Was tun? DFL-Chef Christian Seifert wird sich am Dienstag mit seinen acht Kollegen beraten, wie es bei den Fußball-Profis weitergeht. FOTO: DPA
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Was tun? DFL-Chef Christian Seifert wird sich am Dienstag mit seinen acht Kollegen beraten, wie es bei den Fußball-Profis weitergeht. FOTO: DPA

Die Angst geht um

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Bei der Präsidiumssitzung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) am Dienstag geht es darum, welcher Termin unter welchen Voraus- setzungen für den Wieder- beginn der Bundesliga ins Auge gefasst wird.

Wenn sich Christian Seifert am Dienstag mit seinen acht Kollegen berät, wird es im Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) schon gar nicht mehr um das "ob" gehen. Denn ob die Saison der Bundesliga und 2. Liga als Folge der Corona-Pandemie über den 2. April hinaus unterbrochen bleibt, ist längst keine Frage mehr. Vielmehr geht es darum, welcher neue Termin zum Wiederbeginn den Klubs im Existenzkampf eine vage Hoffnung geben soll.

Folgt das Präsidium dem Vorbild der englischen Premier League, könnte der 30. April als Ende der Unterbrechung genannt werden. Mehr als eine Absichtserklärung, die von den Klubchefs bei ihrer nächsten Krisensitzung am 30. oder 31. März abgesegnet werden müsste, wäre dies allerdings nicht. Die dynamische Entwicklung der vergangenen Wochen hat gezeigt, dass Beschlüsse schon Stunden später Makulatur sein können. Schon als die DFL am vergangenen Montag den 2. April als Datum nannte, glaubten nur wenige an diesen Termin.

Den Verantwortlichen der DFL und der Klubs ist mittlerweile sicher auch zu Ohren bekommen, dass viele Experten aus dem Gesundheitswesen eine Austragung von Fußballpartien in welcher Form auch immer (Stichwort: "Geisterspiele") in den kommenden Monaten nicht mehr für realistisch halten. Beim Blick auf dieses Szenario würde auch die beschlossene Verschiebung der EM-Endrunde ins kommende Jahr wenig bringen. Die Spitze des DFB hofft deshalb weiterhin auf "Geisterspiele". Andernfalls sieht Vizepräsident Rainer Koch die "Existenzfähigkeit des gesamten Profifußballs" gefährdet.

Sollte es trotz des terminlichen Spielraums bis zum 30. Juni oder sogar darüber hinaus zum Saisonabbruch und damit zu einem Einnahme-Ausfall in Höhe von rund 770 Millionen Euro kommen, stünde der Profifußball in seiner bisherigen Form vor dem Aus. "Die Horrorszenarien werden bei einigen Klubs Richtung Insolvenz und Konkurs gehen", sagte Sportmarketing-Experte Karsten Petry: "Wenn es grundsätzlich dabei bleibt, dass alle vertraglichen Pflichten erfüllt werden müssen, dann werden einige Vereine das Ende der Saison - wann auch immer das dann ist - nicht überleben."

Die Prognosen über die Zahl der möglichen Pleiten als Folge der nicht vorhandenen Einnahmen (Mediengelder, Zuschauer, Sponsoring) schwanken. Dass es tatsächlich ein Drittel der Bundesligisten und die Hälfte der Zweitligisten erwischen könnte, erscheint nicht unrealistisch. "Wir müssen erst einmal einen Überblick bekommen, wer wie lange ohne Spiele durchhält", hatte DFL-Boss Seifert zuletzt gesagt. Schon am Dienstag geht es darum, was der drohenden Pleitewelle entgegengestellt werden kann. Der Verzicht auf Teile des Gehalts von Profis und Managern, wie es bei einigen Klubs bereits praktiziert wird, erscheint mehr und mehr unumgänglich.

Auch ohne einen Solidaritätsfonds, mit dem die finanzstarken Klubs den schwächeren unter die Arme greifen, wird es wohl nicht gehen. Schließlich brauchen auch Bayern München und Borussia Dortmund Kontrahenten, gegen die sie antreten können.

Das sieht mittlerweile auch Hans-Joachim Watzke so. "Wir müssen jetzt gemeinsam Konzepte erarbeiten. Am Ende eines Prozesses kann man dann über die Hilfe des einen Vereins für den anderen Verein sprechen, und da wird der BVB sicher nicht unsolidarisch sein", sagte der Dortmunder Geschäftsführer, dem zuletzt aufgrund seiner Äußerungen genau diese fehlende Solidarität vorgeworfen wurde, dem Spiegel.

Mit Blick nach vorne muss das DFL-Präsidium auch darüber nachdenken, ob die angelaufene Vergabe der Medienrechte für die Spielzeiten von 2021/22 bis 2024/25 tatsächlich fortgeführt werden soll. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme möglicher Interessenten könnte der Profifußball dabei weitaus weniger einnehmen als erhofft. Das wäre der nächste Tiefschlag für die Klubs.

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