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Ein Befreiungsschlag

  • vonred Redaktion
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Eintracht Frankfurt hat einen ersten Schritt aus der Krise gemacht. Nach sieben sieglosen Spielen in der Fußball-Bundesliga gewinnen die Hessen mit 2:1 bei der TSG Hoffenheim.

Der Frankfurter Trainer Adi Hütter hat das Ende einer "fürchterlichen Auswärtsbilanz" nicht besonders überschwänglich oder gar euphorisch bejubelt. Auch später, bei der verbalen Nachbearbeitung des 2:1 (1:0)-Erfolges bei der TSG Hoffenheim, hatten die Töne in Moll dominiert. "Ich sage nicht, dass alles super war", fasste der Fußballlehrer die 90 Minuten zusammen. Die Erleichterung war dennoch mit Händen zu greifen.

Hat Eintracht Frankfurt also den Turnaround geschafft - nach dem ersten Sieg nach sieben sieglosen Bundesligapartien? Der Erfolg in Sinsheim war zumindest ein erster Schritt heraus aus der Krise, war ungemein wichtig. Wichtig für das Selbstvertrauen der Mannschaft, wichtig für die Stimmung im Klub, vor allem wichtig, um den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu gewinnen. Und wichtig im Hinblick auf weiche Faktoren: Endlich konnte die Eintracht mal wieder das Gefühl eines Sieges erleben. Ein Gefühl, das die Hessen fast schon nicht mehr kannten, der letzte Erfolg datiert vom 2. November, 5:1 gegen Bayern München. Kein Wunder also, dass der Trainer hinterher von einem "absoluten Befreiungsschlag" sprach. Oder wie der sehr souverän wirkende Torwart Kevin Trapp sagte: "Jetzt können wir ein bisschen durchatmen."

Hütter schickte sein Team - ohne den erkrankten Makoto Hasebe - erwartungsgemäß mit einer Viererabwehrkette in die Partie, Almamy Touré, Martin Hinteregger, David Abraham und Evan Ndicka bildeten sie. "In unserer Situation ist es wichtig, hinten kompakt zu stehen. Das ist uns gelungen", sagte der von seiner Schulterblessur genesene Trapp. Die Eintracht agierte deutlich geschlossener als zuletzt. Trapp musste normale Torwartarbeit verrichten, beim zwischenzeitlichen Ausgleich durch Konstantinos Stafylifdis (47.) per Fernschuss war er machtlos, einmal musste noch der deutlich verbesserte Djbril Sow (76.) per Kopf auf der Linie klären, große Gefahr beschworen die Kraichgauer aber nicht herauf. "Das war eine tolle Mannschaftsleistung", sagte Hütter, "taktisch war das unglaublich diszipliniert." Sebastian Rode beispielsweise hatte sich komplett der Mannschaft untergeordnet, lief defensiv alle Räume zu, störte den Gegner, fiel dadurch aber für den eigenen Spielaufbau praktisch aus.

Was denn nun den Ausschlag dafür gegeben hat, mal wieder einen Sieg eingefahren zu haben, noch dazu "einen verdienten", vermochte der Coach nicht zu sagen: die neu gewonnene Frische durch die Winterpause, die Systemumstellung, die Rückkehr von Leistungsträgern wie Kevin Trapp und Kapitän David Abraham oder das zurückgekehrte Spielglück - so erzielte der starke Timothy Chandler mit einem feinen Kopfball just zu dem Zeitpunkt das Siegtor (62.), als Hoffenheim am Drücker war und die Partie zuungunsten der Eintracht zu kippen drohte. Sicherlich haben alle Faktoren eine gewisse Rolle gespielt.

Hütter empfand als entscheidend, dass das Team endlich 14 Tage am Stück gemeinsam hatte trainieren können. "Ich habe viele Sachen gesehen, die wir zuletzt trainiert haben", sagte der Österreicher. Mit ein bisschen mehr Konsequenz im Abschluss hätte der Sieg zum einen früher feststehen, zum anderen höher ausfallen können. Mijat Gacinovic, der ein gutes Spiel machte und die Führung durch Bas Dost (18.) fein vorbereitete, hätte zwei Tore erzielen können (27. und 84.), Filip Kostic, der Sprinter auf dem linken Flügel, hatte zweimal die Latte getroffen (28. und 90.). "Wir hatten Chancen für fünf, sechs Tore", sagte Schlussmann Trapp. Am Ende reichte es dennoch.

Ob der Sieg als Initialzündung taugt? Das bleibt abzuwarten. Am Samstag kommt ein Hochkaräter in den Stadtwald, Tabellenführer RB Leipzig, zudem mit sechs Siegen die beste Auswärtsmannschaft der Liga.

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