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Bei Regen höchstens Wollhandschuhe

  • VonRedaktion
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Alter ist nichts für Feiglinge, so geht ein Bonmot, aber Egon Loy findet, dass alt werden dann schön ist, wenn zwei Dinge gelingen: Der Kopf müsse klar sein, und man muss noch laufen können. Beides funktioniert noch bei Egon Loy, jenem legendären Torwart von Eintracht Frankfurt der 50er- und 60er-Jahre, Mitglied auch der 59er-Meistermannschaft, und natürlich stand er im legendären Europapokalfinale 1960 in Glasgow gegen Real Madrid (3:

7) unter der Latte. »Beim gemeinsamen Bankett hinterher haben wir Eintracht-Spieler uns Autogramme geben lassen von den Real-Stars Puskas, di Stefano, Gento und wie sie hießen«, erzählt jener Egon Loy, rüstig und bei guter Gesundheit. Am gestrigen Freitag feierte er 90. Geburtstag.

Der Mann, Jahrgang 1931 und im Alter von 23 Jahren aus dem bayerischen Schwabach nach Frankfurt gekommen, spielte 13 Jahre für die Eintracht, er bestritt bis 1967 mehr als 200 Oberligaspiele und stand auch noch 69 Mal in der 1963 neu gegründeten Bundesliga im Tor der Hessen.

Am Geschehen um die Eintracht nimmt der trotz Herzschrittmacher weiterhin rüstige Senior, der mit Gattin in Oberursel lebt, teil, er schaut Eintracht-TV, verfolgt online die Pressekonferenzen und schaut alle Spiele. Internet, Streamen, Computer ist für den hochaufgeschossenen Jubilar kein Teufelszeug. »Man muss mit der Zeit gehen«, sagt er lächelnd, »ich bin ganz gut informiert«. Die »Sache mit Trainer Hütter« findet er nicht so gut. Inzwischen hätten Trainer eine Bedeutung erlangt, die sie zu seiner aktiven Zeit nie und nimmer genossen. »Trainer haben bei uns keine große Rolle gespielt«, erzählt Loy, der neben seiner Fußballerkarriere noch gearbeitet hatte, bei der Metallgesellschaft am Opernplatz. Nachmittags, nach der Arbeit, ging es zum Training, selbst bei den Europapokalspielen mittwochabends hatten sie allenfalls zwei, drei Stunden früher gehen können. »Als Trainer Elek Schwartz bei uns das Vormittagstraining eingeführt hat, habe ich kürzer getreten«, sagt Loy. Seinen Job wollte er für den Fußball nicht aufgeben. Eingangs der 60er-Jahre hatte der Ballfänger, der allenfalls bei Regen Wollhandschuhe trug, in der Oberliga ein Grundgehalt von 150 Mark. Zuweilen kamen da 390 Mark im Monat zusammen, viel Geld damals. So lange es möglich war, hat sich Loy die Begegnungen der Eintracht, oft mit anderen 59ern, live im Stadion angeschaut. Gut zu Fuß ist er ja, und dem Alter schlägt er allemal ein Schnippchen.

Thomas Kilchenstein

Egon Loy als Torwart der Frankfurter Eintracht (links) im Einsatz und als Gast in der Commerzbank-Arena. IMAGO

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