Lennard Kämna bejubelt seinen Etappensieg bei der Dauphiné-Rundfahrt. FOTO: AFP
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Lennard Kämna bejubelt seinen Etappensieg bei der Dauphiné-Rundfahrt. FOTO: AFP

"Bittersüße Erfahrung"

  • vonred Redaktion
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Seine Fähigkeiten auf hochalpinem Terrain hat Lennard Kämna schon im Vorjahr im Trikot des Team Sunweb bewiesen. Damals sorgte der junge Mann aus dem niedersächsischen Fischerhude für Aufsehen, als er bei der Tour de France zwei Bergetappen als Vierter und Sechster beendete. Kein Wunder, dass ihn der auch auf hochbegabte deutsche Radprofis spezialisierte Rennstall Bora-hansgrohe zu Saisonbeginn verpflichtete. Der 23-Jährige etablierte sich auf Anhieb und feierte am Wochenende bei der Dauphiné-Rundfahrt seinen ersten Sieg als Profi. Im Interview erzählt Kämna über seinen Coup in den französischen Alpen, seine Rolle als Edelhelfer der Tour-Hoffnung Emanuel Buchmann und über verantwortungslose Rennveranstalter.

Sie haben sich bei der Generalprobe für die Tour de France in Topform präsentiert und Ihr erstes Profirennen gewonnen. Wie fühlt man sich, wenn man als junger Fahrer den Durchbruch schafft?

Der Etappensieg bei der Dauphiné bedeutet mir sehr viel. Ich war schon sehr, sehr glücklich und sehr stolz, dass ich das geschafft habe. Ich bin aber zugleich auch traurig über die anderen Ereignisse an diesem Tag, vor allem die Stürze meiner Teamkollegen Emanuel Buchmann und Gregor Mühlberger. Insofern war es eine bittersüße Erfahrung.

Wie überwindet man im Rennen den Dämpfer, wenn man hört, dass der Kapitän gestürzt und eventuell schwer verletzt ist?

Das hat mich zunächst schon runtergezogen, keine Frage. Und es hat einige Kilometer gedauert, bis ich das abgeschüttelt habe. Aber irgendwann blendet man das wieder aus und fährt voll sein Rennen. Auf den letzten zwei, drei Kilometern war ich ganz auf den Sieg fokussiert. Ich war dann aber auch glücklich, dass ich Emu (Emanuel Buchmann/Anm. d. Red.) am Abend noch gesehen habe und feststellen konnte, dass es ihm halbwegs gut geht.

Was hat er denn erzählt?

Die haben halt Pech gehabt. Das war eine schlechte Straße, und die beiden sind bei der Abfahrt weggerutscht. Es war ein echt ärgerlicher Sturz. Aber da konnte man nicht viel machen.

Wie kommt es, dass Sie sich als Teamneuling so schnell im ungewohnten Umfeld zurechtgefunden haben?

Ich bin wirklich glücklich in meinem neue Team. Es gefällt mir sehr, sehr gut. Es ist großartig, wie hier gearbeitet wird. Ich bin rundum zufrieden.

Das große Thema sind die vielen schweren Stürze. Ist der Vorwurf an die Rennveranstalter berechtigt, dass sie sich zu wenig um die Sicherheit der Fahrer kümmern?

Da muss ich ganz klar sagen: ja. Es wird in letzter Zeit zu wenig Rücksicht auf die Fahrer genommen. Und unsere Fahrervereinigung CPA (eine Art Gewerkschaft für Rad-Profis/Anm. d. Red.) ist da auch nicht gerade eine Riesenerfolgsgeschichte. Immerhin wurde erreicht, dass wir die ersten zehn, 15 Kilometer der Schlussetappe der Dauphiné neutralisiert fahren konnten. Aber hätte es am Tag zuvor nicht die vielen Stürze gegeben, hätten wir gleich zum Start voll bergab fahren müssen. Dabei ist das auf dieser Strecke mordsgefährlich.

Worin bestanden die Gefahren?

Die erste halbe bis eine Stunde wird in einem Radrennen immer von vielen Attacken geprägt. Da bildet sich die Ausreißergruppe des Tages, und dementsprechend ist immer eine Riesenhektik im Feld. Wenn man also ein Rennen mit einer Abfahrt startet, bringt das super viele Gefahren mit sich, weil da fast ein jeder Risiko nimmt. Und wenn dann auch noch lauter Huckel, Kreisverkehre, gefährliche Kurven kommen, dann ist ein großes Risiko programmiert.

Saisonhöhepunkt ist die Tour de France. Was sind da Ihre Ziele?

Ich möchte Emu so gut wie möglich helfen. Wenn er in Form ist, hat er die super Chance, aufs Podium zu fahren. Und das ist die Sache, der ich mich zu 100 Prozent verschreiben werde. ARMIN GIBIS

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