Mit Filip Kostic (l.) steht und fällt das Spiel der Eintracht. AFP
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Mit Filip Kostic (l.) steht und fällt das Spiel der Eintracht. AFP

Die Baustellen der Eintracht

  • vonred Redaktion
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Die Eintracht-Mannschaft wirkt unausgegoren und ist abhängig von Filip Kostic. Das hat das 1:1 gegen Arminia Bielelfeld zum Bundesliga-Auftakt gezeigt. Erfolgreich können die Frankfurter dennoch sein.

In dem Versuch, auf den letzten Metern vielleicht doch noch den Dreier einzutüten, wechselte Eintracht-Trainer Adi Hütter in der Schlussphase der Auftaktbegegnung gegen den Aufsteiger aus Bielefeld erst Stefan Ilsanker und schließlich Timothy Chandler ein. Vordergründig keine Spieler, die so eine Partie im Alleingang rumreißen. Der Plan war eher, dass Ilsanker mit seiner Präsenz für etwas mehr Stabilität in der Zentrale und Chandler auf der rechten Seite für Belebung sorgen sollte.

Steven Zuber rückte für den schwächelnden Daichi Kamada von rechts hinter die Spitzen. Doch auch diese letzten Umstellungen sollten nicht mehr greifen, die Bälle wurden ja zumeist hoch nach vorne gedroschen, weshalb Hütter darauf verzichtete, den letzten Joker zu ziehen, Angreifer Ragnar Ache blieb auf der Bank. "Er ist ein Spieler mit Dynamik und Schnelligkeit, der mehr Platz braucht", begründete der Fußballlehrer, daher habe er sich dafür entschieden, Sturmtank Bas Dost im Spiel zu lassen. Merke: So richtig nachlegen konnte der Österreicher im Laufe des zweiten Abschnitts nicht mehr. Eine Frage der Klasse und der Alternativen auf der Bank.

Die Wechsel, mit denen Hütter das Spiel auf die Eintracht-Seite ziehen wollte, tätigte er bereits in der Halbzeit, als er Zuber und Aymen Barkok brachte. Zuber enttäuschte erneut, doch Barkok machte seine Sache sehr ordentlich. Durch seine Einwechslung wurde das Spiel der Eintracht risikoreicher, der 22-Jährige ist eher ein offensiv denkender Freigeist, der in der Rückwärtsbewegung noch lernen muss. Die Statik des Spiels kippte, die Eintracht befand sich wieder vermehrt im Harakiri-Modus, den Hütter eigentlich nicht mehr sehen wollte. "Es war nicht geplant, dass wir Räume hergeben", analysierte Hütter. "Aber es stand 1:1, wir wollten das Spiel gewinnen, da musst du ein bisschen mehr Risiko gehen."

Das führte dazu, dass die Bielefelder munter kontern und in Führung gehen konnten. Es wäre fast noch schlimmer gekommen: Einmal strebte Fabian Klos nach einem Abschlag des eigenen Torwarts alleine dem Frankfurter Kasten entgegen und konnte nur von David Abraham in letzter Sekunde geblockt werden. Das kann dem Trainer nicht gefallen. Er muss seinem Team eintrichtern, nicht den Kopf und die Balance zu verlieren, wenn es Spitz auf Knopf steht und der Druck erhöht werden soll.

Einfallslosigkeit im Spiel nach vorne

Im Spiel nach vorne ist die Einfallslosigkeit ein Problem. Klar, die Option über die Außen, gerade über Filip Kostic, ist allseits bekannt, doch wenn der Serbe, wie am Samstag, zugestellt wird, nicht in Form oder gedanklich woanders ist, fällt das Eintracht-Spiel in sich zusammen. Die Abhängigkeit von dem 27-Jährigen ist bedenklich. Vielleicht belasten ihn auch die nicht abreißen wollenden Spekulationen um seine Zukunft. Dass er seinen Abgang provoziert, ist indes unsinnig, Kostic ist ein charakterlich einwandfreier Profi, der sich eher zu viele als zu wenige Gedanken macht. Und: Es ist bezeichnend, dass der Ausgleich trotzdem durch eine Kostic-Flanke vorbereitet wurde.

Die Mannschaft wirkt nach wie vor unfertig oder, besser gesagt, gleichförmig und unausgegoren. Für Ballbesitzfußball sind die Spieler technisch nicht gut, für Konterfußball die Spitzen nicht schnell und für Pressing nicht dynamisch genug. Bleibt so ein bisschen was von allem, aber nichts so richtig. Zudem hat die Eintracht neuralgische Positionen nicht ausreichend gut besetzt. Ein schneller Stürmer und ein flinker Rechtsaußen fehlen, und die Besetzung an der Seite von Sebastian Rode ist nicht optimal gelöst. Dominik Kohr hat sich gesteigert, ist aber generell zu defensiv und spielerisch limitiert, was auch für Stefan Ilsanker gilt. Djibril Sow war mal als Verbindungsspieler eingeplant, hat sich aber letztlich nicht durchsetzen können. Neu ist das alles nicht, und es ist ja mitnichten so, dass die Eintracht mit diesem Team nicht erfolgreich sein kann. Wenn sich alle an die Marschrichtung halten, die Mannschaft nicht das Spiel zwingend gestalten muss, die Spieler in bessere Verfassung kommen und ihre Leistungen auf gutem Niveau konservieren können, dann kann dieses Ensemble jedem Gegner wehtun. Der Umkehrschluss gilt ebenso.

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