Zwei Passanten mit Mundschutz-Maske und Regenschirm gehen in Tokio an der Olympia-Countdown-Uhr vorbei. Heute hätten die Spiele beginnen sollen, allerdings müssen die Athleten noch weitere 365 Tage auf die Eröffnungsfeier warten. FOTO: DPA
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Zwei Passanten mit Mundschutz-Maske und Regenschirm gehen in Tokio an der Olympia-Countdown-Uhr vorbei. Heute hätten die Spiele beginnen sollen, allerdings müssen die Athleten noch weitere 365 Tage auf die Eröffnungsfeier warten. FOTO: DPA

Büro statt Eröffnungsfeier

  • vonSID
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Am Freitag, den 24. Juli 2020, hätten sie eigentlich begonnen, die Olympischen Spiele in Tokio. Dann kam Corona, und alles wurde anders, auch für IOC-Chef Thomas Bach.

Thomas Bach wird am heutigen Freitag mit Wehmut im IOC-Hauptquartier in Lausanne sitzen. Büroarbeit. Das ein oder andere Telefonat. Alltag halt. Dabei hatte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees an diesem 24. Juli 2020 etwas ganz anderes vor.

Ein schillernder Auftritt knapp 10 000 Kilometer entfernt stand auf seiner Agenda. Ab 20 Uhr Ortszeit wollte Bach im Olympiastadion von Tokio bei der Eröffnungsfeier der Sommerspiele seine Worte an die Sportler der Welt richten. Doch auch diese Pläne wurden über den Haufen geworfen, das Coronavirus überzog die Welt mit seinem Schrecken.

Anstatt sich im Olympiastadion Schulter an Schulter mit Staatschefs und zahlreicher Prominenz im Glanze zu sonnen, muss sich Bach dieser Tage in Bescheidenheit üben. Und so holte sich der Tauberbischofsheimer am Donnerstag zumindest ein wenig olympisches Flair an seinen Arbeitsplatz - per Video aus Fernost.

Im leeren und abgedunkelten Olympiastadion von Tokio richtete die japanische Schwimmerin Ikee Rikako, die im vergangenen Jahr eine Leukämie-Erkrankung überstanden hat, in ein weißes Kostüm gekleidet Worte der Hoffnung an die Athleten der Welt. Die Botschaft von Respekt und Dankbarkeit soll den Sportlern Mut machen auf dem Weg nach Tokio.

Bach, Fecht-Olympiasieger von 1976, bescherte das Video des OK einen "Gänsehautmoment". Wenn alles seinen richtigen Weg gehe, "wird Olympia in Tokio das erste Fest nach Corona, das die Welt vereint", sagte Bach und sprach von einem "besonderen Meilenstein für die ganze Welt".

Das Video soll auch Hoffnung verbreiten, die bitter nötig ist. Seit der Verschiebung der Spiele Ende März läuft die Maschinerie zur Rettung des Großereignisses auf Hochtouren. Dennoch sind viele Athleten skeptisch. Japans Bevölkerung winkt schon ab, hat laut einer Umfrage kaum noch Lust auf das Spektakel. Nur 23,9 Prozent bekannten sich zu Olympia im nächsten Jahr.

Das Virus treibt unterdessen weiter sein Unwesen, die Fallzahlen steigen weltweit weiter an. Und vor allem: Noch ist kein wirksamer Impfstoff in Sicht. Auch Japan bekommt die Pandemie nicht in den Griff. Zuletzt stieg die Zahl der Infektionen wieder dramatisch an. "Alles hängt davon ab, ob wir einen Impfstoff bekommen", sagte OK-Chef Yoshiro Mori.

Ungeachtet dessen leisteten Japans Organisatoren ganze Arbeit. Neue Verträge mit allen 43 Austragungsstätten, dem Olympischen Dorf und dem Medienzentrum wurden geschlossen. Der Zeitplan steht, schon erstandene Tickets können behalten oder ab Herbst umgetauscht werden. "Für uns ist das ein Bekenntnis, dass die Spiele stattfinden sollen. Das ist beruhigend", sagte Thomas Weikert, Präsident des Tischtennis-Weltverbandes.

Bach hatte zuletzt mehrfach von "mehreren Szenarien" für Tokio 2020 gesprochen und auch Geisterspiele nicht ausgeschlossen. In einer ZDF-Umfrage sprachen sich jedoch deutlich mehr als die Hälfte der befragten deutschen Athleten gegen Olympische Spiele ohne Zuschauer aus.

Allerdings gibt es auch andere Meinungen. So erklärte der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler der "Sport Bild": "Ich akzeptiere für Olympia alle Auflagen: Quarantäne und Wettkämpfe ohne Publikum." Und die sechsmalige Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth meinte: "Ohne Zuschauer wäre es traurig. Aber besser Geister-Wettkämpfe als gar keine Spiele." FOTO: DPA

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