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Wout Weghorst

Sonntagspiel

Es bleibt spannend an der Spitze

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Erst mit Glanz, dann mit halber Kraft: Der FC Bayern hat auf die Siege der Konkurrenz eindrucksvoll reagiert. Und dabei sogar etwas geschafft, was ihm in seiner Bundesliga- Geschichte zuvor noch nicht gelungen war.

(dpa). Der FC Bayern München ist auch nach dem 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga Spitzenreiter, aber die Verfolger sitzen den Münchnern im Rücken - starke Dortmunder am Freitag, die abgezockten Leipziger gegen Bremen und die beeindruckenden Gladbacher sorgen für Spannung an der Spitze.

Abgezockt - Zumindest über Nacht Tabellenführer werden und dabei noch Kräfte sparen - für RB Leipzig lief die Generalprobe für das Achtelfinal-Duell gegen Tottenham Hostpur in der Champions League ganz nach Plan. Mit dem 3:0 gegen Bremen ist das Team von Trainer Julian Nagelsmann weiter ganz dick drin im Titelgeschäft. Sportchef Markus Krösche meinte: "Das ist wichtig, dass wir diese Spiele gewinnen und dann schauen wir mal, was die nächsten Wochen bringen."

Dranbleiber - Sie lassen sich einfach nicht abschütteln, diese Gladbacher. Das beeindruckende 4:1 in Düsseldorf zeigte erneut, dass man das Team von Trainer Marco Rose im Titelkampf nicht gering schätzen sollte. Und dann sind dann noch diese Leverkusener, die bei Union Berlin den vierten Sieg im fünften Rückrundenspiel einfuhren. Platz fünf, aber mit Blickkontakt zur Spitze. Da störte es die Werkself auch nicht, dass die Partie in Berlin eher in die Kategorie Arbeitssieg fiel. "Man muss ab und zu auch mal dreckig gewinnen", sagte Sportdirektor Simon Rolfes.

Abwärtssog - Werder Bremen wird den Negativtrend nicht los. Auch ein Kurz-Trainingslager vor dem Spiel bei RB Leipzig verfehlte die erhoffte Wirkung. Das glatte 0:3 war für den Tabellenvorletzten die vierte Liga-Schlappe in Serie. Und wieder musste sich die Bremer Klubspitze Fragen nach der Zukunft von Trainer Florian Kohfeldt anhören, an dem sie trotz allem weiter festhalten will. Der Coach selbst sagte: "Auf jeden Fall bin ich kämpferisch. Wir müssen weitermachen."

Therapie - Vier Tage nach dem Schock des Rücktritts von Trainer Jürgen Klinsmann wirkte der 2:1-Sieg von Hertha BSC in Paderborn wie eine Beruhigungspille. Auch Nachfolger Alexander Nouri, von Klinsmann eigentlich als Assistent geholt, muss sich nun nicht mehr nach der Serie von zuvor 21 Spielen im Profifußball ohne Sieg als Cheftrainer fragen lassen. Eine langfristige Zukunft dürfte der Coach bei den Berlinern aber nicht haben. Für die nächste Saison schaut sich die Hertha nach einem namhaften Trainer für das Projekt "Big City Club" und das Ziel Europacup um.

Erlösung - Mehr als zwei Monate hatte Wout Weghorst in der Bundesliga nicht mehr getroffen. Da wirkte der Dreierpack beim 3:2-Sieg bei 1899 Hoffenheim wie eine krachende Befreiung. "Ich spiele Fußball für dieses Gefühl, wenn du ein Tor machst. Heute hatte ich das dreimal und das ist natürlich super", sagte der Niederländer. Dass der 27-Jährige rechtzeitig vor der Europa-League-Zwischenrunde gegen Malmö sein Zwischentief überwunden hat, dürfte die Zuversicht der Niedersachsen stärken. FOTO: DPA

Hansi Flick ging es wie zuvor seiner Mannschaft: Am Ende verließen ihn die Kräfte. 90 Minuten hatte der Trainer des FC Bayern München während des 4:1 (3:0) beim 1. FC Köln engagiert gecoacht, dann versuchte er noch ein Interview zu geben. Dieses musste der erkältete Flick abbrechen, bei der anschließenden Pressekonferenz ließ er sich entschuldigen.

Das Spiel fasste dafür Manuel Neuer treffend zusammen. "Wir hätten heute zehn Tore schießen können", sagte der Kapitän und Torhüter: "Aber auch viel mehr kassieren können." Sehr lange hatten sich die Bayern meisterlich präsentiert und mit einem historischen Blitzstart den Grundstein für die direkte Rückeroberung der Tabellenspitze gelegt. Allenfalls die etwas fahrlässige Schlussphase trübte die ansonsten eindrucksvolle Demonstration der Stärke. "Ich habe uns selten so spielfreudig erlebt wie in der ersten Halbzeit", sagte Thomas Müller: "In der zweiten Halbzeit waren wir dann zu gemütlich, haben uns zu sicher gefühlt. Das ist menschlich. In der Champions League dürfen wir uns das aber nicht erlauben."

Dass die Münchner den am Samstag an die Spitze gesprungenen Leipzigern direkt wieder die Tabellenführung entreißen würde, war aber schon nach weniger als einer Viertelstunde klar. Robert Lewandowski mit seinem 23. Saisontor (3. Minute), Kingsley Coman beim Startelf-Comeback nach zweimonatiger Verletzungspause (5.) und Serge Gnabry (12.) schossen die schnellste 3:0-Auswärtsführung in der Bundesliga-Geschichte des FC Bayern heraus. Gnabry legte nach (66.), Köln kam durch Mark Uth zum Ehrentreffer (70.). Müller verbucht nach seinen Vorlagen zum 1:0 und 2:0 zudem nun 14 Assists in dieser Bundesliga-Saison, das schaffte seit Einführung der genauen Datenerfassung im Jahr 2004 nach 22 Spieltagen noch niemand.

Die zuvor viermal in Folge daheim siegreichen Kölner gehen mit einer klaren Niederlage in die Karnevalswoche, der Frust hielt sich aber in Grenzen. "Es hätte übel enden können", sagte Torhüter Timo Horn: "Das ist es letztlich aber nicht." Manager Horst Heldt, einst in Köln Mitspieler von Flick, antwortete auf die Frage, ob das Team so seine Ehre gerettet hätte: "Ja, das finde ich schon."

(dpa). Der FC Schalke 04 hat im Kampf um einen Europacup-Platz mit dem tristen und torlosen Remis beim FSV Mainz 05 wieder wertvolle Punkte liegen lassen. Für die Gelsenkirchener war es am Sonntag bereits das neunte Unentschieden in der Fußball-Bundesliga-Saison und das vierte Spiel in Folge ohne Sieg. Zwar stehen die Schalker weiter auf Platz sechs, liegen aber sechs Zähler hinter einem Champions-League-Rang.

"Wir tun uns im Moment schwer damit, Torchancen zu kreieren. Wenn du nicht gewinnen kannst, musst du sehen, dass du nicht verlierst. Das machen die Jungs im Moment", sagte Schalkes Trainer David Wagner bei Sky und sprach von einem "0:0 der Sorte gerecht". Angreifer Michael Gregoritsch meinte: "Es ist nicht alles schlecht, wir werden auch wieder unsere Chancen verwerten."

Die Mainzer verbuchten in der 22. Begegnung ihr erstes Remis dieser Saison. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nun fünf Zähler. "Wir sind zufrieden, wir haben einen Punkt, der hilft uns weiter", sagte der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer nach einem insgesamt schwachen Spiel.

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