Sie machen den Bayern-Fans Freude: Serge Gnabry (l.) und Leroy Sané. FOTO: DPA
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Sie machen den Bayern-Fans Freude: Serge Gnabry (l.) und Leroy Sané. FOTO: DPA

Blindes Verständnis

  • vonred Redaktion
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Vom Grundsatz her könnten die Fälle kaum unterschiedlicher sein. Als Arjen Robben vor elf Jahren vom FC Bayern München verpflichtet wurde, passierte das in einer echten Hauruck-Aktion. Kaum war der neue Star von Real Madrid da, stand er schon auf dem Platz. Der Transfer von Leroy Sané hingegen hat sich über knapp ein Jahr gezogen, und auch, als der Fußball-Nationalspieler dann endlich ein Bayer war, musste er lange warten, ehe er los legen durfte. Was die beiden Personalien eint: dass sie sofort funktionierten. Und perfekt mit ihrem kongenialen Flügelpartner harmonieren.

Der Auftritt von Sané beim 8:0 gegen den FC Schalke 04 hat nachhaltig für Eindruck gesorgt. Die ersten Gratulationen zu zwei Torvorlagen und einem Treffer erreichten 24-Jährigen noch auf dem Rasen, Lobhymnen gab es später aus allen Richtungen. Er selbst ließ verlauten, "sehr glücklich" zu sein: "Es hat sich sehr gut angefühlt, endlich mit den Jungs zusammen Fußball zu spielen." Mehr als zweieinhalb Monate sind ja zwischen seit seinem offiziellen Start in München und dem Debüt im roten Trikot vergangen. Sané trainierte und ackerte, musste zusehen, wie das Team in seiner Abwesenheit die Champions League gewann - merkte aber wie der Rest der Fußball-Republik am Freitag schnell: "Diese Mannschaft ist hungrig, obwohl sie das Triple gewonnen hat." Daran ist er selbst nicht ganz unschuldig.

Über "eine Bewegung innerhalb der Mannschaft" sprach Vorstand Oliver Kahn, als er nach dem fulminanten Auftaktsieg auf Sané angesprochen wurde. Dass der neue Star in den eigenen Reihen "gleich liefern will", habe auch den Kollegen gutgetan. Vor allem Gnabry wirkte wie beflügelt von seinem neuen Partner, der ihm gleich zwei Tore auflegte. Das Duo verstand sich auf Anhieb blind, tauschte die Seiten, fand sich aber immer wieder. "Man hat gesehen, dass wir vorne enorm Speed hatten. Die beiden haben das hervorragend gemacht", sagte Hansi Flick. Schon in der Nationalmannschaft habe man "gesehen, dass sie harmonieren". Im Bayern-Trikot - und mit den ehemaligen Ribery- und Robben Nummern "7" (Gnabry) und "10" (Sané) - wurde der Eindruck bestätigt.

Man hofft zurecht, dass die neue Flügelzange an jene anknüpfen kann, die das Spiel des Rekordmeisters zehn Jahre lang geprägt hat. "Machen wir mal ganz langsam", sagte Flick zwar, als der Vergleich zu "Robbery" gezogen wurde. Man konnte aber selbst dem betont unaufgeregten Coach die Entzückung anmerken. Über vergangene Zeiten zu reden, sei "nicht sein Ding", trotzdem sei der erste gemeinsame Auftritt nun "der Maßstab für Leroy, Serge und die ganze Mannschaft." "Einfach schön" fand Flick, "dass Leroy direkt da war", obwohl er nach eigenen Angaben nach seiner Kreuzband-Reha "noch nicht bei 100 Prozent" ist. Auch Gnabry, mit drei Treffern eigentlich selbst Matchwinner, sagte schon nach den ersten 72 Minuten mit dem Neuen: "Das läuft wie geschmiert."

Freilich war es ein Jammer, dass die Gala vor leeren Rängen stattfinden musste. Damals, am 29. August 2009, durften sich Ribery und Doppeltorschütze Robben nach dem 3:0 gegen Wolfsburg von 69 000 Fans in der Allianz-Arena feiern lassen. Der niederländische Neuzugang wurde als "Retter" tituliert, man sprach im kriselnden Bayern-Team von der "Wiederentdeckung der Spielkultur". Bei Gnabry und Sané fragt man sich eher: Wo soll das hinführen?

HANNA RAIF/JONAS AUSTERMANN

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