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Alle haben ihn gern: Der herausragende Münchner Leroy Sané (2. v. l.) wird von seinen Kollegen (v. l.) Thomas Müller, Leon Goretzka und Doppel-Torschütze Robert Lewandowski für seinen Treffer zum 4:0 gefeiert.

Begeisterung und Wut

Spielfreude und Gier: Der FC Bayern glänzt in der Champions League gegen Dynamo Kiew offensiv, aber auch defensiv. Es geht allerdings noch besser, sagt Trainer Julian Nagelsmann. Stinksauer war hingegen sein Wolfsburger Kollege Mark van Bommel, weil seinen VfL ein »Witz- Strafstoß« den Sieg gegen Sevilla gekostet hat.

Am Ende wurde sogar einer gefeiert, der sonst nie gefeiert wird. »Süüü-le, Süüü-le«, hallte es Minuten vor dem Abpfiff eines glanzvollen Abends durch die Arena in München, und als Niklas Süle sich noch während des Spiels mit einem Winken für die Zuneigung der Zuschauer bedankte, wurden die Sprechchöre gleich noch lauter.

Es hat auch schon Pfiffe gegeben in dieser Saison bei einem Spiel des FC Bayern, Leidtragender war Leroy Sané. Doch am Mittwochabend klatschen sich die Anhänger einer spielfreudigen und vorne wie hinten gierigen Mannschaft die Handflächen wund. »Man kann sich so ein Spiel nicht malen, dass es perfekt aussieht. Aber wir haben das über weite Strecken gut gemacht«, sagte Trainer Julian Nagelsmann über das sehr überzeugende 5:0 (2:0) gegen Dynamo Kiew im zweiten Gruppenspiel der Champions League.

Er legte aber Wert auf die Feststellung: »Wir haben trotzdem das Bewusstsein, und das ist sehr angenehm, dass wir immer noch Dinge besser machen können.« Tatsächlich war Kiew mit den Treffern von Robert Lewandowski (12., Handelfmeter/26.), Serge Gnabry (68.), Leroy Sané (74.) und Eric Maxim Choupo-Moting (87.) noch gut bedient.

Der Sieg, der neunte in Serie in einem Pflichtspiel, war eine Machtdemonstration, die Kiews Trainer Mircea Lucescu zu der Behauptung verleitete, der FC Bayern sei nun »der größte Favorit auf den Sieg in der Champions League«. Am Mittwochabend jedenfalls spielten die Münchner weitgehend wie aus einem Guss, sie hatten ebenso Spaß am Verhindern von Toren wie am Schießen. Es war diese »Gier in beide Richtungen«, die Nagelsmann besonders erfreute: »Diese Gier zu entwickeln, bedeutet mir viel.«

Die Anhänger bejubelten so ziemlich alles und jeden, weil sich Lust und Leidenschaft der Spieler auf die Tribüne übertrugen. Im Mittelpunkt stand dabei nicht zuletzt Sané. Mehrfach sorgte der Nationalspieler für Raunen auf den Rängen, mehrfach bekam er Szenenapplaus, erst für Defensivaktionen, dann für einen Pfostentreffer (35.), dann für sein spektakuläres Tor - und schließlich, als er ausgewechselt wurde (80). Nicht nur für seinen Trainer spielte er »herausragend«.

Van Bommel mächtig in Rage

Anders war die Gemütslage in Wolfsburg: Mark van Bommel schaute finster drein. »Jeder hat gesehen, dass es kein Elfmeter war«, sagte der VfL-Trainer nach dem unglücklichen 1:1 (0:0) seiner Wölfe gegen den FC Sevilla: »Ich weiß nicht, was der Schiedsrichter gesehen hat.« Sein Team führte, doch dann pfiff Referee Georgi Kabakow aus Bulgarien einen »Witz-Strafstoß« (»Kicker«). Joshua Guilavogui traf in der Szene zwar Erik Lamela am Schienbein, zuvor hatte der Franzose aber den Ball gespielt. Kurios: Kabakow sah sich die Bilder sogar am Spielfeldrand noch einmal an. Und zeigte dann Guilavogui sogar noch die Gelb-Rote Karte (85.).

Ivan Rakitic (87.) verwandelte sicher, Renato Steffen (48.) hatte den Werksklub in Führung gebracht. »Sehr ärgerlich, dass uns so zwei Punkte genommen wurden«, sagte Steffen: »Joshua kann sein Bein ja nicht wegzaubern.« Der Schweizer erinnerte aber auch daran, dass Wout Weghorst zwei große Chancen (59. und 72.) zum möglichen 2:0 liegen ließ. So belegt Wolfsburg in der Gruppe G mit zwei Punkten Rang drei, anstatt mit vier Zählern gleichauf mit Spitzenreiter Salzburg zu sein.

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