Boris Herrmann segelt inzwischen entlang der Eisgrenze durch den Südpazifik und wird Weihnachten allein bleiben. FOTOS: IMA
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Boris Herrmann segelt inzwischen entlang der Eisgrenze durch den Südpazifik und wird Weihnachten allein bleiben. FOTOS: IMA

Allein irgendwo im Nirgendwo

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(sid). Boris Herrmann hat es sich an Bord schon weihnachtlich eingerichtet. Eine Lichterkette funkelt auf der Seaexplorer, seinem Zuhause bis Ende Januar. Seine Liebsten lächeln den 39 Jahre alten Familienvater von Fotos an, ein kleines Teelicht sorgt für etwas Wärme.

Seine Festtagsutensilien hat der Abenteurer, der bei der Vendee Globe gerade entlang der Eisgrenze durch den Südpazifik segelt, einer kleinen Box entnommen, die seine Frau vor der Abfahrt am 8. November an der französischen Atlantikküste gepackt hatte. Es sind Kleinigkeiten, die ihm mit Blick auf Heiligabend viel bedeuten.

"Der Kontakt nach Hause, nach Hamburg, ist an Weihnachten natürlich besonders wichtig", sagte Herrmann: "Mein besonderes Highlight wird es, wenn ich mit meiner Frau telefoniere und auch höre, wie unser kleines Kind in den Hörer schnauft." Seine kleine Tochter ist erst im Sommer zur Welt gekommen. Für sie und seine Frau hat er Geschenke in der Heimat deponiert und auch für Herrmann liegen einige Päckchen auf seinem Schiff parat: "So ist Weihnachten für mich sehr alleine, aber nicht einsam."

Der erste deutsche Segler bei der wohl härtesten Regatta der Welt ist an Heiligabend schon 46 Tage unterwegs und hat noch knapp die Hälfte der langen Reise vor sich. Er belegt aktuell einen starken vierten Platz und seine Hightech-Yacht ist nach einigen Reparaturen weiter intakt.

Von 33 Startern sind sechs bereits ausgeschieden, der Franzose Kevin Escoffier funkte nach einer schweren Havarie SOS und musste aus den hohen Wellen im Südatlantik von seinem Kollegen Jean Le Cam gerettet werden, auch von einem Mastbruch und mehreren gerissenen Segeln wurde berichtet sowie von einer Kollision mit einem Wal. Die Regatta um die Welt ist und bleibt, trotz des technischen Fortschritts, eine Höchstschwierigkeit.

Herrmann zählt sich selbst zu den eher vorsichtigen Skippern, aber er zählt zur Spitzengruppe, die das Kap Leeuwin, den südwestlichsten Punkt des australischen Festlandes, bereits passiert hat. Nun geht es langsam, aber sicher auf das Kap Hoorn zu, den südlichsten Punkt Südamerikas, bevor die Route zurück gen Frankreich führt.

Aktuell ist es ruhig, fast etwas zu ruhig für Herrmann. Er sei etwas "langsam, halse und habe dabei manchmal das Gefühl, nirgendwo hinzukommen", berichtete er. Aber vielleicht ist das auch ganz gut, um es an den Feiertagen ein bisschen besinnlich an Bord der Seaexplorer anzugehen.

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