Danny da Costa
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Danny da Costa

Da Costa: "Die Mehrheit steht auf"

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(dur/kil). Danny da Costa ist keiner, der sich in den Vordergrund stellt. Der Fußballer von Eintracht Frankfurt ist keiner, der brisante Themen offensiv angeht. Aber zu den jüngsten rassistischen Ausfällen in Deutschland möchte der frühere deutsche U21-Nationalspieler nicht schweigen, wenn er um seine Meinung gebeten wird. Denn der Sohn eines Angolaners und einer Kongolesin, hat etwas zu sagen. Und ist betroffen: Er hat Rassismus am eigenen Leib erfahren müssen. Im Alltag - und im Stadion als Spieler des FC Ingolstadt. Im August 2013 wurde er massiv beleidigt. Der 26-Jährige, der seit zweieinhalb Jahren für die Eintracht spielt, besitzt neben der deutschen auch die angolanische Staatsbürgerschaft.

Herr da Costa, Sie haben mal gesagt, dass Sie das Problem Rassismus im Fußball als nicht so schwerwiegend erachten. Jetzt gab es aktuell wieder mehrere Vorfälle. Haben Sie sich getäuscht?

Grundsätzlich ist es im Fußball so, dass die Zuschauer keinen Unterschied machen, ob da einer dunkelhäutig ist, Türke, Spanier oder welche Nationalität auch immer. Natürlich gibt es Vorfälle, aber das sind Idioten, die gibt es leider überall. Sie fühlen sich dann in der Gruppe stark. Wichtig ist, dass es hier nicht unter den Tisch gekehrt wird. Die Mehrheit steht sehr wohl auf und sagt: Das geht nicht. Es wird vernünftig dagegen vorgegangen. Und das sind wichtige Zeichen. Zivilcourage ist ganz wichtig, das hinterlässt Eindruck und bleibt in den Köpfen hängen.

Wäre ein Spielabbruch ein probates Mittel?

Ich glaube nicht, man bestraft dann 50 000 Menschen, weil eine Gruppe von, sagen wir, zehn Leuten, sich daneben benimmt. Und ganz ehrlich: Wer Affenlaute macht, weil da ein paar Dunkelhäutige rumlaufen, der interessiert sich doch nicht großartig dafür, was auf dem Platz passiert, dem ist das doch egal.

Spüren Sie inzwischen Rassismus auch im Alltag?

Manchmal, ja. Es ist nicht so, dass ich auf der Straße offen beleidigt werde oder mir Affenlaute entgegengebrüllt werden. Aber es gibt kleine Sachen, die unheimlich wehtun und hart sind.

Erzählen Sie mal.

Als ich neulich spazieren war, kam jemand auf mich zu, sah mich, drehte sich um, versteckte sich und ging erst dann weiter, als ich an ihm vorbei war. Daran habe ich schon zu knabbern. Natürlich bin ich dunkelhäutig, aber deswegen bin ich doch kein wildes Tier und stürme auf Leute zu. So etwas aus den Köpfen der Menschen herauszubekommen, ist das Schwierige.

Befassen Sie sich generell mit dem spürbaren Rechtsruck?

Eher aus der Distanz. Zum einen, weil ich gar nicht verstehen kann, wie man so denken kann. Und zum anderen, weil ich mich damit nicht rund um die Uhr beschäftigen möchte, das würde mich fertig machen und mir zu viel Energie rauben. Aber es gibt genügend Menschen, die aufstehen und dagegen vorgehen. Das ist das, worauf man aufbauen kann. Auch hier bei der Eintracht kämpft Peter Fischer bei jeder Gelegenheit gegen die Rechten. Darauf kann man stolz sein. So sollte es insgesamt in Deutschland aussehen.

Die Entwicklung scheint eher in die falsche Richtung zu gehen.

Es ist eine Entwicklung, die nicht beruhigend ist. Die jüngsten Wahlergebnisse tendieren in diese Richtung, das verstehe ich nicht. Man muss doch nur ein paar Jahrzehnte zurückgehen, da fing es auch mit einer Unzufriedenheit im Land an. Und dann brauchte man jemanden, den man dafür beschuldigen konnte. Es ist erschreckend zu sehen, dass es wieder in so eine Richtung geht, dass man unzufrieden ist und man sich jemanden sucht, dem man dafür die Schuld geben kann. Und als erstes sucht man sich jemand, der anders aussieht. Darüber sollten die Leute mal nachdenken, ob das der richtige Weg ist. Die Geschichte hat gezeigt, welch fürchterliche Folgen das haben kann. FOTO: DPA

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