Bundesliga ohne Zuschauer?

  • vonSID
    schließen

Das Coronavirus hält die Sportwelt unvermindert in Atem. Nun fordert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Absage von Events mit mehr als 1000 Zuschauern. Dem deutschen Sport drohen damit massive Einschnitte.

Geisterspiele in Bundesliga und Champions League, keine Zuschauer beim Länderspiel in Nürnberg - und massive Konsequenzen weit über den Fußball hinaus: Dem deutschen Sport drohen im Zuge der Coronakrise enorme Einschnitte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfahl mit Blick auf die immer stärkere Ausbreitung des Virus die Absage von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern. Dies beträfe in den kommenden Wochen mehrere Sportereignisse im gesamten Bundesgebiet.

"Nach zahlreichen Gesprächen mit Verantwortlichen ermuntere ich ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf Weiteres abzusagen", schrieb Spahn in einem Statement auf Twitter. Er kritisierte zudem die seiner Meinung nach "zaghafte" Praxis der Behörden und Verbände: "Angesichts der dynamischen Entwicklung der letzten Tage sollte das schnell geändert werden."

Die Politik im besonders betroffenen Bundesland Nordrhein-Westfalen will die Empfehlungen Spahns umsetzen. "Großveranstaltungen haben natürlich die Neigung, dass da viel übertragen wird. Deshalb werden wir diesen Rat jetzt auch (...) bei uns in Nordrhein-Westfalen umsetzen", sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin".

Die Fußball-Bundesliga wäre das prominenteste Opfer einer verschärften Vorgehensweise. Geisterspiele, wie sie bereits in Italien durchgeführt werden, rücken immer näher. "Das Coronavirus bringt die gesamte Gesellschaft und damit auch den Fußball in eine schwierige Situation", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Die "Gesundheit der Bevölkerung und damit auch aller Fußball-Fans" habe "oberste Priorität", stellte er klar und kündigte ein Treffen mit den Klubs an. Verschiebungen der Spiele seien aber nur schwer umsetzbar. Es stehe "außer Frage, dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden muss, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln", sagte Seifert. Dann also im Zweifelsfall lieber ohne Zuschauer. Fast wortgleich äußerte sich auch die Handball-Bundesliga (HBL).

Auch die Champions-League-Begegnungen von RB Leipzig gegen Tottenham Hotspur am Dienstag sowie Bayern München gegen den FC Chelsea (18. März) oder auch das Länderspiel der Nationalmannschaft gegen Italien (31. März) wären betroffen. Die Leipziger teilten am Sonntagabend mit: "Wir sind weiterhin im engen Austausch mit den Gesundheitsbehörden und nach dem aktuellen Stand ist die normale Austragung des Spiels mit Zuschauern nicht gefährdet." Zudem findet am Mittwoch das verlegte Rheinderby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln statt. Darüber hinaus beginnen am selben Tag die Playoffs der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Die Organisatoren des Formel-1-Rennens in Bahrain entschieden sich bereits für eine Austragung ohne Zuschauer. Die Saison soll am Sonntag in Melbourne/Australien starten. Das für den 19. April geplante vierte Saisonrennen in China, dem Ausbruchsland des Coronavirus, wurde bereits Mitte Februar auf unbestimmte Zeit verschoben.

In Italien wird bereits offen von einem Abbruch der Fußball-Meisterschaft gesprochen. Das Radsport-Monument Mailand-San Remo (21. März) im Krisengebiet Norditalien wurde ebenso abgesagt wie die traditionsreiche Fernfahrt Tirreno-Adriatico (11. bis 17. März) und das Weltcup-Finale der alpinen Skirennläufer in Cortina d’Ampezzo (18. bis 22. März).

Ersatzlos gestrichen wurde am Samstag die Eishockey-WM der Frauen in Kanada (31. März bis 10. April). Auch die Männer-WM im Mai in der Schweiz rückt vermehrt in den Fokus. Scheinbar unbeeindruckt von all dem schreiten die Vorbereitungen auf die beiden größten Sportereignisse des Jahres voran. Die Verantwortlichen für die Fußball-EM in zwölf Ländern (12. Juni bis 12. Juli) und die Olympischen Sommerspiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) verweisen darauf, die Lage genau zu beobachten, Einschränkungen sind bislang aber nicht geplant.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare