imago1001141020h_170421_4c
+
Während Hertha-Trainer Pal Dardai (r.) nur leichte Krankheitssymptome aufweist, musste der Anfang April infizierte Torwart Rune Jarstein sogar zwischenzeitlich in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Corona-Angst geht um

  • VonSID
    schließen

(sid/dpa). Der Corona-Schock steckte Hertha-Boss Carsten Schmidt noch in den Gliedern, doch er gab sich kämpferisch. Nein, hadern wollten sie bei Hertha BSC nicht nach der geschlossenen Team-Quarantäne. Trotz eines gewaltigen Nachteils im Rennen um den Klassenerhalt. »Die Motivation ist maximal. Ich spüre einen Spirit ›Jetzt erst recht‹«, sagte der Geschäftsführer am Freitag.

Trotzdem bereitete Schmidt gleichzeitig die Gesamtsituation in der Bundesliga Sorgen.

Die Saison-Fortsetzung war seit Beginn der Pandemie wohl noch nie so stark bedroht, das dürfte allen klar sein, nachdem mit Hertha der erste Bundesliga-Klub in Corona-Isolation musste. »Ich glaube, die DFL hat in den letzten Wochen schon deutliche Hinweise gegeben. Und ich mache mir schon Gedanken, dass wir in eine Situation kommen, die wir schwer beherrschen«, sagte Schmidt. Trotz der zugespitzten Lage schloss DFL-Chef Christian Seifert einen Saisonabbruch aber vorerst aus. Noch sei ausreichend Zeit, die Saison zu Ende zu spielen.

Auch in der 2. und 3. Liga sind oder waren Mannschaften wie Holstein Kiel, der SV Sandhausen, der Karlsruher SC oder Dynamo Dresden in Quarantäne, die Deutsche Fußball Liga hatte kürzlich laut »kicker« in einem Brandbrief um Vorsicht geworben. Der Fall Hertha BSC vom Donnerstag verlieh der Angelegenheit nun eine neue Dynamik.

Der Hauptstadt-Klub war in 14-tägige Quarantäne geschickt worden, nachdem nach Trainer Pal Dardai, Co-Trainer Admir Hamzagic und Offensivspieler Dodi Lukebakio auch noch Marvin Plattenhardt positiv getestet worden war. Die Ligaspiele beim FSV Mainz 05 (18. April), gegen den SC Freiburg (21. April) und bei Schalke 04 (24. April) sind mittlerweile absagt.

Durch die Verschiebung muss Hertha seine verbleibenden sechs Saisonspiele nicht nur innerhalb weniger Wochen durchdrücken, wegen der häuslichen Quarantäne kann die Mannschaft bis dahin auch nur eingeschränkt und individuell trainieren. Hertha, derzeit Tabellen-15. und punktgleich mit dem auf dem Relegationsrang liegenden Aufsteiger Arminia Bielefeld, könnte im Abstiegskampf also in arge Nöte kommen.

In Sachen Training sollen sich die Spieler mit Fahrrädern und Laufbändern in Form halten. Zusätzlich betonte Sportdirektor Arne Friedrich, durch gemeinsame Videocalls die Nähe innerhalb der Mannschaft wahren zu wollen. Klar sei jedoch auch, »dass wir in diesen zwei Wochen Fitness verlieren werden«, so Friedrich: »Die Muskulatur muss sich gewöhnen an Abstoppbewegungen.«

Im Hintergrund, so der frühere Nationalspieler, werde bereits mit der DFL an Terminen für die Nachholspiele gearbeitet. Lücken im Terminkalender zu finden und zudem bis zum Beginn der EM-Abstellungsphase am 31. Mai fertig zu werden, ist aber nicht leicht. Eine Lösung wären die Quarantäne-Trainingslager, mit denen sich nach SID-Informationen das DFL-Präsidium in der kommenden Woche noch einmal befassen und mutmaßlich dafür entscheiden wird. Die wahrscheinlichste Variante ist dabei ein Beschluss für die letzten zwei oder drei Spieltage.

Jarstein zuletzt im Krankenhaus

Trainer Dardai hat nach seinem positiven Corona-Test derzeit nur leichte Krankheitssymptome. »Er hat Gliederschmerzen, aber kein Fieber«, sagte Friedrich bei einer digitalen Pressekonferenz am Freitag. Dardais Assistent Hamzagic habe hingegen derzeit leichtes Fieber, berichtete Friedrich. Informationen zum genauen Gesundheitszustand der infizierten Spieler Lukebakio und Plattenhardt gab es vorerst nicht.

Von Torhüter Rune Jarstein, bei dem Anfang des Monats nach der Rückkehr von einer Länderspielreise mit Norwegen eine Infektion mit der britischen Corona-Variante festgestellt worden war, gibt es derweil mutmachende Signale. »Rune hat es am härtesten erwischt, aber er ist auf dem Weg der Besserung. Es ging ihm den Umständen entsprechend sehr schlecht. Er wurde zwischenzeitlich ins Krankenhaus eingeliefert«, berichtete Friedrich. In dieser Saison werde der 36-Jährige nicht mehr spielen können. »Er wird eine Zeit brauchen, um zu regenerieren«, sagte Friedrich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare