Bayern-Bubis düpieren Eintracht Köln trägt sechsten Abstieg mit Fassung

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Dorsch, Evina, Mai, Shabani statt Lewandowski, Müller, James und Ribéry. Für Eintracht Frankfurt war diese C-Elf des FC Bayern München dennoch stark genug. 1:4 verlor die Eintracht. Drei Wochen vor dem DFB-Pokalfinale ist die Stimmung jetzt richtig geladen.

Mit den Verantwortlichen des FC Bayern München wollte sich Fredi Bobic diesmal nicht anlegen. Stattdessen ging der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt auf die eigenen Spieler los. "Bei dieser Leistung fehlen mir die Worte. Wenn wir so weiterspielen, werden wir keine Punkte mehr holen", sagte Bobic am Samstag nach der 1:4 (0:1)-Niederlage gegen eine C-Elf des deutschen Meisters.

Bei den Bayern liefen Niklas Dorsch (20), Meritan Shabani (19), Lukas Mai (18) und Franck Evina (17) anstelle von Lewandowski, Müller, James und Ribéry auf. Für die Frankfurter, die doch eigentlich jeden Punkt im Kampf um die Europa-League-Plätze brauchen, reichte es trotzdem. "Da musst du mit einer anderen Mentalität und Einstellung reingehen. Aber davon waren die Jungs ganz, ganz weit entfernt", schimpfte Bobic. "Sie haben völlig zurecht verloren – auch in dieser Höhe. Das ist total ärgerlich – gerade in unserer Situation."

Die Situation wird nun für die Eintracht im Saisonendspurt immer kritischer. Platz sechs und die damit verbundene direkte Europa-League-Qualifikation wird die Mannschaft in dieser Verfassung nicht mehr erreichen. Und selbst Platz sieben ist trotz der Punktverluste der Konkurrenten Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC in Gefahr. Auf einmal steht der VfB Stuttgart nur noch einen Punkt hinter der Eintracht, die beiden letzten Gegner dieser Bundesliga-Saison sind der wiedererstarkte HSV und der fast sichere Champions-League-Teilnehmer Schalke 04. Und über allem schwebt dazu noch die Frage: Wie soll das in drei Wochen im DFB-Pokal-Endspiel erst gegen die Bestbesetzung des FC Bayern München ausgehen?

Auch Trainer Niko Kovac ging seine Spieler am Samstag hart an. "Mir fehlt, dass jetzt jeder alles gibt. Es geht um viel", meinte er – auch für ihn persönlich. In Frankfurt hat seine Reputation durch den bevorstehenden Wechsel zum FC Bayern bereits großen Schaden genommen. Langsam droht nun aber auch seine Autorität in München zu leiden, zumindest wenn die Eintracht im Saisonendspurt so weitermacht und ihre große Ziele in den letzten Wochen alle noch verspielt.

1:4 in Leverkusen, 0:3 gegen Hertha, 1:4 in München – die Frankfurter verloren ihre vergangenen Spiele nicht bloß, sie fielen jedes Mal in sich zusammen. "Das, was wir bislang geleistet haben, geht jetzt in den letzten Wochen durch die schlechten Leistungen unter", haderte Kovac. "Wenn wir es nicht schaffen, wie in Gelsenkirchen zu Null zu spielen, dann kriegen wir Probleme."

Sein Vorwurf an die Spieler: Sie hätten es kommunizieren wollen, "dass sie international spielen wollen nächstes Jahr. Ich habe davor gewarnt. Dann habe ich gesagt, okay. Aber durch Erzählen hat noch keiner etwas erreicht", sagte Kovac. "Sie denken, es geht mit links – und in München geht das schon mal gar nicht."

Bundesliga-Debütant Dorsch (43. Minute), Nationalstürmer Sandro Wagner (76.) sowie die eingewechselten Rafinha (87.) und Niklas Süle (90.) erzielten vor 75 000 Zuschauern die Tore für den Rekordmeister. Sebastien Haller traf für die Hessen (77.). "Wir gehen sehr angeschlagen aus dem Stadion", sagte Omar Mascarell. "Wir müssen selbstkritisch sein, uns stabilisieren, noch sechs Punkte holen, alle zusammenrücken und bis zum Ende kämpfen. Wir wollen unbedingt nach Europa und müssen die Negativserie sofort stoppen."

"Heute hatten wir die Effizienz, die uns am Mittwoch fehlte" (Heynckes). Warum bloß? Blöde Frage. Real war Stahlbad, Eintracht Wellness-Oase. Die großen Bayern relaxen, ihre Kleinen dürfen ran. Rutsch und Fun. Sogar sehr effizient. Die Liga als Ruhekissen. 34-fache Verführung zum Einlullenlassen. Morgen ist der Tag der (Schwerst-)Arbeit!

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Die Schwäche der Liga ist nicht die Schuld der Bayern, sondern deren Problem. Den privilegierten Status genießen und die Welt da draußen ignorieren, das hat schon den alten sizilianischen Adel ins Verderben gestürzt. Weil er (in Tomasi di Lampedusas Roman "Der Leopard") die Mahnung des alten Fürsten Don Fabrizio nicht beherzigte: "Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist nötig, dass sich alles verändert."

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Aber was, bitte, sollen die Bayern verändern? Die Liga-Sparringspartner stärker machen? Das müssen die schon selbst tun. Und sich nicht von Bayern-Bubis vernaschen lassen. Wie die erschreckend schwache Eintracht. Der von mir herbeigeunkte achte Platz, er rückt näher. Der siebte, der realistisch noch mögliche, wäre kaum besser. Die dazu notwendige Tingeltour vor der Saison wirkt wie Banderillas im Stierkampf. Die werden dem Stier in den Nacken gerammt, um ihn schon zu schwächen, bevor es richtig losgeht. Es endet fast immer mit dem Todesstoß.

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Plan B wäre die bessere Alternative: Sieg im Pokalfinale. Wenn schon träumen, dann mit meiner alten Vision, in der Alexander Meier zur Krönung und zum Abschluss seiner Karriere in der Schlussphase des Pokalfinales eingewechselt wird und das Siegtor gegen Manuel Neuer schießt. – Doch dann kommen die Bayern und lassen der FFFF (Fraktion Frankfurter Fußball-Fantasten) die Luft raus ... ffff.

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Auch Kloppo-Fans fiebern dem Rückspiel entgegen. Dem in Rom. Klopp lässt seine Mannschaften so spielen, wie er spricht, schnell, zupackend, überfallartig, den Gegner überrumpelnd und die eigenen Spieler überzeugend, dass Unmögliches möglich ist ... und dass der enttäuschende Punkt in der Generalprobe gegen Abstiegskandidat Stoke keine Enttäuschung ist, sondern "ein guter Punkt". Beinahe hätte sogar ich ihm geglaubt.

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Ich kann allerdings kaum hinschauen, wenn Jürgen Klopp spricht. Dieses Gebiss! Ein Weiß, das in den Augen schmerzt. Weißer als Weißwandreifen der 50er Jahre. So weiß wie ein frisch gekalktes Haus auf einer griechischen Insel in der Ägäis. Nur die blauen Fensterläden fehlen. Solch ein Gebiss sah ich zuletzt vor Jahrzehnten in einer Fernsehwerbung. War es Rex Gildo, der die unnatürlich strahlenden Zähne bleckte und den Spruch aufsagte: "Pepsodent perlweiß ist klasse!"?

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Schlagzeile auf Bild online: "HSV überrascht mehr als Abba und Korea." Hirnrissig, mögen manche meinen. Für mich ist es die gute, alte Bild-Methode (es gibt auch die bösen alten und neuen), Unvereinbares überraschend vereinbart auf den Punkt zu bringen. Der Name des Kommentators flashbackt mich: Er, mittlerweile auf der Chefebene, hatte als fixer junger Bild-Sportreporter nach einem enttäuschenden Wettkampf in Berlin meinen hilflosen Erklärungsversuch aufgeschnappt und als "Zitat des Tages" ins Blatt gebracht: "Wenn bei mir der Ausstoß nicht schnell genug ist, geht alles in die Hose."

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Kongeniale dpa-Schlagzeile: "Hui auf dem Teller – Igitt auf dem Klo." Es folgt die Erklärung, warum der Urin nach dem Verzehr von Spargel stinkt. Kein Problem bei mir. Spargel ist nicht mein Gemüse. Allerdings ist so gut wie kein Gemüse mein Gemüse.

Noch’n hübscher Satz, gelesen in der Süddeutschen: "Fußball-Fans sind plötzlich alle Ägypter." Klar, wegen Mohamed Salah. Aber warum müssen plötzlich auch alle anderen Fußball-Fans Ägypter werden? Ich jedenfalls gebe meinen hessischen Pass nicht ab.

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Zu schlechter Letzt die Diskriminierung im Hype um die "Abba-Überraschung". Diesmal geht es nicht um den Rap-Dreck und sein(en) "Echo". Der wiegt zu schwer, um ihn auf meine alberne leichte Kolumnen-Schulter zu nehmen. Ich nehme lieber mich selbst auf den Arm. Mich und meine Alterskohorte. Denn was erfahre ich zum sogenannten Comeback von Abba? Sie treten nicht original alt auf, sondern lassen im Video ihre jungen Avatare singen. Avatare sind "täuschend ähnliche Grafikfiguren, die einem Internetbenutzer in der virtuellen Welt zugeordnet werden, beispielsweise in einem Computerspiel" (Wikipedia).

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Original alte Säcke wie die heutigen Abbas, sie und ich sind offenbar öffentlich nicht mehr zumutbar. Und so sieht die Welt beim Abba-Comeback nicht vier alte Schweden, sondern ihre knackig jungen Avatare. Also auch die junge blonde Engelsgleiche, die ... nein, sorry, beinahe wäre ich sexistisch abgeirrt. Außerdem hat ja sogar mein Kopf über dieser Kolumne schon avatarische Patina angesetzt. Das Foto hat zehn Jahre auf dem Buckel. Sind wir nicht alle ein bisschen ... Avatar? (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

Die Spieler waren erledigt, die Fans sangen trotzdem und am Ende konnte Torwart Timo Horn im sechsten Abstieg der Kölner Vereinsgeschichte sogar einen Vorteil entdecken. "Das ist vielleicht das einzig Positive. Dass man drei, vier Wochen Vorsprung hat gegenüber anderen Teams, die noch mitten im Abstiegskampf oder Aufstiegskampf sind, sich vorzubereiten", sagte der Fußball-Profi nach dem 2:3 (0:1) beim SC Freiburg am Samstag. "Die Zeit müssen wir nutzen, das werden wir definitiv tun."

Die wichtigsten Entscheidungen sind bereits getroffen. Olympiasilbermedaillengewinner Horn bleibt dem "Effzeh" ebenso erhalten wie Kapitän Jonas Hector, Marco Höger und der zweimalige Zweitligatorschützenkönig Simon Terodde. "Es ist ein harter Weg. Aber unser Ziel ist eindeutig: Aufstieg 2019!", sagte Sportchef Armin Veh.

Auch der Trainer für die kommende Saison steht fest. Markus Anfang von Holstein Kiel beerbt den bemerkenswert souveränen Stefan Ruthenbeck. "Die Fans sorgen dafür, dass wir mit Würde abgestiegen sind", sagte er. Tränen wie noch nach dem 2:2 gegen Schalke vergangene Woche gab es nicht. "Man ist darauf gefasst", sagte Ruthenbeck.

Die Partie in Freiburg war ein Spiegelbild der Saison. Bis zur Schlussphase waren die Gäste nahezu chancenlos, lagen durch den Doppelpack von Nils Petersen (14./52. Minute) 0:2 zurück und konnten auch durch einen gehaltenen Elfmeter keinen Schwung ziehen. Horn hielt den Ball von Christian Günter. Dann erzielte Leonardo Bittencourt mit einem Doppelschlag binnen fünf Minuten den Ausgleich (82./87.), Dominic Maroh vergab kurz darauf die Möglichkeit zum Sieg – und auf der anderen Seite bescherte Lucas Höler den Gastgebern doch noch drei Punkte (90.+2.).

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