Der Kroate Domagoj Vida (l.) spielt am Mittwoch unwissentlich coronainfiziert im Länderspiel gegen die Türkei (r. Deniz Turuc). FOTO: AFP
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Der Kroate Domagoj Vida (l.) spielt am Mittwoch unwissentlich coronainfiziert im Länderspiel gegen die Türkei (r. Deniz Turuc). FOTO: AFP

Die Angst geht um

  • vonSID
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Acht Fälle in Hoffenheim, ein kroatischer Nationalspieler trotz Infektion auf dem Platz und Chaos in Skandinavien: Die zweite Corona-Welle hat immer deutlichere Auswirkungen auf den Fußball, auch in der Bundesliga wächst die Sorge.

Zumindest sehen die Profis der TSG Hoffenheim die Trainingsplätze in Zuzenhausen jeden Tag noch aus dem Auto im Vorbeifahren. Statt des grünen Rasens ist ihr Ziel aber ein kleines Zelt an der Geschäftsstelle, in dem der Arzt allabendlich schon wartet: Scheibe runter, Stäbchen rein - und dann wieder ab nach Hause in die Quarantäne. Doch die Schlange vor dem Drive-in wird immer länger, denn das Infektionsgeschehen verschärft sich zusehends. Und die Sorge vor dem Corona-GAU in der gesamten Bundesliga wächst.

Schon acht Personen sind bei den Kraichgauern derzeit mit dem Coronavirus infiziert, darunter sechs Spieler. Am Mittwochabend kam Verteidiger Kevin Vogt dazu, die ganze Mannschaft befindet sich in häuslicher Isolation. Die zweite Welle der Pandemie trifft auch die Bundesliga immer härter, und das Schreckgespenst Hoffenheim wirft die Frage auf: Wie lange lässt sich der Spielbetrieb überhaupt noch planmäßig aufrechterhalten?

"Wir können uns die Häufung nicht erklären", sagte Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen: "Wir halten uns seit Monaten akribisch und gewissenhaft an das Hygienekonzept. So kamen wir über Monate ohne einen einzigen positiven Fall durch die Pandemie, die uns nun knüppelhart trifft."

Vor Vogt waren am Mittwoch bereits Sebastian Rudy und Ishak Belfodil positiv getestet worden. Am Dienstag hatten der Israeli Munas Dabbur und der Däne Robert Skov bei ihren Nationalteams positive Ergebnisse erhalten, Angreifer Jacob Bruun Larsen schon in der vergangenen Woche. Und bereits in der Länderspielpause im Oktober waren der Kroate Andrej Kramaric und der Ghanaer Kasim Adams mit Coronainfektionen von ihren Nationalmannschaften zurückgekehrt.

Aber auch der Blick auf die derzeitige Länderspielperiode bietet der Bundesliga Anlass zur Sorge. So hatte Kroatiens Kapitän Domagoj Vida am Mittwochabend in Istanbul gegen die Türkei (3:3) ohne sein Wissen mit COVID-19 gespielt. Vida wurde zur Halbzeit ausgewechselt, das positive Testergebnis kam aber erst kurz nach Mitternacht. Zuvor hatte er mit drei Bundesliga-Profis auf dem Platz gestanden: den Wolfsburgern Josip Brekalo und Marin Pongracic (beide Kroatien) sowie dem Schalker Ozan Kabak (Türkei).

Beim Länderspiel zwischen Dänemark und Schweden (2:0) fehlten nach dem positiven Test des Hoffenheimers Skov insgesamt sogar 20 Nationalspieler. Unter anderem der Leipziger Yussuf Poulsen und Schalkes Frederik Rönnow wurden trotz negativer Ergebnisse isoliert. Janne Andersson, Nationaltrainer der Schweden um Leipzigs Emil Forsberg und dem Mainzer Robin Quaison, war schon vor der Partie positiv getestet worden, hatte sich aber ohnehin bereits in häuslicher Isolation befunden.

Erneut zeigen sich so aber die großen Risiken von Länderspielen rund um den Globus. Werder Bremen und Arminia Bielefeld hatten deshalb entschieden, überhaupt keine Profis für Länderspiele in ausländische Corona-Risikogebiete abzustellen.

Clemens Fritz, Leiter Profifußball bei den Bremern, nannte die Hoffenheimer Fälle "tragisch" und meinte: "Da sieht man natürlich, wie schwierig es für alle ist." Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ließ aber nach dem "G15"-Gipfel am Mittwoch keinen Zweifel, dass die Bundesliga weitergehen muss. Die Klubs würden ihre Hygiene-Konzepte "gemeinsam verbessern und anpassen, um zu gewährleisten, dass der Spielbetrieb aufrechterhalten werden kann", sagte er.

Noch ist wegen zu vieler Corona-Infektionen oder Quarantäne-Maßnahmen kein Bundesligaspiel abgesagt worden. Laut DFL-Statuten muss ein Klub antreten, solange er 15 Spieler zur Verfügung hat. Viel kürzer sollte die Schlange vor dem Hoffenheimer Drive-in aber nicht mehr werden.

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