Ziehen Bundestrainer Joachim Löw (r.) und DFB-Präsident Fritz Keller noch an einem Strang? FOTO: DPA
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Ziehen Bundestrainer Joachim Löw (r.) und DFB-Präsident Fritz Keller noch an einem Strang? FOTO: DPA

"Burgfrieden" auf Zeit?

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(sid). Beim vorweihnachtlichen Fernsehabend rückten der "maßlos enttäuschte" Bundestrainer und sein Präsident wieder enger zusammen. Nicht buchstäblich - Joachim Löw und Fritz Keller verfolgten die Auslosung der WM-Qualifikation bei Mandarinen und Gebäck in der Frankfurter Verbandszentrale mit Masken und dem nötigen Abstand. Aber sie saßen an einem Tisch, und Keller suchte bei Löws fachlicher Analyse der vermeintlich einfachen deutschen Gruppe J Blickkontakt.

Die vom DFB verbreiteten Einblicke in den innersten Kreis wurden von Kellers flammendem Appell zu "Geschlossenheit, Zusammenhalt und Vertrauen" flankiert - wie auf Löws Bestellung. Schließlich hatte sich der Bundestrainer bei seinem öffentlichen Auftritt nur wenige Stunden zuvor vom an seiner Spitze zerrissenen Verband scharf distanziert und klargestellt: Löw bleibt Löw - ändern muss sich der DFB! Wer drei Wochen nach der 0:6-Schmach in Spanien einen reumütigen oder gar neu erfundenen Bundestrainer erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Kein emotionaler Appell an die Fans, die sich in wachsender Zahl von ihm und seiner Mannschaft abwenden. Löw bleibt sich treu - und hält sich auch im 15. Amtsjahr für den Richtigen. Er habe "die Motivation nie verloren", beteuerte er - und unterstrich dies mit feurigen Worten.

Diese trafen vor allem den Verband um Keller, der prompt reagierte. "Wir haben ein paar schlimme Wochen hinter uns", gab der Präsident kleinlaut zu. Es bedürfe "Geschlossenheit - auf allen Ebenen", appellierte er. An den Anhang gerichtet fügte er an, es sei wichtig, "dass wir an diese wunderbare Mannschaft glauben". Doch Löw konnte zwischen den Zeilen erneut ein paar Dinge lesen, die ihm nicht so gut gefallen dürften. Dass Keller betonte, es dürfe "keine Denkverbote" geben, darf als Rechtfertigung seiner Versuche gelten, Löw nach der EM loszuwerden.

Dabei hatte der sich Ansagen dieser Art zuvor ausdrücklich verbeten. "Im Vorfeld über gewisse Vorgaben zu reden, macht’s schwierig", sagte Löw. Doch auch er selbst wollte von höchsten Ansprüchen nicht abrücken. In die Ende März startende Quali gehe seine Auswahl "als großer Favorit", betonte er, das klare Ziel sei der Gruppensieg. Und bei der EURO? "Wir wollen das Turnier gewinnen."

Interne Einigkeit, das machte Löw ebenfalls klar, sei für den Erfolg unabdingbare Voraussetzung. Damit traf er den Nerv der Szene, die über die DFB-Querelen seit Wochen den Kopf schüttelt. DFL-Chef Christian Seifert wünschte dem Verband, dass "das teilweise sehr unwürdige Schauspiel an Illoyalität jetzt langsam ein Ende findet".

WM-Qualifikation startet am 25. März

Die DFB-Elf startet mit dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island am 25. März in das EM-Jahr 2021. Es folgen die Partien in Rumänien am 28. März und gegen Nordmazedonien am 31. März. Nach der EM (11. Juni bis 11. Juli 2021) folgen das Spiel in Liechtenstein am 2. September und die Partie gegen Armenien drei Tage später. Mit dem Spiel am 8. September auf Island starten die Rückspiele: am 8. Oktober gegen Rumänien, drei Tage später in Nordmazedonien, am 11. November gegen Liechtenstein und zum Abschluss am 14. November in Armenien. Mit Ausnahme dieser Partie, die um 18 Uhr beginnt, werden alle DFB-Spiele um 20.45 Uhr angepfiffen.

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