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Der Blick in die Zukunft von Trainer Adi Hütter und Eintracht Frankfurt ist spannend.

Aufregende Zeiten

  • VonRedaktion
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Eintracht Frankfurt hat ereignisreiche Wochen hinter sich, sportlich sowieso, der Traum vom ganz großen Coup, der erstmaligen Qualifikation für die Champions League, ist acht Spieltage vor Schluss und dem wichtigen Auswärtsspiel heute (15.30 Uhr) bei Borussia Dortmund weiter in greifbarer Nähe. Doch nicht nur das.

Die sonstigen Geschehnisse seit Mitte Februar in der Kurzfassung: Sportdirektor Bruno Hübner verkündet seinen Abschied zum Saisonende, Gerüchte um einen möglichen Wechsel von Adi Hütter nach Gladbach kommen auf, der Trainer reagiert mit einem Klipp-und-Klar-Bekenntnis zur Eintracht (»Ich bleibe«). Fredi Bobic verkündet seinen Abgang im Sommer trotz laufenden Vertrags, was der Aufsichtsrat in einer Sitzung rasch kassiert. Zumindest eine Ablöse für den Sportvorstand ist fällig, freilich will die von der Eintracht avisierten fünf Millionen Euro bisher niemand zahlen, nicht mal die Hertha aus Berlin. Und schließlich: Auf erneute Spekulationen um einen Hütter-Wechsel nach Gladbach lässt der Coach ein Treuebekenntnis light folgen.

Adi Hütter, das ist seit Mittwoch bekannt, steht bei der Gladbacher Borussia als Nachfolger des nach Dortmund wechselnden Marco Rose auf dem Zettel. Lose Gespräche zwischen dem Bundesligazehnten und dem Eintracht-Trainer hat es vor einigen Wochen gegeben. 7,5 Millionen Euro an Ablöse, die als Klausel in Hütters bis 2023 gültigen Vertrag verankert sind, stehen im Raum. Im Fall der Fälle wäre der Coach von den Frankfurter Bossen also nicht aufzuhalten. Bloß: Will der 51-Jährige überhaupt Trainer in Mönchengladbach werden? Er wolle sich nicht an den ständigen Spekulationen beteiligen, darauf habe er keine Lust, teilte Hütter an Gründonnerstag bei der Pressekonferenz mit. »Ich kann das wiederholen, was ich vor einigen Wochen gesagt habe, dass wir ein großes Ziel vor Augen haben.«

Vor einigen Wochen, genau genommen vor einem Monat, hat Hütter auch gesagt, dass er auf jeden Fall in Frankfurt weitermachen werde. Und jetzt? »Ich kann bestätigen, dass ich zu dem stehe, was ich damals gesagt habe, und deswegen möchte ich auch nicht jedes Mal darüber sprechen.« Da der Gladbacher Sportchef Max Eberl am Donnerstag wenig Erhellendes zur Besetzung des eigenen Trainerpostens kundtun wollte (»Bis zum heutigen Tag gibt’s nix zu verkünden«), stellt sich die Lage aktuell wie folgt dar: Hütter wird wohl nicht nach Gladbach wechseln, zu einer erneuten, eindeutigen Ich-bleibe-Aussage aber konnte er sich nicht durchringen.

Die Ende Februar kräftig zugeschlagene Tür steht für Interessenten nun zwar nicht sperrangelweit offen, durch einen klitzekleinen Spalt aber lässt sich sehr wohl wieder spähen. Womöglich linsen ja gar Topklubs aus dem Ausland hindurch. Denn klar ist, dass Hütter längst auch über die deutsche Grenze hinaus einen guten Ruf genießt - zurecht wohlgemerkt. Hütter jedenfalls wird sich in den kommenden Tagen und Wochen sehr genau ansehen, wer neuer Sportchef bei den Hessen wird.

Personell gebeutelt

Seine Konzentration, das betonte Hütter am Donnerstag mehrfach, liege nun auf dem im April anstehenden »anspruchsvollen Programm« mit den Partien gegen Dortmund, Wolfsburg, Gladbach, Augsburg und Leverkusen. Er spüre große Vorfreude, sagte der Trainer und veranschaulichte die Ausgangslage mit einem Vergleich: »Wenn man die Saison als 400-Meter-Lauf betrachtet, sind wir nach anfänglichen Startschwierigkeiten jetzt nach 300 Metern immer noch vorne mit dabei.« Und dort wolle man natürlich auch bis zum Zielstrich bleiben.

Vier Zähler Vorsprung weist die viertplatzierte Eintracht auf den Fünften aus Dortmund auf. »Wir haben die große Chance, einen sehr starken Gegner auf Distanz zu halten«, so Hütter zum Rennen um die Champions-League-Plätze. Daher wolle man mit dem Willen ins Spiel gehen, auch in Dortmund zu gewinnen. »Der Druck liegt aber bei Dortmund«, betonte Hütter. Denn Fakt sei nun mal, dass die Eintracht so oder so auf Rang vier bleiben werde - unabhängig vom Ausgang des Spitzenspiels. »Dortmund ist eine Mannschaft, die in die Champions League kommen muss. Und wir wollen zeigen, dass wir da hinkommen können, wenn wir gut spielen.«

Allerdings reisen die Frankfurter personell gebeutelt an. Neben dem Langzeitverletzten Almamy Touré und dem gelbgesperrten Makoto Hasebe fallen auch Ragnar Ache und Martin Hinteregger aus. Stürmer Ache wird wegen einer erneuten Sehnenverletzung in dieser Saison wahrscheinlich gar nicht mehr spielen (Hütter: »Ein absolutes Drama«), Abwehrchef Hinteregger konnte wegen einer Oberschenkelzerrung auch in dieser Woche nicht mit der Mannschaft trainieren. »Er ist in der Reha, wir dürfen kein Risiko eingehen«, sagte Hütter, der auch einen Einsatz von »Hinti« im folgenden Topspiel gegen Wolfsburg als »Wettlauf mit der Zeit« bezeichnete.

Entsprechend wird Stefan Ilsanker die komplizierte Aufgabe zuteil, den Dortmunder Angriffsbrocken Erling Haaland möglichst oft aufzuhalten - im Grunde ein Mismatch, was auch Hütter ahnt und daher sagte: »Alleine schafft es niemand, Haaland zu verteidigen. Dafür ist er zu stark.« Teamarbeit ist gefragt. Immerhin: Erik Durm konnte in dieser Woche schmerzfrei trainieren und dürfte auf die rechte Seite zurückkehren. Grundsätzlich, beschloss Hütter die Pressekonferenz, sei die Borussia schwer zu schlagen, wenn sie einen »Sternetag« erwischt, »aber wir wollen zeigen, dass wir unter den ersten Vier bleiben können.«

Aufregende Zeiten bei Eintracht Frankfurt - auf dem Platz, in den Chefbüros und auf der Trainerbank.

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