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Baustellen, aber keine Gräben

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Genervt sind nicht nur die Spieler von Eintracht Frankfurt wie Rafael Borre von den zuletzt schwachen Auftritten in der Bundesliga. © Imago Sportfotodienst GmbH

Die Eintracht versucht, ihren Spielstil zu modifi- zieren, schwächelt auch in der Abwehr und sieht sich falschen Berichten über Missstimmung in der Sportführung ausgesetzt. Heute Abend (18.30 Uhr) erwarten die Frankfurter RB Leipzig mit Ex-SGE- Torjäger André Silva.

Wer sich der Schaffenskrise der Frankfurter Eintracht analytisch nähern möchte, landet bei Faktoren wie unterirdischen Zweikampfwerten und einer schlechten Passquote. Man erkennt zudem Muster: Fehlende Widerstandsfähigkeit und kollektive Kopflosigkeit in hitzigen Duellen, Schläfrigkeit, eine bedenkliche spielerische Einfältigkeit, und generell ist das Angriffsspiel ja nicht mehr das, was es einmal war. Die Hauptfragen: Wo ist ihr Wiedererkennungswert, was ist ihr Markenzeichen?

Die Mannschaft wirkt heterogen, gewürfelt und gestückelt irgendwie. Das hat Gründe. Die Sportliche Leitung hat sich dazu entschlossen, dem Wildwest-Fußball abzuschwören, also sich von dieser Hauruck-Mechanik zu lösen, die zwar ihre absolute Berechtigung hat, gerade weil sie so erfolgreich war, aber auch Jahr für Jahr dazu führte, dass die Spieler auf den letzten Metern einer Saison auf dem Zahnfleisch der Ziellinie entgegenrobbten. Ausgepresst wie die Zitronen. Körperlich und geistig.

Die Eintracht wollte in der Post-Adi-Hütter-Ära feiner werden, variabler, nicht so leicht ausrechenbar. Auch deshalb wurde Oliver Glasner geholt, ein detailverliebter Fußballlehrer, der verkopft wirkt, analytisch und strukturiert ist, nicht aus dem Bauch heraus entscheidet, sondern ein Freund klarer Abläufe ist. Er agiert taktisch sicher auf einem anderen Level als sein Vorgänger. Das Vertrackte: Auf dem Platz sieht man es nicht, das Team wirkt diffuser und anfälliger als zuvor, sucht nach Halt und Stabilität.

Gerade in der Offensive ist nicht oder nur selten (wie gegen Piräus) zu erkennen, wie das Ensemble auftreten will und erfolgreich sein soll. Die Abhängigkeit von Filip Kostic auf links hat noch mal neue Dimensionen angenommen, mit der Folge, dass der Gegner alles daransetzt, den Flügelmann aus dem Spiel zu nehmen - und wenn dazu drei Kettenhunde abgestellt werden müssen. Macht es nicht leichter für Kostic, der in letzter Zeit auch wieder verstärkt dazu übergeht, misslungene Aktionen von ihm oder den Kollegen mit einem genervten Abwinken zu kommentieren. Immerhin geht es heute gegen seinen Lieblingsgegner RB Leipzig (18.30 Uhr/Sky), gegen den er fast immer trifft. Dagegen zünden die Neuzugänge in der Offensive noch nicht, sind mittlerweile verunsichert.

Doch auch hinten wirkt die Eintracht anfällig, sie kassiert nicht übermäßig viele Treffer, 14 Gegentore in neun Partien (darunter fünf in Dortmund am ersten Spieltag) sind im Rahmen, doch sie hat es auch nur einmal geschafft, die Null zu halten. Es sind zu viele Nachlässigkeiten im Spiel wie jetzt nach drei Minuten schon in Bochum, als Almamy Touré einnickte. Rechts hat sich ohnehin noch keiner festspielen können: weder Touré, Bruder Leichtfuß, noch Erik Durm oder Timothy Chandler und Danny da Costa - beide waren zuletzt nicht im Aufgebot.

Hinteregger wirkt lethargisch

In der Mitte kann Makoto Hasebe nicht mehr permanent sein hohes Niveau halten, und auch Publikumsliebling Martin Hinteregger wirkt seltsam lethargisch und abwesend. Hat es mit seinem Lebenswandel zu tun oder doch mit der Schulterverletzung, die gewiss mit schmerzstillenden Medikamenten halbwegs ruhiggestellt wird? Überraschenderweise musste Partner Evan N’Dicka zuletzt zweimal auf die Bank, weil Trainer Glasner für den rechten Part der Kette auf Rechtsfuß Tuta setzte. Nachvollziehbar, aber N’Dicka ist vom Potenzial her sicher der stärkste Abwehrmann. Zudem ist er im Sommer ein klarer Verkaufskandidat. Sein Vertrag läuft 2023 aus

N’Dicka ist übrigens einer jener Spieler, die Spürnase Ben Manga 2018 entdeckt hat. Einem Bericht des »Kicker« zufolge habe der zum Direktor Profifußball beförderte Kadermanager unter Sportvorstand Markus Krösche an Einfluss verloren. Doch Krösche, der teamorientiert arbeitet und den Gedanken des Miteinanders nicht nur kommuniziert, sondern auch lebt, arbeitet vielmehr vertrauensvoll mit Manga zusammen. Von einem Riss oder einem Spalt kann keine Rede sein.

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