Verlieren verboten: Bei Real Madrid um Trainer Zinedine Zidane läuft es nicht rund. AFP
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Verlieren verboten: Bei Real Madrid um Trainer Zinedine Zidane läuft es nicht rund. AFP

Clasico als Krisengipfel

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(sid). Eigentlich steht der Clasico für Spektakel, Tore und galaktischen Fußball. Am Samstag (16 Uhr/DAZN) aber gilt beim größten Klassiker des europäischen Klubfußballs zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid ein ganz anderes Motto. Das Wort "Krise" macht bei beiden Vereinen die Runde, die Vorgabe für Barca-Superstar Lionel Messi und vor allem für Real-Trainer Zine- dine Zidane lautet: Verlieren verboten!

Denn in der spanischen Hauptstadt ist das Gefühl einer Niederlage zuletzt ungewohnt oft präsent. Im eigenen Stadion gab es ein blamables 0:1 gegen Aufsteiger FC Cadiz, wenige Tage später in der Champions League ein 2:3 gegen ein stark ersatzgeschwächtes Schachtjor Donezk.

"Uns fehlt ein bisschen von allem", sagte ein nachdenklicher, aber vor allem ratloser Zidane. Der Franzose, nach drei Champions-League-Titeln bei den Königlichen eigentlich fest im Sattel, nahm die Verantwortung auf sich: "Ich bin der Trainer, ich muss die Lösung finden." Eine dritte Niederlage in Serie für den spanischen Meister um Nationalspieler Toni Kroos, dazu beim ewigen Erzrivalen aus Barcelona, das würde auch den Trainerstuhl von Zidane zumindest leicht ins Wanken bringen. Die Tageszeitung "Marca" sieht derzeit gar eine "Dynamik, die Zidane am Ende mit sich reißen wird".

Mitverantwortlich ist auch die Corona-Krise, die Real und Barca wirtschaftlich vergleichsweise hart getroffen hat. Die Madrilenen verzichteten erstmals in 40 Jahren auf einen Transfer im Sommer, die Katalanen waren indes darauf aus, Stars wie Luis Suarez zu verkaufen und von der Gehaltsliste zu bekommen.

Erstmals in der Geschichte werden am Samstag keine Fans dabei sein, das Camp Nou wird mit seinen 99 000 Plätzen leer bleiben. Liga-Präsident Javier Tebas erwartet beim "noch immer wichtigsten Klubspiel der Welt" derweil mehr als 650 Millionen Zuschauer vor den TV-Geräten. "Der Clasico ist noch immer der Clasico", sagte Tebas im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Es treffen die "zwei größten Klubs der Welt aufeinander", betonte er. Das ist auch die Motivation für Barcas Wunderkind Ansu Fati. Es sei ein Spiel, "von dem ich immer geträumt habe, dabei zu sein", sagte der 17-Jährige.

Mit vier Toren in fünf Pflichtspielen ist Fati derzeit der Erfolgsgarant der Blaugrana, nach einem turbulenten Sommer ein willkommener Lichtblick. In der Königsklasse schoss sich Barca gegen Ferencvaros (5:1) warm, in der Liga gab es zuletzt aber ein 0:1 beim FC Getafe.

Der neue Trainer Ronald Koeman ist also gefordert, um mit Siegen seine Stars um Messi bei Laune zu halten. Koeman ist jedenfalls für seine direkte Art bekannt, das bekam auch der argentinische Weltfußballer zu spüren. "Seine Leistungen können besser sein", hatte er am Montag gesagt. "Aber", fügte Koeman hinzu, "ich sehe ihn jeden Tag, er ist glücklich, trainiert gut, fokussiert, will spielen und der Kapitän des Teams sein." Das will Messi auch am Samstag beweisen.

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