Emanuel Buchmann und seine Teamkollegen peilen nun Etappensiege an. FOTOS: DPA
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Emanuel Buchmann und seine Teamkollegen peilen nun Etappensiege an. FOTOS: DPA

Buchmann wirft Tour-Plan um

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Emanuel Buchmann muss sich nach den für ihn enttäuschenden Pyrenäen-Etappen der Tour de France neu sortieren - die ursprünglichen Ziele sind vom Tisch.

Nach einer unruhigen Nacht trug Emanuel Buchmann seine Tour-Pläne für dieses Jahr endgültig zu Grabe. "Die Gesamtwertung ist kein Thema mehr, das macht keinen Sinn", sagte er am Tag nach dem bösen Erwachen in den Pyrenäen. Der Traum vom Podest bei der Frankreich-Rundfahrt ist 2020 ausgeträumt, "jetzt versuche ich, auf Etappensiege zu gehen - aber in der Form vom Wochenende wird auch das sehr schwierig".

Fünf Stunden saß der 27 Jahre alte Top-Rundfahrer von Bora-hansgrohe nach der zweiten Pyrenäen-Etappe am Sonntag, auf der er allein vier Minuten auf die besten Klassementfahrer verlor, im Teambus. Dort und im Hotel hatte er viel Zeit, um seine Gedanken zu sortieren und am Ruhetag neue Ziele zu formulieren. Das Wichtigste: "Bei einer Tour steigt man ungern aus, ich will sie schon zu Ende bringen", sagte Buchmann am Montagnachmittag in La Rochelle an Frankreichs Westküste.

Es war eine recht pragmatische Analyse, ließ Buchmann, der kurz vor der Tour schwer gestürzt war, durchblicken. "Mir fehlen gerade einfach 15 bis 20 Watt, die ich noch vor dem Sturz hatte. Und damit kann man bei der Leistungsdichte hier eben nicht vorne mitfahren", sagte der Vorjahresvierte. Mit 5:45 Minuten Rückstand auf den führenden Slowenen Primoz Roglic liegt Buchmann im Gesamtklassement auf Platz 18, Rang 17 ist schon über zwei Minuten entfernt. Nach vorne wird da also wenig gehen, das weiß er selbst. Und deshalb will Buchmann auf dem Weg durch das Zentralmassiv und die Alpen gar nicht erst versuchen, jede Attacke der Favoriten mitzugehen.

"Ich will schauen, dass ich mich erhole, wir müssen einfach von Tag zu Tag schauen", sagte er. Und wenn das dann bedeutet, auf einer Etappe auch nur mitzurollen und viele Minuten zu verlieren, das stellte er klar, "dann wird das eben so sein". Trotz einer bislang enttäuschenden Tour herrscht im Bora-Team kei- ne Weltuntergangsstimmung. "Wir sind keine gebrochene Truppe", sagte Maximilian Schachmann, der selbst an den Folgen eines Schlüsselbeinbruchs leidet, für die zweite Hälfte der Frankreich-Rundfahrt aber durchaus ehrgeizige Pläne hat: "Wir spüren immer noch Optimismus im Team."

Um sich auf die kommenden Tage einzuschwören, ging die Bora-Mannschaft in der Stadt der U-Boote am Montag weitgehend auf Tauchstation. Nur eine lockere Trainingsrunde mit den Teamkollegen rund um La Rochelle, eine kurze virtuelle Medienrunde, ansonsten viel Pflege für den maladen Körper und den müden Kopf im abgeschiedenen Teamhotel - Buchmann konnte weitgehend Abstand gewinnen vom Trubel der Tour.

An der Atlantikküste, wo im 2. Weltkrieg die Deutschen zur unsäglichen Besatzungszeit eine Basis für ihr Unterseegeschwader unterhielten, die später Frankreichs Marine übernahm, fand Buchmann seinen Kampfgeist wieder. Viel gefestigter zeigte er sich als noch am Vortag nach dem Pyrenäen-Desaster, verteidigte seine Entscheidung, trotz der Sturzfolgen zur Tour angetreten zu sein, statt sich bis beispielsweise zur Vuelta auszukurieren - und dann eben in Spanien in Topform anzutreten. "Es war eine 50/50-Chance, dass es hier gut geht. Ich habe so viel vor der Tour investiert, dann musste ich es auch versuchen", sagte Buchmann. Den diesmal begrabenen Traum vom Tour-Podest will er im kommenden Jahr wieder ausbuddeln: "Das Podium bleibt das Ziel - ich weiß ja, dass ich das kann."

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