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Branche kommt ins Grübeln

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Die Corona-Krise bringt viele Klubs in Finanznot. Aus der Bundesliga selbst werden die Forderungen nach einem Umdenken immer lauter. Ideen für eine bessere Zukunft gibt es schon.

Eine Gehaltsobergrenze, höhere Rücklagen und vor allem mehr Demut: Die Vereine der Fußball-Bundesliga geben sich in der Corona-Krise geläutert und streben nach wirtschaftlich nachhaltigen Lösungen. Eine Sonderrolle reklamiert der Fußball dabei aber nicht für sich. "Wir wollen nicht im Ansatz eine Sonderstellung. Aber nochmal, es ist auch nicht mit Breitensport zu vergleichen, sondern wir wollen unseren Berufen nachgehen", sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der Sendung "Wontorra - Allein zu Hause" auf Sky Sport News HD. Watzke zeichnete zugleich düstere Zukunftsszenarien: "Wenn wir den Fußball nicht weiterspielen, dann säuft die ganze Bundesliga ab." Sollte man über ein Jahr nicht spielen können, "dann gehen überall die Lichter aus - auch beim BVB."

Rio-Weltmeister Matthias Ginter (Gladbach) sieht den Zeitpunkt für eine Selbstreflexion gekommen. "Ich denke, es ist generell für den Fußball eine große Chance, etwas herunterzufahren. Er ist wichtig für die gesamte Gesellschaft und für mich als Spieler natürlich besonders. Der Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Aber er ist eben eine Nebensache", sagte er der "Welt am Sonntag".

Röttgermann für Gehaltsobergrenze

Neue Wege schlägt Fortuna Düsseldorfs Vorstandschef Thomas Röttgermann vor. Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" machte sich der 59-Jährige deswegen für eine Gehaltsobergrenze stark. Das Salär der Spieler stelle "einen Großteil der Ausgaben dar, und man befindet sich in einem immerwährenden Rattenrennen mit Vereinen aus derselben Liga und internationalen Klubs", erläuterte Röttgermann. Als Lösung für dieses Problem sieht er den aus den nordamerikanischen Profiligen bekannten Mechanismus des Salary Cap: "Möglich wäre, eine Gehaltsobergrenze anhand des Gesamtumsatzes des jeweiligen Vereins zu errechnen. Oder die Festlegung von Gehaltsober- und -untergrenzen für Fußballprofis."

Neben der Reduktion der finanziellen Anfälligkeit erkennt Röttgermann auch eine Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit in den Ligen als möglichen Vorteil einer solchen Regelung. "Wenn ein Klub wie der SC Paderborn oder auch wir nur zehn Prozent des Etats von Bayern München haben, dann zeigt das nicht nur die wirtschaftlichen Möglichkeiten, sondern zementiert im Ergebnis auch die sportlichen Möglichkeiten. Das hat mit dem Sportgedanken im eigentlichen Sinne und der Maxime, der Bessere möge gewinnen, nicht mehr viel zu tun", sagte der Fortuna-Boss.

Augsburg-Chef sieht krankes System

Ein radikales Umdenken mahnt auch Augsburg-Geschäftsführer Michael Ströll an. "Jeder muss in den vergangenen Monaten festgestellt haben, dass höher, schneller, weiter nicht immer das richtige Mittel und vor allem in Krisenzeiten enorm gefährlich ist", sagte Ströll der "Augsburger Allgemeinen": "Wer jetzt nicht kapiert hat, dass dieses System krankt, dem ist nicht mehr zu helfen."

Durch die Corona-Pandemie haben zahlreiche Klubs finanzielle Probleme. Werder Bremen zum Beispiel muss einen zweistelligen Millionenkredit aufnehmen und rechnet im schlechtesten Fall mit einem Verlust von 40 Millionen Euro. Mehr als ein Drittel der Vereine der 1. und 2. Liga sind von der Insolvenz bedroht, wenn die Saison nicht beendet wird. Bayer Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes hält es deswegen "grundsätzlich für unabdingbar, dass die Vereine nach der Bewältigung der Krise ihre Eigenkapitalquote erhöhen". Nur so könnten sie "dauerhaft ihre Widerstandsfähigkeit stärken", sagte der 38-Jährige dem "Sportbuzzer".

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