Während der Amateursport in die Corona-Zwangspause geschickt wird, wird unter anderem die Handball-Bundesliga von Existenzängsten geplagt. SYMBOLBILD: DPA
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Während der Amateursport in die Corona-Zwangspause geschickt wird, wird unter anderem die Handball-Bundesliga von Existenzängsten geplagt. SYMBOLBILD: DPA

Angst und Unverständnis

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(sid). Was verändert sich durch die Corona-Beschlüsse der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten? Auf der Freizeit- und Amateursportebene fast alles. Die Verbände, Vereine und kommerziellen Anbieter müssen wieder komplett herunterfahren, wenn die Länderchefs die Beschlüsse wie angekündigt umsetzen. Auch der Profisport muss teils existenzbedrohende Einschnitte hinnehmen, obwohl er viel gelobte Hygienekonzepte entwickelt hat. Die Wettbewerbe dürfen zwar stattfinden, im ganzen November werden aber keine Zuschauer bei Sportveranstaltungen erlaubt und "Geisterspiele" wieder die Realität sein. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Sport zum "Lockdown light".

?Wie fallen die Reaktionen nach den Beschlüssen aus?

Sie schwanken weitgehend zwischen Frust, Angst, Enttäuschung und Unverständnis, obwohl die Verantwortlichen die schwere Corona-Situation anerkennen. Die Sportausschuss-vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) betonte, dass Sportveranstaltungen unter Einhaltung stringenter Hygienekonzepte tatsächlich weder im Profi- noch im Breitensport als Superspreader aufgefallen seien. Geschäftsführer Frank Bohmann von der Handball-Bundesliga sagte, den Sportarten hinter dem Fußball, wie Handball, Basketball und Eishockey, werde jede Geschäftsgrundlage geraubt. DOSB-Präsident Alfons Hörmann sorgt sich, weil "die bereits sichtbaren und die für viele noch unsichtbaren Corona-Schäden in Sportdeutschland durch diese pauschale Maßnahme der Politik" nochmals deutlich verstärkt würden.

?Wie reagiert die Fußball-Bundesliga?

Die Milliardenbranche tut sich mit der Entscheidung und den kommenden Geisterspielen schwer. "Der Profifußball ist nachweislich kein Treiber der Pandemie. Und ehrlich gesagt, sieht das auch niemand anders. Gerade vor diesem Hintergrund ist es schwierig zu akzeptieren, dass Fakten nicht zählen", schrieb zum Beispiel Borussia Dortmund in einem offenen Brief an seine Fans.

?Kann die neue 75-Prozent-Regel eine Chance sein?

Breitensportvereine können wohl davon profitieren. Sie haben aller Voraussicht nach die Möglichkeit, bei bis zu 50 Mitarbeitern 75 Prozent ihres entsprechenden Umsatzes aus dem November 2019 vom Staat zu erhalten (60 Prozent bei mehr als 50 Mitarbeitern). Ob auch Profiklubs teilhaben können, werden die Ligen und Klubs prüfen. Laut Stefan Holz, Chef der Basketball-Bundesliga, ist "zu klären, kommt so was on top oder ersetzt das eine andere Hilfe. Dann wäre es wieder egal." Er betonte: "Wir brauchen jeden Euro, der bereitgestellt wird."

?Geraten Profiklubs ernsthaft in Gefahr?

Ja. Die Klubs der Deutsche Eishockey-Liga (DEL) sowie der Bundesligen im Handball (HBL), Basketball (BBL) und Volleyball (VBL) sind viel stärker von den Zuschauereinnahmen abhängig als die Fußball-Bundesliga. Bohmann äußerte nun die Hoffnung, "erst mal bis Weihnachten alle durchzukriegen", doch selbst das sei noch nicht endgültig sicher: "Das ist kein leeres Gerede, die Furcht und die Gefahr sind ganz konkret."

?Was ist mit den Einzelsportlern?

Auch hier herrscht große Unsicherheit. Inwieweit die Olympiastützpunkte weiterhin zum Training genutzt werden können, ist noch nicht klar, zumindest Einschränkungen drohen. "Im Worst Case sitze ich Montag wieder zu Hause", sagte Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler. Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul (22) und der deutsche Speerwurf-Rekordhalter Johannes Vetter (27) gehen derzeit nicht von Beeinträchtigungen aus. Max Hartung, Sprecher des Vereins Athleten Deutschland, sagte: "Ich würde mir wünschen, dass Bundeskader-Athleten einheitlich als Profis behandelt werden und weiter ihrem Beruf nachgehen und sich auf ihren Saisonhöhepunkt vorbereiten können."

?Ist ab dem Dezember mit einer Entspannung für den Sport zu rechnen?

Eher nicht. Sportmediziner Prof. Dr. Wilhelm Bloch, Leiter der Abteilung für molekulare und zelluläre Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln, erwartet harte Monate nach dem November. "Danach brauchen wir nicht zu denken, dass wir ›Business as usual‹ haben, und wir alles wieder machen können. Ich glaube, wir werden den ganzen Winter damit zu tun haben. Bis ins Frühjahr und den Sommer hinein", sagte Bloch. Es gebe momentan allerdings auch "keine Alternativen. Der Appell sollte sein, dass sich jeder seiner Verantwortung bewusst wird".

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