agon in den Film- und TV-Studios in Nähe des Olympiastadions über die Bühne ging, war bemerkenswert. Vom Hauptkampf, den der Berliner Ex-Champion Culcay gegen das ebenfalls in der Hauptstadt lebende Talent Baraou äußerst knapp mit 2:1 Punktrichterstimmen gewann (115:114, 115:113, 113:116), schwärmten alle Beobachter. "Das Beste, was wir je gesehen haben", meinte Sport1-Co-Kommentator Axel Schulz überschwänglich. "Ein Mega-Kampf wie schon lange nicht", meinte Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDFB).

Mit dem Urteil haderten einige. "Das war Werbung für den Boxsport. Das Urteil nicht", sagte Experte Jean-Marcel Nartz, einst Technischer Leiter bei Sauerland und Universum. Pütz widersprach: "Der Sieg für Culcay war knapp, aber verdient. Zum Schluss war er stärker." Baraou, in Deutschland geborener Sohn togoischer Eltern, sah das anders: "Ich fühle mich nicht besiegt, aber ich habe trotzdem verloren."

Das Gegenstück zum Berliner Kampf spielte sich im Braunlager Eisstadion ab. Dort hatte sich der selbstständige Box-Unternehmer Huck als Gegner seinen früheren Sparringspartner Lewandowski ausgesucht. Der 26 Jahre alte Greifswalder bringt 152 Kilo auf die Waage, hatte vor mehr als einem Jahr aufgehört und sich nun sechs Wochen auf den Kampf vorbereitet. Der unbewegliche Vorpommer wehrte sich kaum. "Ich glaube, dass Lewandowski nicht mal fürs Sparring bei Huck reicht. Das ist keine Standortbestimmung für Marco, das hat keinen sportlich Wert. Ich verstehe den Sinn der Ansetzung nicht", kritisierte Pütz.

Das Boxen hat es in Corona-Zeiten ebenso schwer wie andere Sportarten. Zuschauer sind kaum zugelassen. "Hinzu kommt, TV-Sender sind heute nicht mehr bereit, einen Euro fürs Boxen auszugeben", klagte Pütz. Das hängt sicherlich auch mit der Qualität der angebotenen Kämpfe in der Vergangenheit zusammen. Deshalb hat Agon eine Vision. Keine Mismatches, sondern Boxen auf Augenhöhe. Es darf nicht vorher feststehen, wer gewinnt.

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