Bobic sagt Adieu

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Der noch amtierende Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic hat einen dann doch etwas sonderbaren Weg gewählt, um das zu bestätigen, was nun alles, aber kein Geheimnis mehr ist: Dass er den aufstrebenden Bundesligisten vom Main im Sommer liebend gerne verlassen würde.

Keine Presserunde also, kein Interview im sonst so beliebten vereinseigenen Fußball-TV, keine gemeinsame Erklärung. Nein, der 49-Jährige beschritt den Sonderweg, was extern wie intern für Irritationen sorgte. In der aufgezeichneten ARD-Sendung »Sportschau Thema« verkündete Bobic: »Es ist klar, dass ich 2021, jetzt im Sommer, den Verein verlassen werde.«

Den Trennungswunsch habe er schon vor einem Jahr an den damaligen Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing herangetragen, doch dann kam Corona - und das Ganze versandete irgendwie. Bis Hertha BSC vor fünf Wochen Manager Michael Preetz entließ - und Fredi Bobic zum Objekt der Begierde der »Alten Dame« wurde.

Die Eintracht hatte am Dienstag schon vor Bobics Alleingang auf die Berichterstattung am Montag reagiert und eine Pressemitteilung des Aufsichtsratsvorsitzenden Philip Holzer verfasst, die aber erst nach Bobics Vorstoß veröffentlicht wurde. Demnach habe es seit »geraumer Zeit« Gespräche über die Zukunftspläne des einstigen Nationalspielers gegeben, aber zuletzt nahm das Thema deutlich Fahrt auf.

Bobic, so Holzer, sei vor drei Wochen auf ihn zugekommen und habe ihn über seine Überlegungen informiert, seinen bis 2023 laufenden Vertrag nach dieser Saison aufzulösen. »Wir haben verabredet, entsprechende Gespräche über einen Verbleib oder einen vorzeitigen Wechsel zu führen und darüber im Sinne des sportlichen Erfolgs der Eintracht absolutes Stillschweigen zu wahren.« Die Gespräche, so heißt es weiter, seien gegenwärtig noch nicht abgeschlossen und würden erst nach der nächsten Aufsichtsratssitzung Mitte März fortgesetzt. Festzuhalten bleibt, dass sich die Unterredungen eher nicht um einen Verbleib drehen werden.

Der frühere Nationalspieler wollte die Angelegenheit aussitzen und in die Länge ziehen, was zu einem völlig verunglückten TV-Interview (»Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt«) und einem Eiertanz führte, der dem Ansehen des Schwaben schadete und seinem Image Kratzer zufügte. Er wäre gut beraten gewesen, das Versteckspiel auch öffentlich früher zu beenden, um Fakten zu schaffen und Klarheit herbeizuführen.

Die Eintracht ihrerseits hielt den hüpfenden Deckel auf dem Topf, um den sportlichen Erfolg nicht durch aufkommende Unruhe zu gefährden. Das hat geklappt, bis Montagabend, als Bobics Ansinnen durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangte. In Frankfurt sind sie der festen Überzeugung, dass die Berliner die brisante Info auf den Markt brachten, um mit guten Nachrichten für Aufbruchstimmung zu sorgen und den Turnaround zu schaffen.

Doch schon jetzt ist klar, dass die Eintracht ihren Sportchef nicht en passant abgeben und zum Nulltarif gehen lassen wird. Eine Freigabe wird erst einmal nicht erteilt, der Vertrag nicht aufgelöst. Die Verantwortlichen sind fest entschlossen, sehr konsequent zu verhandeln, falls Hertha doch noch aktiv auf sie zukommen wird. Zumal Bobic, anders als Trainer Niko Kovac damals, keine Ausstiegsklausel in seinem Arbeitspapier verankert hat. Und: Ein kolportiertes Gentlemen’s Agreement, wonach der bestehende Vertrag auf Wunsch Bobics für nichtig erklärt werden kann, wird vonseiten der Eintracht ins Reich der Fabel verwiesen.

Die Eintracht wird auf eine Entschädigungszahlung pochen. Die könnte gar bei rund fünf Millionen Euro liegen. Und die Verantwortlichen erhöhen den Druck auf Bobic, der sich in einer Aufsichtsratssitzung am 10. März vor dem gesamten Gremium erklären muss. In jedem Fall sind die Verantwortlichen auf den Abgang ihres Fußballchefs vorbereitet. Das wiederum bedeutet nicht, dass die Nachfolgersuche auf Hochtouren läuft, auch wenn Namen natürlich schon diskutiert wurden. Christoph Spycher, Sportboss bei Young Boys Bern und Ex-Eintracht-Kapitän, ist ein heißer Kandidat, er wäre der logische Nachfolger, leistet exzellente Arbeit. Und zu den Aspiranten zählt auch Jonas Boldt vom HSV, gut bekannt mit Eintracht-Marketingvorstand Axel Hellmann.

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