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Dylan Groenewegen

Aus der Hölle in die Hölle

  • VonSID
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(sid). Nein, mit einem herzlichen Willkommen rechnet der zeitweise meistgehasste Mann des Radsports nicht. »Es kann aber auch nicht viel schlimmer werden als in den vergangenen Monaten«, sagt Dylan Groenewegen vor dem Start des Giro d’Italia, der heute mit einem Zeitfahren in Turin beginnt: »Ich habe viel mit einem Psychologen gesprochen und bin auf negative Reaktionen vorbereitet.

« Das härteste Dreivierteljahr seines Lebens hat den einstmals passionierten Lautsprecher nachdenklich gemacht.

274 Tage lang hat der Niederländer kein Rennen fahren dürfen. 274 Tage Zeit, diesen 5. August 2020 in Kattowitz immer wieder zu überdenken, als sein unbedingter Siegeswille Landsmann Fabio Jakobsen beinahe das Leben kostete. »Dass Fabio mittlerweile selbst wieder auf dem Rad sitzt, hilft mir sehr«, sagt Groenewegen vor dem Comeback nach neun Monaten Sperre.

Dass Jakobsen überhaupt überlebt hat, ist nicht selbstverständlich, so brutal war der Crash: Beim Auftakt der Polen-Rundfahrt hatte Jumbo-Visma-Profi Groenewegen seinen Kontrahenten bei Tempo 80 im Massenspurt ins Gitter gedrängt, Jakobsen flog gegen die Zielaufbauten, verschwand in einem Wust aus Trümmern. Schwerst kopfverletzt kämpfte er tagelang gegen den Tod, der ohnehin als kompromissloser Sprinter berüchtigte Groenewegen fand sich im Fegefeuer aus Wut und Schuldzuweisungen wieder. »Das war ein Mordanschlag, er gehört in den Knast«, tobte Jakobsens Quick-Step-Teamchef Patrick Lefevere. Zwar richtete sich die Kritik der Fahrerkollegen weniger gegen Groenewegen, den der Weltverband UCI sofort aus dem Verkehr zog, als gegen die polnischen Organisatoren. Doch der Fan-Mob war nicht mehr einzufangen, Groenewegen erlebte die Hölle. Unter Tränen bat er um Verzeihung, erhielt Morddrohungen, bekam Polizeischutz.

Neun Monate nach Kattowitz wähnte sich Groenewegen aus dem Schlimmsten heraus. Jakobsen feierte im April bei der Türkei-Rundfahrt sein Comeback, sagte: »Ich bin wieder der Alte, nur mit weniger Zähnen.« Und Groenewegen berichtete nun stolz von einer Aussprache: »Wir haben uns in Amsterdam gegenübergesessen, konnten beide unsere Herzen ein wenig erleichtern. Es war ein schönes Gespräch.«

Alles gut? Keineswegs, denn Jakobsen zeigte sich über das Treffen und Groenewegens Äußerungen dazu entsetzt. »Dylan hat keine persönliche Entschuldigung angeboten und keinen Willen gezeigt, Verantwortung für seine Aktionen zu übernehmen. Ich würde gerne Verständigung mit Dylan erreichen, aber dazu braucht es zwei«, schrieb der 24-Jährige bei Twitter. Und überhaupt sei Vertraulichkeit vereinbart gewesen. Jakobsen: »Um die weitere Vorgehensweise werden sich nun meine Anwälte kümmern.« Die Affäre ist also keinesfalls ausgestanden für Groenewegen, beim schwierigen Giro droht ihm ein Spießrutenlauf. FOTO: AFP

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