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Große Erfolge sind mit der aktuellen Generation nur eine Frage der Zeit, glaubt Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl.

Bundestrainer aus Leidenschaft

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Für Henrik Rödl wird die Basketball-WM in China das erste große Turnier als Bundestrainer sein. Bei der Nominierung hat er die Qual der Wahl und ist in den letzten Wochen quer durch Europa und in die USA gereist. Der Hesse blickt hoffnungsvoll in die Zukunft.

Am Samstag beginnt auch für Henrik Rödl eine besondere Zeit. Dann wird er noch ein bisschen mehr mit dem Auto quer durch Deutschland reisen und sich mehrere Wochen lang zahlreiche Basketball-Spiele in den Arenen anschauen. Die Playoffs in der Bundesliga sind für den 50-Jährigen die perfekte Gelegenheit, seine Nationalspieler noch einmal in Drucksituationen zu beobachten. Schließlich muss Rödl im Sommer schwere Personal-Entscheidungen treffen. Für die Weltmeisterschaften vom 31. August bis zum 15. September in China steht ihm ein Überangebot an hochwertigen Kandidaten zur Verfügung. Es ist sein erstes großes Turnier als Bundestrainer.

Rödl kann wahrlich aus dem Vollen schöpfen. Vielleicht war Basketball-Deutschland noch nie so gut besetzt wie momentan. Mit Dennis Schröder (Oklahoma City Thunder), Maxi Kleber (Dallas Mavericks), Daniel Theis (Boston Celtics) sowie den jungen Talenten Isaiah Hartenstein (Houston Rockets), Moritz Wagner und Isaac Bonga (beide Los Angeles Lakers) gibt es derzeit alleine fünf Profis in der US-Profiliga NBA. Rödl strahlt völlig zurecht großen Optimismus aus. "Ich glaube sehr an diese Generation", sagt der gebürtige Offenbacher, dessen Eltern weiterhin in Heusenstamm wohnen, "sie ist sehr tief besetzt, sehr jung und entwickelt sich". Langfristig gebe es die Chance, sich "in der europäischen Spitze festzusetzen". Und dann sei es nur "eine Frage der Zeit, den ein oder anderen großen Erfolg zu feiern". Der bislang letzte große Titel liegt schon über ein Viertel-Jahrhundert zurück: EM-Sieg 1993, mit Rödl als Spieler. Seitdem sprang "nur" noch WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005 heraus.

Mit Rödl als Bundestrainer scheinen diese Erfolge nun wieder möglich. Seit gut anderthalb Jahren hat der Wahl-Berliner das bedeutende Amt inne - und ist seitdem ständig auf Achse. "Die meisten Informationen hole ich mir zwar zu Hause mit Spielbeobachtungen per Video. Ich kann ja nicht überall gleichzeitig sein", sagt Rödl. "Aber auf der anderen Seite fahre ich viel herum und möchte natürlich jeden Spieler mehrfach sehen." Zuletzt war der 178-malige Nationalspieler zweimal in Amerika, "um die Jungs drüben zu sehen". Er war in Istanbul, um seinen Kapitän Robin Benzing bei Besiktas zu beobachten. Er war in Spanien, schaute sich bei Laboral Kutxa Vitoria den Ex-Frankfurter Johannes Voigtmann an. Und er reiste in die serbische Hauptstadt, um Maik Zirbes bei Roter Stern Belgrad zu sehen. Und natürlich besuchte er viele Bundesliga-Hallen. Eine Terminhatz, die ihm nichts ausmacht. Rödl ist Bundestrainer aus Leidenschaft.

Seinen WM-Kader hat der Ex-Profi freilich bereits teilweise im Kopf. Führungsfiguren wie Spielmacher Dennis Schröder sind gesetzt. Einige Positionen sind freilich noch offen. Auch der erst 19-jährige Isaac Bonga, der bis 2018 noch für die Frankfurt Skyliners als Pointguard auflief, ist noch im Rennen. "Er ist ein Thema", sagt Rödl, "es ist aber noch nicht klar, was bei den Lakers passiert". Eine Entscheidung über die WM-Nominierung wird er erst Ende Juli treffen. "Da zum Beispiel viele Spieler aktuell vereinslos sind und man derzeit noch nicht weiß, ob sie die Freigabe erhalten, können wir erst Ende Juli einen Kader nominieren", erklärte der frühere Profi am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Trier. Rödl erwartet, dass er auch auf die NBA-Spieler wie Schröder oder Kleber zurückgreifen kann. "Alle, auch unsere NBA-Stars, haben ihre absolute Bereitschaft erklärt, für Deutschland bei der WM zu spielen", betonte der 50-Jährige.

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