Beide Spiele gegen Basel in Frankfurt?

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Inmitten der allgemeinen Corona-Verunsicherung kann es schon mal passieren, dass dem Frankfurter Trainer Adi Hütter die sogenannte Ghettofaust zur Begrüßung entgegengestreckt wird. Der 50-Jährige ist ein freundlicher Mann, weshalb er diese eher seltsame Geste erwidert. Er zieht es aber auch in diesen Tagen vor, seine Gegenüber per Handschlag zu begrüßen. "Ich habe keine Angst", sagt der Eintracht-Coach.

Über die Irrungen und Wirrungen rund um das Coronavirus ist die Entourage des Fußball-Bundesligisten natürlich im Bilde. "Wir wurden von unseren Ärzten gut informiert", sagt Hütter. Groß angelegte Schutzmaßnahmen hat die Sportliche Leitung bisher nicht getroffen, außer die auf den Hand liegenden. Die Mannschaft ist von der Öffentlichkeit ohnehin eher abgeschottet, die Trainingseinheiten sind fast immer geheim, der Publikumsverkehr ist somit stark eingeschränkt.

Die kommende Europa-League-Heimpartie der Eintracht am Donnerstag gegen den FC Basel wird aber wie gewohnt mit Zuschauern im Stadion ausgetragen. Das bestätigte gestern Abend der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) auf Anfrage: "Das Spiel findet mit Fans statt." Das Land Hessen hatte zuvor die Empfehlung ausgegeben, alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern abzusagen. Dieser folgt die Stadt Frankfurt vorerst nicht.

Das Rückspiel in der Europa League in der Schweiz wird bekanntlich nicht in Basel angepfiffen werden. Der Austragungsort ist noch offen. "Derzeit befinden sich die Klubs und die UEFA in engem Austausch bezüglich der Austragung des Rückspiels. Nach der Spielabsage in Basel werden verschiedene Optionen, mit dem Ziel einer schnellen und für alle Parteien sinnvollen Entscheidung, geprüft", sagt Eintracht-Medienchef Jan Martin Strasheim. "Auch Frankfurt kommt dabei als Austragungsort in Betracht." Dann hätte die Eintracht quasi ein doppeltes Heimspiel. Es ist eine Variante, die gar nicht einmal unwahrscheinlich ist, denn kaum ein Ausweichspielort hat ein Interesse daran, dass sich bestimmt mehr als 1000, 1500 Eintracht-Fans in der Stadt aufhalten werden. Oder aber der FC Basel tritt zum Rückspiel nicht an, dann wäre die Eintracht automatisch weiter.

Das glitzernde Europapokalfeeling hat in Frankfurt in dieser Woche jedenfalls noch nicht Einzug gehalten, das Achtelfinalhinspiel der Europa League am Donnerstag (18.55 Uhr/DAZN) im Stadtwald nahm durch die Beschlüsse rund um Corona noch keinen großen öffentlichen Raum ein.

Trainer Hütter kommt die Aufgabe zu, den Fokus mit seinem Team voll und ganz auf den Sport zu richten. Interessant ist besonders die Frage, welches Gesicht sein Ensemble zeigen wird. In der Bundesliga setzte es zuletzt drei Niederlagen am Stück - 0:4 in Dortmund, 1:2 gegen Union Berlin, 0:4 in Leverkusen. Bedenklich. Bisher hat sich die Eintracht aber stets zusammenreißen und zu guten bis sehr guten Leistungen aufraffen können, wenn es im DFB-Pokal oder der Europa League hopp oder topp hieß. Hütter warnt aber vor den geistigen und körperlichen Belastungen. "Es ist für einen Verein wie Eintracht Frankfurt nicht so leicht, auf drei Hochzeiten zu tanzen", sagt er. Zumal der Kader zwar ausreichend bestückt sei, "aber bei unserer Belastung sicherlich nicht zu groß ist. Wir brauchen jeden Spieler." Der Trainer will vermehrt rotieren, um den fast schon obligatorischen Einbruch zum Ende der Saison zu verhindern.

Am Donnerstag wird der Coach sicher die in seinen Augen stärkste Elf ins Rennen schicken, mit dem FC Basel wartet ein erfahrener Europapokalstarter, aber es ist eine Aufgabe, die lösbar ist, "ein gutes Los", wie Mittelfeldspieler Sebastian Rode sagt. Die Schweizer spielen aufgrund des grassierenden Coronavirus’ seit Wochen nicht mehr, die Liga ist ausgesetzt, die Mannschaft kann - Testspiele hin, hartes Training her - derzeit gar nicht im Rhythmus sein. Ingo Durstewitz

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