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Bochum feiert, Pfiffe gegen BVB

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Die Bochumer um Torwart Manuel Riemann (orange Hose), Anthony Losilla (M.) und Robert Tesche (l.) feiern mit ihren Fans den Klassenerhalt. © Imago Sportfotodienst GmbH

Der VfL Bochum hat mit dem Coup bei Borussia Dortmund den Klassenerhalt perfekt gemacht. Der Aufsteiger will seinen Weg auch in der neuen Saison unbeirrt fortsetzen. Dagegen setzt es Pfiffe für den BVB von den eigenen Fans.

Die Party im »Bermuda3Eck« endete erst in den frühen Morgenstunden. Im bekanntesten Kneipenviertel des Ruhrgebiets feierten die Spieler des VfL Bochum ausgelassen den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga.

»Es gibt kein Ende. Feuer frei«, hatte Torhüter Manuel Riemann schon unmittelbar nach dem 4:3 (2:2)-Coup bei Borussia Dortmund angekündigt, das erste Bier bereits in der Hand. »Wir haben einige Feierbiester«, ergänzte Trainer Thomas Reis augenzwinkernd.

Den Startschuss für die Klassenerhalts-Feier gab Schiedsrichter Robert Hartmann mit dem Abpfiff. Reis sprang wie ein Flummi auf und ab und sprintete dann mit den Profis zu den 8000 mitgereisten Fans in der Kurve. »Das waren Emotionen pur. Wir haben ganz Bochum stolz gemacht. Wir haben Großes geleistet«, sagte Reis. Der Sieg im kleinen Revierderby und die damit verbundene Rettung sei »die Krönung der Saison«.

In der Kabine ging die Party mit entsprechender Musik und Gesangseinlagen weiter, die Anhänger schwenkten auch auf der kurzen Rückreise auf der A40 ihre Schals aus den Autos. »Nächstes Jahr in der Bundesliga zu spielen«, betonte Stürmer Sebastian Polter, »das haben wir uns alle verdient.«

Dabei hatte das dem Aufsteiger kaum jemand zugetraut. Der VfL wurde neben Mit-Aufsteiger Fürth als erster Abstiegskandidat gehandelt. »Es ist nicht so schlecht dafür, dass vor der Saison alle prognostiziert haben, dass wir direkt wieder absteigen«, sagte Geschäftsführer Sport Sebastian Schindzielorz bei Sky schmunzelnd: »Wir haben gegen alle Widerstände angekämpft und verdient die Klasse gehalten.« Mit viel Leidenschaft, Teamgeist und Willen war Bochum auch für die Großen der Liga ein äußerst unangenehmer Gegner. Gegen den BVB holte der VfL vier Punkte, die Bayern wurden im Ruhrstadion düpiert (4:2) und auch Leverkusen wurde ein Zähler abgetrotzt.

Reis wurde daher für einen kurzen Moment sentimental. »Als ich nach Bochum zurückkam, befand sich der Verein in einer schwierigen Situation. Wir haben gemeinsam unseren Weg zurückgefunden und gezeigt, dass man zusammenhalten muss, um etwas zu erreichen«, sagte der 48-Jährige.

Trotz einiger Rückschläge hat sich der VfL nie hängen lassen. Nach dem 0:7 in München in der Hinrunde wurde an den richtigen Stellschrauben gedreht.

Seinen Weg will der Außenseiter unbeirrt fortsetzen. »Ob wir mit einem Lizenzspieler-Etat von 24, 25 oder 31 Millionen Euro an den Start gehen, ist doch völlig egal - weil die anderen eh mehr Geld haben. Daher tun wir gut daran, in Ruhe zu arbeiten und eine klare Strategie zu fahren«, sagte Geschäftsführer Ilja Kaenzig den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Unterdessen wollte Erling Haaland nur noch weg. Der Torjäger von Borussia Dortmund quetschte sich nach der Pleite auf die Rückbank des Fahrdienstes, obwohl dort schon drei Profis saßen. Die unbequeme Haltung nahm er für die kurze Strecke gerne in Kauf. Haaland wollte so schnell wie möglich nach Hause. Dabei hatte der wechselwillige 21-Jährige mit seinem Dreierpack noch einmal mächtig Eigenwerbung betrieben. Doch für Haaland war es ein trauriger Tag. Die Nachricht vom Tod seines Beraters Mino Raiola machte während des Spiels die Runde. Auch die lautstarken Pfiffe und Beschimpfungen der enttäuschten BVB-Fans hallten Haaland und seinen Mitspielern auf der Heimfahrt noch in den Ohren. »Das eine ist, das Spiel zu verlieren. Das andere ist, sich zu Recht auspfeifen zu lassen. Das macht am Ende den Nachmittag bitter«, sagte Nationalspieler Julian Brandt bei Sky. Statt sich vorzeitig die sechste Vize-Meisterschaft in den vergangenen zehn Jahren hinter Seriensieger Bayern München zu sichern, taumelt der personell schwer angeschlagene BVB dem Saisonende entgegen.

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