Sie dürfen doch international spielen: Manchester City mit Stürmer Gabriel Jesus (Mitte, am Boden) freut sich über die Aufhebung des Europapokal-Ausschlusses. ARCHIVOTO: AFP
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Sie dürfen doch international spielen: Manchester City mit Stürmer Gabriel Jesus (Mitte, am Boden) freut sich über die Aufhebung des Europapokal-Ausschlusses. ARCHIVOTO: AFP

City ist fein raus

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(sid/dpa). Pep Guardiola freute sich wie ein kleiner Junge, der gerade mit einem Streich durchgekommen ist. Der Teammanager von Manchester City lächelte im Kreise seiner Assistenten glücklich und befreit in die Kamera, im Hintergrund liefen die "Breaking News" über den Bildschirm: Gnade für Guardiolas City - "Todesurteil" für das Financial Fair Play.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die zweijährige Europacup-Sperre gegen den englischen Fußball-Spitzenklub aufgehoben - und dem Kontrollmechanismus der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in einem wegweisenden Schiedsspruch einen wohl vernichtenden Schlag versetzt. Fein raus ist dagegen das von arabischen Investoren üppig alimentierte City. Prompt verbreitete Guardiolas "Co" Manel Estiarte auf Instagram das Freuden-Bild, das dem Verband wie Hohn vorkommen musste.

Der CAS sah es nach dreitägiger Verhandlung als erwiesen an, dass City nicht ausreichend mit dem Finanzkontrollgremium der UEFA kooperiert und damit gegen Artikel 56 des Financial Fair Play (FFP) verstoßen hätte. Nicht begründet sei dagegen der Vorwurf, Manchester habe unrechtmäßige Geldzuwendungen durch seine arabischen Investoren erhalten. Die deshalb am 14. Februar auferlegte Europacup-Sperre für die Mannschaft um Nationalspieler Ilkay Gündogan sei daher unangemessen gewesen.

Einige Vorwürfe sind verjährt

Die Geldstrafe wurde von ursprünglich 30 auf nur noch 10 Millionen Euro reduziert. Dass diese überhaupt noch gezahlt werden muss, begründete der CAS mit den "finanziellen Mitteln" des Klubs sowie der Bedeutung der Kooperation mit den ermittelnden Institutionen, die City verweigert habe. Insgesamt sah der Gerichtshof "die meisten" Verstöße, die City vorgeworfen wurden, als entweder "nicht begründet" oder "verjährt" an - ein schwerer Imageschaden für die UEFA und ihr Kontrollgremium, das die harte Strafe im Frühjahr für Vorgänge aus den Jahren 2012 bis 2016 verhängt hatte.

In Manchester, das die Vorwürfe bestritten und den CAS eingeschaltet hatte, sorgte das Urteil für große Erleichterung. Der Klub "begrüße" die Entscheidung und werte sie als "Bestätigung" seiner Position, hieß es von der Insel. Die UEFA nahm den Schiedsspruch in einer ersten Reaktion "zur Kenntnis" und bekannte sich mit der Europäischen Klubvereinigung (ECA) "zu den Prinzipien des Financial Fair Play". Mehr als 40 Vereine wurden bisher wegen Verstößen gegen das FFP bestraft. Doch meistens traf es kleine Klubs aus dem Osten und Südosten des Kontinents. Manchester City wäre der erste richtig große Verein gewesen.

"ManCitys größter Sieg", kommentierte die BBC das Urteil. Die englische Fußball-Ikone Gary Lineker dagegen legte den Finger in die tiefe UEFA-Wunde. "Es ist schwer vorstellbar, dass die Financial-Fair-Play-Regeln dies überleben können", twitterte er. Vielmehr sei die Frage: "Kann die UEFA die Folgen überleben?"

Guardiola hatte angeblich ohnehin keinen Gedanken an eine Niederlage verschwendet. Wie zuversichtlich er sei, wurde er zuvor gefragt - seine Antwort: "Sehr." Das Urteil erlaubt dem von Siegen verwöhnten Katalanen, seine Mannschaft um Stars wie Kevin De Bruyne, Sergio Agüero oder Gündogan zusammenzuhalten. Für die kommende Champions-League-Saison ist sie seit dem 5:0 am vergangenen Samstag bei Brighton & Hove Albion qualifiziert. "Wir verdienen die Qualifikation, wir haben sie auf dem Platz gewonnen", sagte der frühere Bayern-Coach Guardiola, der sich auch für den Fall einer Niederlage vor dem CAS zum Klub bekannt hatte: "Hoffentlich kann die UEFA uns am Montag erlauben, auf dem Level zu spielen, das dieses Team und diese Spieler verdienen." Sie musste es tun, wenn auch zähneknirschend.

Dass der CAS mit dem deutschen Richter Ulrich Haas sowie dessen Kollegen Rui Botica Santos (Portugal) und Andrew McDougall (Frankreich) dem Einspruch stattgab, hat auch Einfluss auf die aktuelle Saison. Platz fünf der Premier League reicht nun nicht zur Quali für die Königsklasse.

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