Caeleb Dressel
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Caeleb Dressel

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Caeleb Dressel auf Jahre hin unschlagbar?

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(sid). Mit sechs Gold- und zwei Silbermedaillen reist Caeleb Dressel von der WM aus Südkorea ab, doch das viele Edelmetall bedeutet ihm nichts verglichen mit dem Stück Stoff, das er immer bei sich trägt. Auch während der "Caelebration" von Gwangju begleitete das schwarz-blaue Tuch den US-Schwimmstar bei jedem Gang zum Startblock und zur Siegerehrung.

"Es ist das wichtigste Ding in meinem Leben", sagte der 22-Jährige. Es gehörte seiner vor zwei Jahren an Brustkrebs verstorbenen Mathe-Lehrerin und Mentorin Claire McCool, sie hatte es während ihrer Chemotherapie getragen. Dressel glaubt fest, dass "ihr Geist in dem Tuch steckt". Die mentale Kraft, die der Sprinter daraus zieht, ist enorm.

Zwar verpasste es Dressel durch den zweiten Platz der USA zum Abschluss in der Lagenstaffel, seinen Siebenfach-Triumph von 2017 in Budapest zu wiederholen. "Es wird nie passieren, dass ich mit sechs Gold- und zwei Silbermedaillen unglücklich bin", sagte er. Schließlich ist er der erste Schwimmer, der bei einer Weltmeisterschaft achtmal Edelmetall gewonnen hat. Mit nun 13 WM-Titeln ist endgültig klar: Er hat Michael Phelps als neuen Superstar der Szene beerbt.

Dem Rekord-Olympiasieger hatte Dressel über 100 m Schmetterling auch den Weltrekord abgenommen. Mehr als drei Zehntel war der Mann aus Florida schneller als Phelps vor zehn Jahren in einem Hightech-Anzug. Mittlerweile kann sich Dressel nicht mehr gegen Vergleiche mit dem Allergrößten wehren, wie er es noch in Budapest getan hatte ("Ich bin nicht Michael, ich habe mir gerade erst die Füße nass gemacht"). Sein Gold-Hattrick am Samstag innerhalb von 100 Minuten (50 m Freistil, 100 m Schmetterling und Mixed-Freistilstaffel) war das Highlight der WM.

Bei Olympia im kommenden Jahr in Tokio sind Dressel-Festspiele fast programmiert. Bei seinen ersten Sommerspielen 2016 in Rio war er noch an der Seite von Phelps zu zwei Staffel-Siegen geschwommen, jetzt gehört ihm die Bühne allein. "Ich war nie derjenige, der diesen Hype befeuert hat", sagt der abseits des Beckens unauffällige Dressel. Seine in Gwangju völlig chancenlosen Konkurrenten dürfte ein Satz von Dressel besonders schocken: "Ich hatte noch nie in meinem Leben ein perfektes Rennen."

Dabei verschiebt Dressel schon jetzt die Grenzen. Er schwamm in all seinen Einzelstarts in einer anderen Liga, obwohl seine Vorbereitung alles andere als optimal verlaufen war. Das wirft automatisch Fragen auf, vor allem in einem Weltverband, in dem frühere Dopingsünder wie Sun Yang (China) und Julia Jefimowa (Russland) in Südkorea zu ihren nächsten WM-Titeln schwimmen durften.

Dressel verfügt ohne Zweifel über ein Ausnahmetalent. Seine Schnellkraft in Armen und Beinen ist außergewöhnlich, diese Explosivität überträgt er besser als jeder andere ins Wasser. Schon im Alter von 17 Jahren hatte er etliche Altersklassenrekorde aufgestellt, doch der Leistungsdruck machte ihm zu schaffen, kurzzeitig hörte er sogar mit dem Schwimmen auf. Auch mit der Hilfe von Claire McCool fand Dressel einen Weg aus der Sinnkrise. (Foto: AFP)

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