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Romed Baumann in Cortina d’Ampezzo auf dem Weg zu WM-Silber im Super G.

Baumann rast zu WM-Silber

  • vonSID
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Für die Österreicher war er nicht mehr gut genug, für Deutschland holt Romed Baumann bei der alpinen Ski-WM sensationell Silber im Super-G. In einem spektakulären Rennen spielt er seine ganze Routine aus.

Romed Baumann kamen die Tränen, und er schämte sich ihrer nicht. Als der gebürtige Österreicher nach seiner sensationellen Fahrt zur WM-Silbermedaille im Super-G berichtete, warum er den größten Erfolg in seiner Karriere für Deutschland feiern durfte, war es mit seiner sonstigen Gelassenheit vorbei. Er dankte allen, die an ihn geglaubt hatten, als er vor dem Nichts gestanden hatte, er dankte vor allem seiner deutschen Frau Vroni und schickte ihr und den beiden Töchtern einen besonderen Gruß nach Hause: »Ich liebe euch.«

Nur sein ehemaliger Mannschaftskollege Vincent Kriechmayr war an diesem beinahe kitschigen Tag um 0,07 Sekunden schneller als Baumann. Der Franzose Alexis Pinturault Frankreich (+0,38 Sekunden) gewann in einem spektakulären Rennen Bronze. »Ich war ganz unten, sportlich gesehen, jetzt bin ich fast ganz oben - unglaublich«, sagte Baumann (35) mit leicht bebender Stimme und erinnerte sich: »Da waren doch sehr viele, die gesagt haben, da geht nix mehr, der ist zu alt, der traut sich nicht mehr, der attackiert nicht, seit er Familie hat, zieht er zurück.«

Nachdem ihn die Österreicher im Sommer 2019 rausgeworfen hatten, erkundigte sich Baumann in seiner Verzweiflung bei Felix Neureu-ther nach der Nummer des deutschen Alpinchefs Wolfgang Maier, um die Möglichkeiten eines Wechsels zum DSV auszuloten. »Ich war damals nicht begeistert«, räumte Maier nun erneut ein. Doch im deutschen Team, wo kein brutaler Verdrängungswettbewerb herrscht wie bei den Österreichern, blühte Baumann wieder auf: als geachteter Elder Statesman. »Und jetzt, siehe da, jetzt ist er da vorne drauf«, sagte Maier und betonte mit einem Lächeln: »Ich freue mich total für ihn, dass er das zusammengebracht hat.«

Nur einmal, vor zehn Jahren, hatte Baumann in einem Super-G auf dem Podest im Weltcup gestanden - er gewann freilich auch schon zweimal eine WM-Medaille, 2011 Silber mit dem Team und 2013 Bronze in der Kombination. Das Rennen seines Lebens aber fuhr er erst an diesem Donnerstag, auf einem tückischen Kurs, auf dem sich Baumann wohlfühlte wie nur wenige. »Ich bin ziemlich parat am Start gestanden«, berichtete er, »ich habe mich selten so gut gefühlt im Starthaus, da denkt man nicht nach, da hat man keine Zweifel, man weiß genau, was man macht.«

Das sei schon ein »megastarker Lauf« von Baumann gewesen, sagte Andreas Sander, der guter Neunter wurde. Debütant Simon Jocher überzeugte mit Platz 16. Wie alle im Team freuten sie sich mit ihrem Senior - auch, weil er ihnen den Druck genommen hat, zumal vor der Abfahrt am Sonntag, in der sich die Deutschen größere Chancen ausgerechnet hatten. »Egal, wie diese WM jetzt ausgeht«, sagte Maier: »Wir fahren mit einer Medaille nach Hause. Und wir fahren mit einer kleinen Sensation nach Hause, weil wir mit dem Romed was geschafft haben, was keiner uns und ihm zugetraut hätte.«

Baumann musste sich dann erst mal ein Handy ausleihen, um »meinen Mädels« daheim davon berichten zu können, wie er für den DSV die erste WM-Medaille im einem Super-G seit der bronzenen von Markus Wasmeier 1987 geholt hatte. Denn »Handy am Berg«, sagte er, »das mag ich nicht.«

Unterdessen ist die große Favoritin Lara Gut-Behrami in eindrucksvoller Manier zur ersten Goldmedaille ihrer Karriere gefahren. Die 29 Jahre alte Schweizerin gewann den Super-G vor Mannschaftskollegin Corinne Suter (+0,34), die bereits vor zwei Jahren in Are/Schweden Platz zwei belegt hatte. Titelverteidigerin Mikaela Shiffrin (USA) holte trotz eines schweren Patzers noch Bronze (+0,47), Olympiasiegin Ester Ledecka (Tschechien) wurde Vierte (+0,53). Kira Weidle (Starnberg) verfehlte eine Platzierung unter den ersten 15 als 19. deutlich.

Romed Baumann freut sich über WM-Silber.

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