Crash rüttelt die Formel 1 auf

(sid). Lewis Hamilton dankte einer höheren Macht und dem Lebensretter aus Titan. Der Nacken schmerzte, der Rekordweltmeister der Formel 1 hatte einen kräftigen Brummschädel, doch immerhin war in Monza ein tödliches Drama ausgeblieben. »Heute muss jemand auf mich herabgeschaut und über mich gewacht haben«, sagte Hamilton, »Gott sei Dank gibt es den Halo.

Er hat mich gerettet.«

Das Schutzsystem Halo, seit 2018 in der Formel 1 vorgeschrieben, verhinderte, dass aus dem spektakulären Crash zwischen Hamilton und seinem WM-Rivalen Max Verstappen ein Horror-Unfall wurde. Das Bild des Einschlags von Verstappens Hinterreifen auf Hamiltons Helm und Cockpit wurde dennoch zum mahnenden Symbol für den eskalierenden Zweikampf um die WM-Krone. Die Rivalen müssen sich bremsen.

»Monza ist zu einem Boxring geworden«, schrieb die »Gazzetta dello Sport« und wähnte die beiden im »Krieg«. Die englische »Daily Mail« nannte den Unfall »beängstigend«, die spanische »AS« sah die Nerven im Kampf um den Titel blank liegen: »Es hätte viel schlimmer kommen können.« Eine Einschätzung, die Mercedes-Sportchef Toto Wolff teilte. »Ich will gar nicht darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn wir den Halo nicht gehabt hätten«, sagte er.

In der Beantwortung der Schuldfrage waren sich Mercedes-Pilot Hamilton und Red-Bull-Herausforderer Verstappen ähnlich uneins wie zuvor auf der Strecke, als sie eingangs der 26. Runde in einer Schikane kollidiert waren. »Lewis hat nicht genug Platz gelassen«, moserte Verstappen. Der Weltmeister konterte: »Max wollte keinen Platz machen.« Die Rennkommissare beim Großen Preis von Italien gaben dem Niederländer die Hauptschuld. Er wird beim Rennen im russischen Sotschi am 26. September um drei Startplätze zurückversetzt - ein Nachteil im Titelrennen, das Verstappen weiter mit fünf Punkten Vorsprung anführt.

Die Stimmung ist aufgeheizt. Die Strafe wird sie nicht beruhigen. In Monza waren die Spannungen zwischen den Zeilen deutlich zu vernehmen. »Taktische Fouls«, die sicherstellten, »dass der andere nicht gewinnt, müssen wir in den Griff bekommen«, sagte Wolff: »Wie? Das weiß ich nicht.« Der Vorwurf der Unsportlichkeit stand im Raum. Hamilton sei schließlich beim ersten engen Duell des Tages fair geblieben. Schon in der ersten Runde hatte es eine Berührung gegeben. Sie blieb folgenlos, auch, weil der Brite in den Notausgang der Strecke auswich. »Vielleicht bin ich nicht so fair wie Lewis, aber ich hätte das Rennen schon dort beendet. Das hätte dem Motor wenigstens Kilometer erspart«, sagte Wolff.

Aus dem Red-Bull-Lager waren nach dem Rennen leisere Töne zu hören. Motorsportberater Helmut Marko wertete den Vorfall vor dem Urteil der Stewards als »Rennunfall« und sah auch beim eigenen Team einen Fehler. Dass Verstappen und Hamilton sich erneut zu nahe kamen, lag letztlich auch am verpatzten Boxenstopp des Niederländers.

Bereits beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone Mitte Juli waren Hamilton und Verstappen kollidiert. Während Verstappen ausschied und zum Check ins Krankenhaus musste, gewann Hamilton seinen Heim-Grand-Prix. Einen dritten schweren Crash, immerhin dabei herrschte Einigkeit, soll und darf es nicht geben.

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