Chelsea setzt auf Tuchel

  • vonDPA
    schließen

(sid). Thomas Tuchel zog den Kragen seiner leuchtend blauen Trainingsjacke weit nach oben, die Mütze saß bei schneidendem Wind knapp über den wachsamen Augen. Nur Minuten nach seiner offiziellen Bestätigung als neuer Teammanager des kriselnden FC Chelsea war der deutsche Hoffnungsträger im Training gleich als Bessermacher gefragt. Schon am Mittwoch (19 Uhr/Sky) wird er gegen die Wolverhampton Wanderers debütieren. Und die Erwartungen an den Deutschen sind riesig.

»Ich möchte dem FC Chelsea für das Vertrauen in mich und meine Mitarbeiter danken«, sagte Tuchel: »Wir alle haben den größten Respekt vor der Arbeit von Frank Lampard und dem Vermächtnis, das er bei Chelsea geschaffen hat. Gleichzeitig kann ich es kaum erwarten, mein neues Team kennenzulernen und in der aufregendsten Liga des Fußballs zu arbeiten. Ich bin dankbar, jetzt Teil der Chelsea-Familie zu sein - es fühlt sich großartig an.«

Verglichen mit seinem Vorgänger Lampard sei »Über-Nerd« Tuchel »ein Upgrade in jeder Hinsicht, außer einer: Er ist nicht Frank«, schrieb der Guardian. Für die altehrwürdige Times ist der 47-Jährige der »Kontrollfreak, den Chelsea braucht«. Der Telegraph würdigte ihn als »verrücktes Genie« und einen der »hellsten Köpfe« im europäischen Fußball. Die BBC nannte Tuchel einen »taktischen Visionär«.

Als solcher soll er nicht nur die Nationalspieler Timo Werner, Kai Havertz und Antonio Rüdiger endlich ins Laufen bringen. Sondern laut Sun noch in dieser Saison um Titel mitspielen.

Der Boulevard hat die Messer schon gewetzt: Der Mirror »outete« Tuchel als »Fan« von Stadtrivale Tottenham Hotspur. Der Grund: In seiner Dortmunder Zeit hatte er mal verraten, als Kind mit den Spurs sympathisiert zu haben, »weil mir der Name so gefiel«. Tuchel und Chelsea - das ist trotzdem eine vielversprechende Ehe. Schon nach dessen Aus beim BVB 2017 soll es Gespräche gegeben haben. Und der Kader der Blues, wo Tuchel bis 2022 mit der Option auf ein weiteres Jahr unterschreibt, passt perfekt zu seiner Philosophie.

Da sind die vielen entwicklungsfähigen Offensiven wie Werner, Havertz, Tuchels ehemaliger BVB-Schützling Christian Pulisic und einige mehr. Da ist viel fußballerische Qualität dahinter mit Weltmeister N’Golo Kante oder Jorginho, den Tuchel zu Paris St. Germain holen wollte. Letzteres gilt auch für Rüdiger. Dazu kommt Abwehrchef Thiago Silva, der erst im Sommer von PSG nach London gegangen war.

Das Minimalziel Champions League ist nur fünf Punkte weg, in der Königsklasse oder im FA Cup haben die Londoner alle Optionen. Auf der Insel wird Tuchel zudem sein Perfektionismus zugute gehalten. Schließlich sollen unter Lampard einige Spieler genaue taktische Anweisungen vermisst haben.

Doch es lauern auch Gefahren. »Er hat überall ordentliche Arbeit verrichtet, aber er ist kein einfacher Typ«, sagte Sky-Experte Lothar Matthäus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare