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Im Mittelpunkt in Gelsenkirchen steht Münchens dreifacher Torschütze Robert Lewandowski (M.), der auch von Philippe Coutinho (l.) und Ivan Perisic gefeiert wird.

Alleinunterhalter Lewandowski

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Tagelang wurde bei Bayern München nur über den vermeintlichen Heilsbringer Coutinho gesprochen. Dabei hat der Rekordmeister in Lewandowski bereits einen Weltklasse-Stürmer in seinen Reihen. Beim 3:0 auf Schalke stiehlt der Pole allen die Show.

Nach knapp einer Stunde betrat der neue Star zum ersten Mal die Bundesliga-Bühne - und blieb doch staunender Zuschauer bei der Tor-Gala eines alten Bekannten. "Unglaublich. Er ist eine Legende", schwärmte Philippe Coutinho nach seinem Debüt für Bayern München von Matchwinner Robert Lewandowski. Mit seinem achten Bundesliga-Dreierpack hatte der Pole den Rekordmeister im Alleingang zum 3:0 (1:0) bei Schalke 04 geführt und dem Königstransfer die Show gestohlen.

Der beste ausländische Torjäger in der Ligageschichte gab das Kompliment indirekt zurück. Nach der Verpflichtung des Brasilianers, zunächst für 8,5 Millionen Euro vom FC Barcelona ausgeliehen, sei der Kader "optimal", lobte der Pole. Noch vor wenigen Wochen hatte er nachdrücklich "gestandene Neuzugänge" gefordert. Jetzt ist der 31-Jährige offensichtlich mit der Transferpolitik der Bayern-Bosse einverstanden und kurz davor, seinen Vertrag bis 2023 zu verlängern. "Zu 95 Prozent" sei alles klar, sagte Lewandowski, Vollzug "wahrscheinlich in den nächsten Tagen" zu erwarten. Dass der aktuell Fünfte der ewigen Bundesliga-Torjägerliste (207 Treffer in 292 Spielen) für die Bayern noch immer unersetzlich ist, hat er zu Beginn seiner zehnten Saison in Deutschland schon eindrucksvoll bewiesen: Alle fünf Münchner Tore in den ersten beiden Spielen gingen auf sein Konto. Das schaffte nicht einmal der legendäre "Bomber" Gerd Müller.

Sollte Lewandowski so weitermachen, käme er bis zum Saisonende auf 85 Tore, rechnete ein ZDF-Reporter vor - und der Pole musste grinsen. "Ich erwarte von mir selbst immer mehr", sagte er. Die Sorge, dass nach dem Abschied von Franck Ribery, Arjen Robben und James die Vorlagen ausbleiben könnten, ist er nach dem Coutinho-Transfer los. Auf Schalke glänzte noch Kingsley Coman als Vorbereiter: Erst holte der Franzose den Elfmeter heraus, den Lewandowski souverän verwandelte (20.), dann spielte er ihn vor dem 3:0 (75.) mustergültig an. Dazwischen zirkelte der Pole einen Freistoß in den Winkel (50.).

Coutinho, der erst am Dienstag zum ersten Mal in München trainiert hatte, durfte in der 57. Minute aufs Feld - als das Spiel schon entschieden war. Der "kleine Magier" hielt sich noch zurück: Ein Beinschuss gegen Daniel Caligiuri war das einzige Schmankerl des 27-Jährigen, der nach seinen ersten Bundesliga-Minuten "sehr glücklich" war: "Wir haben das Spiel gewonnen, es war ein sehr schöner Abend." Trainer Niko Kovac war mit Coutinho sogar "außerordentlich zufrieden". Nach der kurzen Vorbereitung wegen der Teilnahme an der Copa America könne man noch nicht "high level" erwarten. Ganz anders bei Lewandowski: "Dafür ist er da", urteilte Kovac über die Tor-Gala des "besten Stürmers in der Bundesliga - seine Effizienz und Kaltschnäuzigkeit sind einzigartig".

Ein kleines bisschen Lewandowski hätte auch David Wagner gerne. Der neue Schalker Trainer sah beim Tabellen-14. der Vorsaison in Sachen "Mentalität und Einstellung" viele Fortschritte, jegliche Torgefahr ging den Königsblauen allerdings ab. Der eine oder andere Elfmeter hätte den Gelsenkirchenern helfen können, und genau darum fühlte sich Wagner nach den Handspielen von Benjamin Pavard (56.) und vor allem von Ivan Perisic (63.) betrogen. "Ich dachte eigentlich, ich verstehe die Handspielregel", meinte der Coach ratlos.

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