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Offiziell: Sportvorstand Fredi Bobic verlässt die Eintracht und wechselt nach Berlin.

Auch Bobic-Weggang ist fix

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Am Dienstag Adi Hütter, gestern Fredi Bobic. Der Aderlass auf Führungsebene bei der Frankfurter Eintracht geht weiter. Jetzt genießt die Suche nach entsprechenden Nachfolgern Priorität.

Als Fredi Bobic vor fünf Jahren in Frankfurt anheuerte, wahrlich nicht unumstritten, trug er noch keinen Bart und sah auch ohne Brille scharf. Er kam 2016 zu einem Zeitpunkt, da die Eintracht am Boden lag und sich die erste Klasse nur mühsam über ein Relegationsspiel hatte bewahren können. Es gab seinerzeit sicherlich attraktivere Adressen, aber Bobic war auf Jobsuche, so hat es gepasst. Und wie es gepasst hat: Der Schwabe mit serbokroatischen Wurzeln hat es binnen Kurzem geschafft, den verkrustet wirkenden Klub aufzupeppen, professionellere Strukturen zu installieren und auf links zu drehen mit dem unerwarteten Ergebnis, dass Eintracht Frankfurt, wirtschaftlich gesund, inzwischen sehr laut an das Tor zur Champions League klopft.

Für Bobic, den Zeitarbeiter, ist damit der Job erledigt, am gestrigen Mittwoch einigten sich Klub und Sportvorstand offiziell darauf, den ursprünglich bis 2023 datierten Vertrag zum 31. Mai dieses Jahres aufzulösen. Der 49 Jahre alten Bobic, dem der »Kicker« mal eine besondere »Affinität für Herausforderungen« attestierte, wird Geschäftsführer bei Hertha BSC, wie die Berliner gestern Abend bestätigten. Über Vertragsdetails wurde, wie Eintracht Frankfurt mitteilte, Stillschweigen vereinbart. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass für die Freigabe zwischen 2,5 und drei Millionen Euro fließen werden. Damit kassieren die Hessen für den Abgang von Trainer Adi Hütter, der im Sommer bekanntlich zum nächsten Gegner Borussia Mönchengladbach wechselt, und vom Sportvorstand mehr als zehn Millionen Euro.

Bobic wird bis zu seinem Ausscheiden, eine Woche nach Bundesliga-Ende, »mit optimalem Einsatz für die Eintracht arbeiten, um sportlich das bestmögliche Ergebnis zu erzielen«, ließ sich Aufsichtsratschef Philip Holzer in der Mitteilung zitieren. Zeitweise waren ja Befürchtungen laut geworden, wonach Bobic bereits jetzt für seinen neuen Arbeitgeber tätig sei. Holzer dankte Bobic für »sein großartiges Engagement«, er habe durch »kluge Personalentscheidungen großen Anteil« an der beachtlichen Entwicklung von Eintracht Frankfurt.

Igli Tare im Blick

Der scheidende Sportvorstand beteuerte, er blicke auf fünf »großartige Jahre« zurück. Die in dieser Zeit realisierten Erfolge, etwa der Pokalsieg 2018 oder die atemraubenden Auftritte auf internationaler Bühne, erfüllten ihn »mit Stolz«. Und: »Wir haben viel verändert und viel geschaffen.« Trotz aller Erfolge wurde Bobic innerhalb der Fanszene allenfalls respektiert, nie geliebt, dazu war er zu sehr der rationale, kühle Macher.

Eintracht Frankfurt kann jetzt, da die Hängepartie in der Personalie Bobic beendet ist, mit Hochdruck die Suche nach einem Nachfolger angehen. Intern waren die Arbeitsschritte klar umrissen gewesen: Erst die Einigung mit Bobic, dann einen neuen Sportvorstand finden, der wiederum den künftigen Trainer sucht. Jetzt haben die Hessen Planungssicherheit, das erste Mosaikstein im großen Puzzle ist gesetzt,

»Natürlich« habe Eintracht Frankfurt bereits »im Stillen an der Nachfolge gearbeitet und den Markt sondiert«, sagte Holzer, nun könne man konkrete Gespräche mit potentiellen Kandidaten führen. Auch mit Ralf Rangnick, selbst wenn nicht vieles für eine Beschäftigung des ehemaligen RB-Impresarios spricht, intern gibt es deutliche Vorbehalte gegen den als zu dominant eingeschätzten Fußballfachmann. Anhören wolle man sich die Vorstellungen des 62-jährigen aus Backnang aber allemal. Rangnick weilte übers Wochenende in Moskau, um auf Einladung von Lok Moskau ein Konzept zur Entwicklung professioneller Strukturen im Fußball zu präsentieren. Manches spricht dafür, dass die vorübergehende Beschäftigung mit Rangnick eine Art Nebelkerze ist, um Verhandlungen mit anderen Kandidaten möglichst geheim halten zu können. Ein möglicher Name auf der abzuarbeitenden Liste ist Igli Tare, einst Bundesligaprofi bei Fortuna Düsseldorf und dem 1. FC Kaiserslautern, und seit 2009 Sportdirektor bei Lazio Rom. Der gebürtige Albaner Tare, der fünf Sprachen spricht, hat kein Hehl daraus gemacht, dass er nach wie vor enge Verbindungen nach Deutschland hat und die Bundesliga intensiv verfolgt. »Man soll nie nein sagen, wer weiß, wie sich das Leben entwickelt«, sagte er im Februar bei Sport1. Ob es der 45-Jährige wird? Tare entspricht im Wesentlichen dem gesuchten Anforderungsprofil. Als sicher gilt: Mit einer schnellen Entscheidung ist nicht zu rechnen, ähnlich wie bei Bobic stehen einige Kandidaten noch unter Vertrag.

Heiße Phase läuft an

Gewiss ist auch: Der Bobic-Nachfolger wird federführend bei der Akquise des neuen Trainers sein. Und erst wenn der Sportvorstand gefunden ist, tritt man in die heiße Phase. Momentan wird abgeklopft, welche Philosophie der neue Coach vertritt, welche Vorstellung er hat, wann er verfügbar ist. Zuletzt kursierten die Namen von Sandro Schwarz (Dynamo Moskau), Roger Schmidt (PSV Eindhoven), die es eher nicht werden, auch Oliver Glasner (VfL Wolfsburg) ist in der Verlosung. Bekannt ist das sehr angespannte Verhältnis des Österreichers zu Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke, bei ihnen herrscht seit Monaten Funkstille.

An Kandidaten für den interessanten Job des Trainers hat Eintracht Frankfurt offenbar kein Mangel. Die Attraktivität eines Champions-League-Anwärters hat das Feld geweitet. Und dass die Mannschaft trotz des Abschieds von Hütter weiterhin heiß ist, hat unlängst erst Co-Kapitän Sebastian Rode deutlich gemacht. Der Weggang dürfe kein Grund sein, jetzt nachzulassen, postete er. »Im Gegenteil: Wir werden mit aller Kraft weiter an unseren Zielen arbeiten.«

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