Abass Baraou (o.) vs. Jack Culcay steigt heute in Berlin. DPA
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Abass Baraou (o.) vs. Jack Culcay steigt heute in Berlin. DPA

Agon will Kurskorrektur

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(dpa). Es scheint paradox: Gerade unter dem Druck der Corona-Beschränkungen wartet das deutsche Berufsboxen mit einem Kampf auf, von dessen Güte es jahrelang keinen gab. Ex-Weltmeister Jack Culcay gegen Hoffnungsträger Abass Baraou. "Das ist der beste Kampf, den man zurzeit in Deutschland machen kann", schwärmt Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), und lobt den veranstaltenden Agon-Boxstall.

Am heutigen Freitagabend stehen sich die beiden Berliner Superweltergewichtler in einem Ranglistenkampf der IBF in den Havelstudios der Hauptstadt gegenüber. Erfahrung und Technik gegen Zukunft und Angriffslust. Wer gewinnt, bekommt einen WM-Ausscheid. Sport1 überträgt die Veranstaltung (21 Uhr), zu der nur 118 Zuschauer im Fernsehstudio zugelassen sind.

"Das ist ein Kampf zweier Generationen", meint Promoter Kalle Sauerland, der Baraou unter Vertrag hat und zu dessen Lager einst Culcay gehörte. Der 25-jährige Baraou, in Aalen geborener und in Oberhausen aufgewachsener Sohn togoischer Eltern, fordert den in Ecuador geborenen 34-jährigen Culcay heraus. "Ein echtes Highlight", sagt Sauerland.

Die Ringkarriere von "Golden Jack", wie Culcay genannt wird, hält schon 22 Jahre an. Er steht für technisch blitzsauberes Boxen, empfahl sich 2009 als letzter deutscher Amateurweltmeister für die Profis, wurde 2016 WBA-Weltmeister. Nach 32 Profikämpfen will er erneut um die WM boxen. "Jack ist immer ein Getriebener geblieben. Er ist nie richtig bei den Profis angekommen, hatte zu viele Berater", sagt Pütz, der die bessere boxerische Ausbildung bei Culcay (Nr. 6 der IBF) sieht, die größere Entschlossenheit und Aggressivität bei Baraou (7).

Baraou, WM-Dritter von 2017, wird in London von Weltmeistertrainer Adam Booth veredelt. Zwar hat er erst neun Profikämpfe bestritten, soll aber bald Nachfolger solcher Größen wie Henry Maske und Graciano Rocchigiani sein. "Ich bin mir sicher, dass ich Jack schlagen werde", sagt Baraou. "In Deutschland bin ich im Superwelter die Nummer eins. Das wird so bleiben", erwidert Culcay.

"Den Kampf", sagt Pütz, "hätte es früher nicht gegeben, weil beide Lager ihren TV-Partner und unterschiedliche Interessen hatten. Jetzt haben beide keinen TV-Partner - und es geht." Die Ställe müssten "Sachen machen, die den Sport weiterbringen", erklärt Sauerland den Sinneswandel. Horst-Peter Strickrodt, Teammanager von Culcay-Stall Agon, formuliert es drastischer. "Wir wollen Kämpfe auf Augenhöhe, wo der Sieger nicht vorher feststeht. Deshalb hat das deutsche Boxen an Reputation verloren, haben sich die Zuschauer abgewendet." Sein Fazit: Die Ernsthaftigkeit des deutschen Boxens ist jahrelang verspielt worden.

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