Von wegen Isolation: Justin Turner (sitzend in der Mitte) feiert mit seinen Teamkollegen von den Los Angeles Dodgers die Meisterschaft - obwohl er kurz zuvor positiv auf das Coronavirus getestet wurde. FOTO: AFP
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Von wegen Isolation: Justin Turner (sitzend in der Mitte) feiert mit seinen Teamkollegen von den Los Angeles Dodgers die Meisterschaft - obwohl er kurz zuvor positiv auf das Coronavirus getestet wurde. FOTO: AFP

Ansteckender Triumph

  • vonSID
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Die Los Angeles Dodgers gewinnen erstmals seit 32 Jahren die World Series im Baseball. Im entscheidenden Spiel aber sorgt ein Corona-Fall für große Aufregung.

Als das lange, lange Warten der Los Angeles Dodgers nach 32 Jahren endlich ein Ende hatte, als der Baseball-Klub mit seinem siebten Titel zweieinhalb Wochen nach den Basketballern der Lakers aus der Stadt der Engel die Stadt der Champions gemacht hatte, konnte auch LeBron James nicht mehr an sich halten. "Yeah", schrie er vor dem Fernseher, dann aber twitterte der "King": "Mann, können wir bitte eine Parade haben!!! Ich weiß, ich weiß, wir können nicht, aber verdammt, ich will mit unseren Lakers- und Dodgers-Fans feiern!!!"

Für die Dodgers, die sich im sechsten Spiel einer packenden World Series mit 3:1 gegen die Tampa Bay Rays durchsetzten und die Best-of-Seven-Finalserie 4:2 gewannen, blieb es zunächst beim Jubel auf dem Spielfeld. Diese Szenen sorgten freilich für gehörig Wirbel. Denn mittendrin tauchte plötzlich wieder Justin Turner auf: Der Third Basemann der Dodgers hatte nach einem kurzfristig bekannt gewordenen positiven Corona-Befund im achten Spielabschnitt aus dem Spiel genommen werden müssen - nun umarmte er seine Mitspieler und küsste seine Frau.

"Es ist eine bittersüße Nacht für uns", sagte Liga-Chef Rob Manfred. Nach dem verspäteten Start in die nur 60 statt 162 Spiele umfassende Saison hatte die Major League Baseball (MLB) zunächst zahlreiche Corona-Fälle zu verzeichnen gehabt - die Spielzeit stand auf der Kippe. Dann wurde es besser, die Playoffs fanden in zwei "Bubbles" statt, in Arlington/Texas dann auch die World Series, wo sogar knapp 11 500 Zuschauer im Globe Life Field zugelassen waren. Und nun das. "Das sieht nicht gut aus", sagte Dodgers-Präsident Andrew Friedman.

"Ich fühle mich großartig, habe überhaupt keine Symptome. Ich habe einfach jede Emotion durchlebt, die man sich vorstellen kann. Ich kann nicht glauben, dass ich nicht da draußen sein konnte, um mit meinen Jungs zu feiern", twitterte Turner nach dem Spiel, obwohl ja klar erkennbar war, dass er doch mit seinen Jungs feierte. Sein Chef konnte derart viel Leichtsinn kaum fassen. "Jetzt ist erst mal wichtig, dass wir alle negativ getestet werden, damit wir nicht rausgehen und andere Leute anstecken", sagte Friedman.

Turners positiver Befund und sein Verhalten nach dem Spiel warfen ausgerechnet im Moment der Erlösung einen Schatten auf den Erfolg der Dodgers. Die mit eingekauften, doch vor allem mit selbst herangezogenen Stars gespickte Franchise war dem großen Traum schon 2017 und 2018 nahe gekommen, sie verlor die World Series aber erst gegen die Houston Astros, danach gegen die Boston Red Sox. Von eben diesen Red Sox holten die Dodgers vor dieser Saison den großartigen Schlagmann Mookie Betts - er entpuppte sich als letztes Teil des Titelpuzzles.

Im Juli gaben die steinreichen Dodgers ihrem neuesten Star einen Zwölfjahresvertrag über 365 Millionen Dollar - prompt zahlte er zurück. Beim Rückstand von 0:1 im sechsten Inning startete Betts die Aufholjagd, begünstigt durch einen Wechsel der Rays: Manager Kevin Cash hatte gerade zur allgemeinen Verblüffung den herausragenden Werfer Blake Snell nach einem kleinen Wackler vom Feld geholt und Nick Anderson gebracht, einen Spezialisten für enge Situationen. Ein Fehler. Betts traf und sorgte für zwei Punkte. Anderson verlor das Spiel.

Der Spieleretat der Dodgers ist dreimal so groß wie jener der Rays, ihr Sieg war deshalb irgendwie logisch. Und er kommt der MLB sehr gelegen. Die Dodgers, gegründet 1883 im New Yorker Stadtteil Brooklyn, sind kultig, nicht zuletzt, weil sie 1955 Jackie Robinson verpflichteten, den ersten Schwarzen in der MLB. Ihr Triumph ist aus PR-Sicht ein Segen. Der Fall Turner aber ist das genaue Gegenteil.

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