Die geschlagenen Bayern schleichen vom Platz.		FOTO: AFP
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Die geschlagenen Bayern schleichen vom Platz. FOTO: AFP

Bayern eiskalt erwischt

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Im Schneesturm an der Ostsee wurde Champions-League-Gewinner Bayern München eiskalt erwischt. Die sensationelle Pokal-Niederlage beim Zweitligisten Holstein Kiel ließ nicht nur Trainer Hansi Flick ratlos zurück.

Trainer Hansi Flick stand ratlos und zitternd vor Kälte im Kieler Schneeregen, Ehrenpräsident Uli Hoeneß flüchtete vor dem eisigen Sturm unter das Tribünendach des Holstein-Stadions - eiskalt erwischt wie auch die Profis des FC Bayern.

Denn die 5:6-Niederlage im Elfmeterschießen (1:1, 2:2) beim Zweitligisten Holstein Kiel war nicht nur für Thomas Müller ein Schock. »Das Ausscheiden ist brutal, das muss man erst einmal sacken lassen. Es ist sicherlich nicht gerade die beste Phase des FC Bayern«, sagte der Ex-Nationalspieler genervt.

Wie schon in der vergangenen Woche bei Borussia Mönchengladbach (2:3) führten grobe Abwehrschnitzer zu einer schmerzhaften Niederlage. Diesmal allerdings mit irreparablen Folgen: Denn nach der ersten Pleite des Champions-League-Gewinners im DFB-Pokal gegen einen unterklassigen Gegner seit 17 Jahren ist die Cupverteidigung passé.

Vor 20 Jahren waren die Bajuwaren mit Oliver Kahn im Tor ebenfalls in der zweiten Runde gescheitert. Der einstige Nationalkeeper, mittlerweile Bayern-Vorstandsmitglied, fand bei Twitter warnende Worte: »Ein enttäuschender Abend in Kiel. Jetzt müssen wir schleunigst im neuen Jahr ankommen.«

Maximal vier Pflichtspiele weniger als an der Säbener Straße einkalkuliert sind aber vielleicht eine Chance auf die eine oder andere zielgerichtete Trainingseinheit mehr. Denn Flick erkannte auch im Holsteiner Schneegestöber, dass es mit der Defensivarbeit beim deutschen Rekordmeister so nicht weitergehen kann, wenn nicht noch weitere Titel verspielt werden sollen. Auch in der Bundesliga sind 24 Gegentore in 15 Spielen ein enttäuschender Wert. Letztmals stand beim Tabellenführer Ende Oktober die Null. »Wir müssen die zentrale Mitte besser absichern, das war eindeutig so abgesprochen«, stellte der Coach noch einmal klar.

Aber nicht jeder seiner Schützlinge schien zugehört zu haben. Der mittlerweile 33-jährige Fin Bartels entwischte vor seinem Tor zum 1:1 der kompletten Bayern-Deckung. Beim 2:2-Ausgleich in der Nachspielzeit kam Holstein-Kapitän Hauke Wahl völlig frei stehend zum Kopfball.

Doch sogar der selbstkritische Müller, der am Morgen nach der Pleite in Kiel via Instagram für seine Patzigkeit im ARD-Interview um Entschuldigung bat, schien noch nicht vollständig erkannt zu haben, dass der FC Bayern auf dem seifigen Kieler Rasen in eine sportliche Krise geschlittert war. Das Spielglück sei nicht so richtig aufseiten der Münchner gewesen, führte der Weltmeister von 2014 an. Einspruch: Serge Gnabry stand vor seinem Führungstor zum 1:0 erkennbar im Abseits, und nicht jeder Schiedsrichter hätte den Freistoß gepfiffen, den Leroy Sané zur erneuten Führung verwandelte.

Es war wohl doch eher der absolute Siegeswille, der bei widrigen Bedingungen nicht nur den beiden Torschützen in so mancher Situation fehlte. Pauschal stellte Flick die Mentalität seiner Truppe nicht infrage, ließ aber beim Lob für den siegreichen Underdog doch Missmut durchscheinen: »Die Kieler Mannschaft hat das Spiel zu einem Pokalfight gemacht.«

Und die siegreichen Helden tanzten nicht nur einen Schneewalzer auf dem Rasen, sie konnten sich vor dem Stadion von den binnen Minuten herbeigeeilten Fans ausgiebig feiern lassen. Raketen, ein unüberhörbares Hupkonzert und ein mitternächtlicher Autokorso - es war der größte Tag des 121 Jahre alten Traditionsvereins seit dem einzigen Gewinn der deutschen Meisterschaft 1912. »Das war ein Erlebnis, an das wir alle noch lange denken werden. Und ein historisches Ergebnis für Holstein Kiel«, sagte Trainer Ole Werner. Sein Team, so der 32-Jährige, habe den Matchplan nahezu perfekt umgesetzt: »Eine Mannschaft wie der FC Bayern kommt natürlich zu Chancen. Aber der Schlüssel war, dass wir mutig waren, wenn wir den Ball hatten.«

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