Geisterspiele drohen jetzt auch in Deutschland. In Italien sollen die Stars wie Cristiano Ronaldo, hier beim 2:0-Sieg seines Klubs Juventus Turin gegen Inter Mailand, nun bis zum 3. April gar nicht mehr spielen. FOTO: AFP
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Geisterspiele drohen jetzt auch in Deutschland. In Italien sollen die Stars wie Cristiano Ronaldo, hier beim 2:0-Sieg seines Klubs Juventus Turin gegen Inter Mailand, nun bis zum 3. April gar nicht mehr spielen. FOTO: AFP

Chaos durch Coronavirus

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(dpa). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat den deutschen Sport angesichts der Ausbreitung des Coronavirus erneut zu drastischen Maßnahmen aufgefordert. "Ich ermuntere die Verantwortlichen ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf weiteres abzusagen", sagte der CDU-Politiker am Montagmittag in Berlin. Spahn relativierte seinen "sehr ernst" gemeinten Hinweis mit den Worten: "Das heißt nicht, dass der Sport nicht stattfindet, sondern die Frage ist, unter wie vielen Beteiligten." Damit wird es wohl zu Geisterspielen in den deutschen Profiligen kommen.

Allen voran der deutsche Profi-Fußball steht im Fokus. Die Kantonspolizei in Basel sagte am Montag das Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League des FC Basel gegen Eintracht Frankfurt am 19. März ab - das Hinspiel ist für Donnerstag geplant. Vor leeren Rängen muss am Mittwoch Borussia Dortmund sein Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League bei Paris St. Germain austragen: Die französische Regierung untersagte Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern. Ob und unter welchen Umständen der BVB am Samstag zum Revierderby bei Schalke 04 antritt, blieb am Montag zunächst unklar.

"Das ist jetzt der Zeitpunkt, Großveranstaltungen abzusagen", betonte am Montag neben Spahn auch Prof. Dr. Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Die Entscheidung darüber liege in Deutschland allerdings "immer bei den lokalen Gesundheitsbehörden". In Abstimmung mit diesen will daher auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) vorgehen. Geschäftsführer Christian Seifert rechnet schon für das Wochenende mit Geisterspielen. Alles andere sei "nicht realistisch", sagte er bei Bild Live. Eine Absage des kommenden Spieltags oder eine Aussetzung der Meisterschaft schloss Seifert erneut aus.

Die erste "Ermunterung" von Spahn am Sonntag wurde am Montag zumindest von den Behörden in Leipzig ignoriert. RB Leipzig darf sein Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag gegen Tottenham Hotspur vor Publikum austragen. Die Entscheidung gelte aber "nur für dieses eine Spiel", sagte Leipzigs Stadtsprecher Matthias Schmidt. Über das für Mittwoch vorgesehene Nachholspiel in der Bundesliga zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln soll am Dienstag entschieden werden.

"Ich finde den Umgang konsequent inkonsequent. Ich würde mir wünschen, dass es eine klare Ansage gibt", sagte Kölns Sportdirektor Horst Heldt.

Zwei Bundesländer haben angekündigt, Spahns "Ermunterung" aufzugreifen: Nordrhein-Westfalen und Bayern. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, will die bayerische Staatsregierung Veranstaltungen mit mehr als 1000 Gästen zunächst bis Karfreitag untersagen. Betroffen wären damit auch die Pre-Play-offs in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit Spielen in Nürnberg, Ingolstadt und Augsburg sowie in der kommenden Woche der FC Bayern mit seinem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Chelsea. Zuvor soll am Sonntag der FC Augsburg in der Bundesliga gegen den Wolfsburg spielen, Wolfsburg wiederum soll drei Tage zuvor in der Europa League Schachtjor Donezk empfangen.

Die finanziellen Folgen für den Sport sind einstweilen nicht abzusehen, sollte es wenigstens zu Geisterspielen kommen. Der Bundesliga-Fußball wäre noch am ehesten in der Lage, dies aufzufangen. In der vergangenen Saison betrugen die Erlöse der 18 Erstligisten aus dem Zuschaueraufkommen 520 Millionen Euro. dies entspricht 12,9 Prozent des Gesamtumsatzes. Viel stärker betroffen wären allerdings die Klubs anderer und weit weniger finanzstarker Ligen, bei denen die Zuschauereinnahmen einen weit höheren Anteil am Gesamtetat ausmachen.

Um die fortschreitende Ausbreitung des Coronavirus in den Griff zu bekommen, hat Italien die Sperrmaßnahmen auf das gesamte Land ausgeweitet. Betroffen davon sind auch sämtliche Mannschaftssportwettbewerbe. Diese werden bis zum 3. April ausgesetzt, wie Italiens Nationales Olympisches Komitee (CONI) am Montagabend bekannt gab. Betroffen ist unter anderem die höchste italienische Fußballliga Serie A.

Italien hat nach China (3120) die höchste Zahl an nachgewiesenen Covid-19-Toten. Die Zahl der Todesopfer in Italien kletterte am Montag auf 366. 7375 Menschen sind infiziert.

BBL wartet weitere Entwicklung ab

Den deutschen Handballern droht derweil ein Geisterspiel in Magdeburg: Aufgrund der Coronavirus-Epidemie könnte das Debüt des neuen Bundestrainers Alfred Gislason gegen die Niederlande am Freitag ohne Zuschauer oder nur vor kleiner Kulisse stattfinden. Die Stadt Magdeburg teilte am Montag mit, dass sie "ab sofort" und "bis auf Weiteres Konzerte, Sport- und andere Veranstaltungen mit mehr als 1 000 BesucherInnen" untersage.

"Das ist natürlich sehr ärgerlich, wenn es so ist", sagte Gislason bei Sky: "Es wäre schön gewesen, mit vielen Zuschauern in einer vollen Halle in Magdeburg zu spielen."

In anderen Sportarten gibt es zwar noch keine klare Linie, die Tendenz geht aber in Richtung immer mehr Geisterspiele: Man wolle erst die weitere Entwicklung zum Beispiel in der Fußball-Bundesliga abwarten, sagte Stefan Holz, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga. Auch hier sind Verlegungen oder Spiele ohne Zuschauer möglich.

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