Die Auswechselspieler der Frankfurter Eintracht sitzen auf der Tribüne und halten Abstand. FOTO: DPA
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Die Auswechselspieler der Frankfurter Eintracht sitzen auf der Tribüne und halten Abstand. FOTO: DPA

Chancenlose Eintracht

  • vonred Redaktion
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Das war nichts von der Frankfurter Eintracht, die ähnlich unerfolgreich spielte wie vor der Corona-Pause. 1:3 hieß es im Heimspiel gegen Mönchengladbach nach 90 wenig überzeugenden Minuten.

Am späten Samstagabend hat Fredi Bobic dann doch noch ein Erfolgserlebnis verbuchen können, an der Torwand im Aktuellen Sportstudio des ZDF. Kurz nach Mitternacht lochte der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht dreimal ein. Seinem Kontrahenten ließ er keine Chance. Manuel Watzal, Stürmer der SG Laufenselden II, Kreisliga C, Bayern-Fan, schaffte nur einen Volltreffer. "Vielleicht gehen Sie ja doch noch mit einem Lächeln nach Hause", sagte Moderatorin Dunja Hayali. "Mit einem 3:1", entgegnete Bobic schmunzelnd.

Im Geisterspiel ein paar Stunden vor der Geisterstunde war es genau umgekehrt, da hatte seine Mannschaft zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach sang- und klanglos verloren, 1:3. Das Bild, das Eintracht Frankfurt nach der Corona-Zwangspause auf dem Fußballfeld abgibt, ist ein trauriges, aber kein ungewohntes.

Im Kern hat sich seit dem letzten Pflichtspiel gegen den FC Basel am 12. März 2020 nichts, aber auch gar nichts geändert. In exakt neun Wochen und zwei Tagen hat sich die Eintracht in keinem Segment auch nur eine Nuance weiterentwickelt. Wer es sich einfach machen möchte, kann das Gebotene auf eine kurze Formel bringen: hinten nichts, vorne nichts, in der Mitte (gar) nichts.

Im Zentrum des Dilemmas steht Trainer Adi Hütter, dem inzwischen handwerkliche Fehler unterlaufen. Zur Verwunderung vieler hat der 50-Jährige personell nämlich kaum etwas verändert und den Neustart lediglich dazu genutzt, Altbekanntes aufzuwärmen. Das könnte man nachvollziehen, wenn es zuvor rund gelaufen wäre. Ist es aber nicht. Bereits vor dem Corona-Break ist das gesamte Eintracht-Gebilde in eine gefährliche Schieflage geraten, Leistungen und Resultate des Teams waren besorgniserregend. Und was macht der verantwortliche Trainer? Genauso weiter wie zuvor. Das ist einfallslos und auch erstaunlich.

Gegen Gladbach standen neun Spieler auf dem Platz, die sich auch beim 0:3 gegen Basel in der Startformation wiederfanden. Jetzt spielte sogar noch ein Zerstörer mehr, der Haudegen Stefan Ilsanker ersetzte den Strategen Makoto Hasebe. Keine gute Idee. Hütter hatte offenbar sehr viel Respekt vor der Wucht der Gladbacher Offensivreihe. Er habe zwar mit dem Gedanken gespielt, Hasebe in die Abwehr einzubauen, doch er habe "Bedenken" gehabt, dass der betagtere Japaner wegen der "Power der Gladbacher Stürmer vielleicht das Nachsehen" gehabt hätte. Das hatten dann die anderen. Hinterher, klar, ist man schlauer. "Manchmal macht der Trainer alles richtig. Wenn man verliert, macht er sehr viel falsch", sagte Hütter. Mit der Erfahrung des Erlebten "hätte ich vielleicht ein bisschen anders aufgestellt".

Noch verwegener war seine Entscheidung, Stürmer André Silva aus dem Team zu nehmen und durch Bas Dost zu ersetzen. Silva war vor der Pause einer der besten Akteure. Hütter begründete seine Maßnahme damit, dass er durch den Hünen Dost mehr Kopfballstärke ins Spiel bringen wollte. "Wir wollten Gladbach über Standards wehtun." Auch das funktionierte nicht.

Unglücklich war überdies die Besetzung des Mittelfelds und der Abwehr. Hinten setzte der Fußballlehrer weiter auf eine Viererkette, obwohl Evan Ndicka auf links und gerade Almamy Touré auf der anderen Seite seit geraumer Zeit von einer Verlegenheit in die nächste taumeln. Weshalb etwa Danny da Costa gar keine Rolle mehr spielt, ist rätselhaft. Der 26-Jährige stand in der vergangenen Saison in allen 50 Partien in der Startformation, nun ist er außen vor.

Auch im Mittelfeld baut Hütter in aller Regel auf Personal, das seine Stärken im Zerstören hat. Die Folge: Keine Kreativität, keine Anspielstationen, kein Druck, keine Überraschungsmomente, kaum Torchancen - und wenn dann die Emotionalität durch die fehlenden Zuschauer wegfällt, entfaltet sich keine Leidenschaft und damit keine Wucht. Die Geisterspielatmosphäre lässt die fußballerischen Defizite der Mannschaft noch sehr viel deutlicher zutage treten.

Ein Problem ist auch die Schlafmützigkeit zu Beginn eines Spiels, gegen Gladbach lagen die Hessen bereits nach 36 Sekunden mit 0:1 (Alassane Plea) und nach sieben Minuten mit 0:2 (Marcus Thuram) zurück. Die laxe Einstellung brachte einen Herren aus der Frankfurter Entourage dergestalt auf die Palme, dass er aufs Feld rief, dass es sich hier nicht um ein Freundschaftsspiel handele.

"Das war nicht von mir, aber als Weckruf nicht verkehrt", urteilte Hütter. Er habe dann nämlich "viele Sachen gesehen, die mir gefallen haben". Was genau, behielt er für sich. Für die Frankfurter Eintracht reichte es nur noch zum 1:3 durch Silva (81. Minute), zuvor hatte Ramy Bensebaini einen fragwürdigen Strafstoß, den Hütter gar als Geschenk bezeichnete, glücklich verwandelt (73.).

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