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Paderborns Cheftrainer Steffen Baumgart ist stinksauer und giftet gegen den Schiedsrichter.

Baumgarts Explosion

  • vonSID
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(sid). Der kolossale Vulkanausbruch des Steffen Baumgart dauerte noch 15 Sekunden länger als der quälend zähe Videobeweis. Mit heiser Stimme donnerte und schnaubte der Trainer des SC Paderborn nach dem VAR-Drama von Dortmund in 5:02 Minuten leidenschaftlich gegen Schiedsrichter Tobias Stieler - ohne Rücksicht auf Konsequenzen: »Ich bin gespannt, ob ich jetzt ’nen Brief vom DFB kriege.

« Wie der Kontrollausschuss am Mittwoch mitteilte, wird kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Allerdings wurde Baumgart schriftlich nahegelegt, »sich zukünftig in seiner Wortwahl zu mäßigen und an seine Vorbildfunktion als Trainer zu denken«.

Baumgart hatte sich am ARD-Mikrofon nach allen Regeln der Kunst in Rage geredet und vielen Zuschauern aus dem Herzen gesprochen. »Eine absolute Frechheit« sei Stielers Vorgehen, schimpfte er, und er redete von Respektlosigkeit und den Kleinen, denen man ohnehin immer »in den Arsch tritt«, von einem Fußball, der sich »zum Affen« mache. »Wir stehen da und frieren uns minutenlang den Arsch ab. Das geht für uns um zwei Millionen! Ich bin keine Aktiengesellschaft, wir kämpfen um jede müde Mark!«

4:47 Minuten hatte sich ab der 95. Minute die Bestätigung von Erling Haalands Siegtor zum 3:2 des BVB nach Verlängerung hingezogen. Es ging nach dem DFB-Pokal-Achtelfinale um Feinheiten des Regelwerks, um die Frage, wie eine Abseitsstellung aufgehoben wird, um ein sogenanntes Deliberate Play. Auf einer weiteren Ebene auch darum, ob die Regeln des Spiels überhaupt noch für den Fan nachvollziehbar sind. Baumgart erzürnte aber am meisten, dass Stieler sich am Spielfeldrand die Bilder nicht mehr anschaute: »Langsam wird’s lächerlich. Respekt bedeutet auch, sich den Scheiß anzugucken.«

Im Regelsinne war alles korrekt gelaufen. Stieler hatte laut offizieller Twitter-Mitteilung der Bundesliga-Schiedsrichter die Wahrnehmung, »dass der Spieler Svante Ingelsson durch ein bewusstes Berühren des Balles die Abseitsstellung des BVB-Spielers Haaland aufgehoben hat«. Dies habe durch die TV-Bilder nicht zweifelsfrei widerlegt werden können - die Entscheidung blieb bestehen. Tatsächlich war ein offensichtliches Streifgeräusch zu vernehmen.

Ingelsson hatte auf halbem Wege versucht, den Ball mit einer Grätsche aufzuhalten. Berührte er dabei den Ball - kein Abseits. Berührte er ihn nicht - Abseits. Wie stark sich die Flug-/Rollbahn verändert, ist unerheblich. »Ich weiß auf jeden Fall, dass er ihn berührt hat, ich habe es bis hinten gehört«, versicherte BVB-Abwehrspieler Emre Can. In Regel 11 heißt es dazu: »Ein Spieler verschafft sich keinen Vorteil aus einer Abseitsstellung, wenn er den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt.«

Baumgart und seine Mannen kamen nachts um halb drei im Regen dennoch vollkommen frustriert zu Hause an. Die Paderborner fühlten sich um den Lohn eines extrem leidenschaftlichen Auftritts gebracht. Die Verlängerung hätte es, das war die Ironie dabei, ohne den Videobeweis nicht gegeben: Stieler erkannte in der fünften Minute der Nachspielzeit das vermeintliche 3:1 von Haaland ab und verhängte stattdessen einen Elfmeter für Paderborn - nach Studium der Videobilder.

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