ARD-Doku über Gewichtheber

Blick in den Doping-Sumpf

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(dpa). Doping-Vertuschung, Kinderdoping, schwarze Kassen und Korruption: In der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Der Herr der Heber" sind schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten des Gewichtheber-Weltverbandes Tamas Ajan erhoben worden. Dem 80-jährigen Ungarn wird in dem TV-Beitrag vom Sonntag (18.45 Uhr) auf Grundlage der ARD vorliegenden Dokumente vorgeworfen, dem endlosen Doping-Betrug in der IWF Tür und Tor geöffnet zu haben. Ajan nahm auf mehrere ARD-Anfragen hin nicht inhaltlich Stellung zu den Vorwürfen.

So sollen fast die Hälfte der 450 Medaillengewinner der Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften von 2008 bis 2017 im Jahr ihres Erfolges keine einzige Trainingskontrolle absolviert haben. Zweifel weckt auch, dass die von einem Ungarn angeführte IWF bei vielen internationalen Wettkämpfen die ungarische Anti-Doping-Agentur Hunado mit den Kontrollen beauftragte. Nur bei der WM 2015 in Houston testete die US-Agentur Usada - und erwischte 24 Doping-Sünder. Der ARD-Dopingredaktion liegen darüber hinaus Hinweise vor, dass von der IWF beauftragte Dopingkontrolleure Geld als Gegenleistung für das Akzeptieren manipulierter Dopingproben angenommen habe. Mit Fremdurin manipulierte Proben sollen sogar von den zu testenden Athleten ähnlich aussehenden Doppelgängern abgegeben worden sein.

"Ajan steht für ein System, dass über Jahrzehnte Doping im Gewichtheben etabliert hat und das über Jahrzehnte schiefgelaufen ist", sagte Christian Baumgartner, Präsident des deutschen Verbandes. "Es hat sich eine Kultur der Korruption breit gemacht."

IWF-Chef Ajan ist noch einem anderen Vorwurf ausgesetzt. Er soll veranlasst haben, Zahlungen vom Internationalen Olympischen Komitee an die IWF - seit 1992 in Höhe von mehr als 23 Millionen Dollar - auf zwei Schweizer Bankkonten zu transferieren, die nicht in den Verbandsbilanzen aufgeführt waren. Für diese Konten soll, als sie 2009 entdeckt worden seien, allein Ajan zeichnungsberechtigt gewesen sein. Nach ARD-Recherchen konnte er den Verbleib von mindestens 5,5 Millionen Dollar nicht erklären.

Im Zuge der ARD-Recherchen in der Gewichtheber-Welt könnte ein früherer Star aus Thailand ihre Olympia-Medaille verlieren. Rattikan Gulnoi, Olympia-Dritte von London 2012, gab in der TV-Doku zu, seit 2011 im Alter von 18 Jahren Anabolika genommen zu haben. Zudem berichtete sie, dass in Thailand die jüngsten Heber bereits "mit 13, in nationalen Wettbewerben" angefangen haben zu dopen.

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