Abhaken – und wieder angreifen

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Erst der Rückschlag in der Europa League und nun auch noch die erste Ligapleite in diesem Jahr: Das Ende des Höhenflugs kommt für Eintracht Frankfurt höchst ungelegen. Vor dem Rückspiel gegen Lissabon schwinden die Kräfte – und auch die Spieler werden weniger.

Da saßen sie also, die knapp 50 Frankfurter Fans vor der Haupttribüne der Arena und warteten und warteten und warteten. Schön aufgereiht auf einem Mäuerchen, Blickrichtung Stadion, um auch nicht den Moment zu verpassen, wenn sich etwas tun sollte in den Untiefen des Fußballtempels. Und tatsächlich, 75 Minuten später als geplant, huschten am Montag noch ein paar Profis aus den Katakomben und spulten ihre Einheit ab – das Auslaufen nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Augsburg. Bei Eintracht Frankfurt, das war offensichtlich, hatte am Montag Redebedarf geherrscht, Trainer Adi Hütter deshalb seine Analyse länger als gewohnt ausgedehnt. Er habe aber mehr motiviert als kritisiert, sagte Angreifer Goncalo Paciencia hinterher, "denn es ist auch mal normal, dass so etwas passiert".

Gemeint war das Niederlagen-Doppel der vergangenen Woche. Auf das 2:4 in der Europa League bei Benfica Lissabon am Donnerstag war nur drei Tage später das 1:3 gegen Augsburg gefolgt. "Das war das schlechteste Spiel der Saison", gab Paciencia offen zu. Nur 66 Prozent der Pässe brachten die Frankfurter Profis zu den eigenen Kollegen. Dazu erwischte die abwehrende Abteilung zum zweiten Mal hintereinander einen miesen Tag. Ein Grund für die Formdelle ist schnell ausgemacht: die Müdigkeit. Gegen Augsburg absolvierten die Frankfurter ihr 42. Pflichtspiel der Saison, das sind neun mehr als der Gegner. Gerade in den vergangenen Wochen ging es Schlag auf Schlag. "Das geht an die Substanz und in den Kopf. Das hat uns den Zahn gezogen", bestätigte Trainer Hütter. Zumal die Frankfurter sowohl in Lissabon als auch gegen Augsburg über weite Strecken in Unterzahl agieren mussten.

Sind die müden Eintracht-Profis gerade dabei, ihre famose Saison noch zu versemmeln? Auszuschließen ist das nicht. An einen Totalabsturz aber will von den Beteiligten selbstverständlich niemand denken. Dafür ist das Vertrauen in die eigene Stärke viel zu ausgeprägt. "Wir müssen die Niederlage akzeptieren, abhaken, gut regenerieren und neu angreifen", sagte Sportvorstand Fredi Bobic. "Am Donnerstag werden wir deutlich besser spielen", versprach Rechtsaußen Danny da Costa.

Klar ist: Die Eintracht steht vor zwei richtungsweisenden Partien. Zuerst das Europa-League-Rückspiel am Gründonnerstag (21 Uhr/RTL) gegen den Spitzenreiter der portugiesischen Liga, das mit 2:0, 3:1 oder noch höher gewonnen werden muss, um ins Halbfinale einzuziehen. Danach aber auch der Bundesligaalltag am Montag beim VfL Wolfsburg – mit einem Sieg könnten die Hessen die erneute Qualifikation für die Europa League nahezu absichern und weiter von der Champions League träumen.

Allerdings: Personell wird es gerade für das Duell gegen Benfica eng. Stürmer Sebastien Haller trainierte auch gestern nicht auf dem Platz, die Bauchmuskelbeschwerden werden wohl wieder keinen Einsatz zulassen. Bei Verteidiger Martin Hinteregger, am Sonntag nach 25 Minuten verletzt ausgewechselt, gibt es noch immer keine Diagnose der Oberschenkelblessur. Wer dem Österreicher aber am Sonntag beim Gang in die Kabine in die feuchten Augen sah, der konnte erahnen, dass sich da jemand wenig Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr machte. Zudem ist Innenverteidiger Almamy Touré für die Europa League nicht gemeldet und Defensivkollege Evan Ndicka rotgesperrt. Als sicher gilt, dass der gegen Augsburg geschonte Kapitän David Abraham am Donnerstag rechts hinten seinen Platz einnimmt. Sollte aber Hinteregger nicht doch noch eine rasche Heilung erfahren, muss Hütter auf links ein neues Mitglied für seine verteidigende Dreierbande finden. Favorit wäre dann Simon Falette – er wäre schlicht der einzig verbliebene fitte Verteidiger für das zu stopfende Loch.

Goncalo Paciencia, der Portugiese im Dress der Eintracht, blickt dem Duell mit seinen Landsleuten freilich positiv entgegen. Mit dem guten Gefühl von zwei eigenen Treffern in den vergangenen beiden Partien sagt er: "Es wird eine große Herausforderung für uns – aber auch für Benfica."

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