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Bundestrainer Joachim Löw geht im Sommer. Nach der EM wird der Weltmeister von 2014 seinen Job als Bundestrainer aufgeben.

Abschied mit Anstand

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Eine Ära geht zu Ende. Bundestrainer Joachim Löw hört nach der Fußball-EM im Sommer auf - eineinhalb Jahre vor dem Ende seines Vertrags. Er sagt nach dem Paukenschlag: »Ich gehe diesen Schritt ganz bewusst, voller Stolz und mit riesiger Dankbarkeit.«

Zuletzt hat Joachim Löw beim Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund (4:2) mal wieder live in der Münchner Arena gesehen, wie unterhaltsam der deutsche Fußball sein kann. Der Bundestrainer kam als stiller Beobachter für den Fernsehzuschauer wiederholt ins Bild. Mit Mantel geschützt gegen die Kühle, auch die Maske saß ordnungsgemäß. Nun aber stehen einige Münder offen: Dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstag verkündete, Löw beende seine Langzeittätigkeit nach der Europameisterschaft in diesem Sommer, ist ein Paukenschlag. Angeblich bat der 61-Jährige selbst um die Verkürzung des bis 2022 datierten Vertrags. Da coacht einer also demnächst drei WM-Qualifikationsspiele gegen Island (25. März), in Rumänien (28. März) und gegen Nordmazedonien (31. März), obwohl die WM 2022 in Katar ein anderer angehen muss.

»Ich gehe diesen Schritt ganz bewusst, voller Stolz und mit riesiger Dankbarkeit«, teilte Löw mit, dessen selbstbestimmter Abschied würdevoll wirkt. Weitere Hintergründe will »einer der größten Trainer im Weltfußball« (DFB-Präsident Fritz Keller) am Donnerstag zusammen mit dem Verbandschef erläutern. Keller äußerte Respekt vor der Entscheidung. »Dass er uns frühzeitig über seine Entscheidung informiert hat, ist hoch anständig. Er lässt uns als DFB somit die nötige Zeit, mit Ruhe und Augenmaß seinen Nachfolger zu benennen.« Die beiden badischen Genussmenschen waren in der missglückten Krisenbewältigung nach dem Spanien-Debakel noch heftig aneinandergeraten.

Magischer Moment in Brasilien

Löw teilte nun ohne jede Verbitterung mit, es sei eine Ehre gewesen, sich derart »für mein Land zu engagieren«. Er habe insgesamt 17 Jahre »mit den besten Fußballern des Landes arbeiten« dürfen. Löw bereitete Deutschland viel Freude, irgendwann passte sein ästhetischer Anspruch perfekt zu einer begnadeten Generation. Dass es zwischendurch ruckelte, verschwieg der dienstälteste Nationalcoach der Welt nicht: »Mit ihnen verbinden mich große Triumphe und schmerzliche Niederlagen.« Alles gipfelte im magischen Moment mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Dem DFB sei er dankbar.

Tatsächlich hätte es der mitunter schwer durchschaubare Fußballlehrer ohne die von höchster Stelle unter verschiedenen Präsidenten eingeräumten Freiheiten kaum so lange auf dem Posten ausgehalten. Löw war mit seiner Weitsicht und Gelassenheit der Gegenentwurf in einer hyperaktiven Branche, die mitunter auf Vereinsebene nach einzelnen Ereignissen gnadenlose übereilte Urteile fällt.

Nicht viele Nationaltrainer hätten den Fehler überlebt, wie Löw beim vercoachten EM-Halbfinale 2012, als er glaubte, gegen Italien die gesamte Statik seiner eingespielten Elf verändern zu müssen. Und dann ist da ja auch das frühe Aus bei der WM 2018, als der Ballbesitzfußball seines Teams ungefähr so unpassend wirkte wie das Bild ihres Trainers vor einer Laterne in Sotschi. Es dauerte Wochen, bis Löw nach der historischen Vorrunden-Pleite endlich eine Analyse auftischte, bei der er seinen Ansatz als »fast schon arrogant geißelte.« Wieder aber ging der Umbruch zu langsam vonstatten: Erst als die Niederlande im Herbst 2018 die DFB-Elf übertölpelten, setzte der Bundestrainer wirklich auf die junge Garde - und sortierte bald in Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller drei Weltmeister aus, was bis heute umstritten ist.

Die Umfragewerte des Bundestrainers waren zuletzt deutlich schlechter als die der gefühlt ja genauso lange regierende Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei der 0:6-Lehrstunde gegen Spanien wirkte Löw fast schon apathisch. Aus dem Taktikflüsterer von Jürgen Klinsmann, der beim Sommermärchen 2006 instinktsicher die Taktik vorgab, schien ein Würdenträger geworden, dem das Gespür abhanden kam. Vielleicht hat die Corona-Krise diese Distanz einfach noch verstärkt.

Mit Löws Entschluss könnte nun allen geholfen sein. Der Weltmeistertrainer versicherte, für die bevorstehende EM »weiterhin den unbedingten Willen sowie große Energie und Ehrgeiz« zu verspüren. Aber: Die Gruppenspiele gegen Weltmeister Frankreich (15. Juni), Europameister Portugal (19. Juni) und Außenseiter Ungarn (23. Juni) könnten herausfordernder kaum sein. Keller siedelt die DFB-Auswahl im Halbfinale an, Löw hat dieses Ziel noch nicht formuliert. Diskutiert wird ohnehin etwas ganz anderes: Wer könnte den ewigen Jogi denn beerben?

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