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Moritz Seider wurde kürzlich in Schweden als bester Rookie der Liga ausgezeichnet. IMAGO

Abflug in die WM-Blase

(sid). Bei seiner Rückkehr zur deutschen Eishockey-Nationalmannschaft nach zwei Jahren wunderte sich Moritz Seider ein wenig. »Es ist ein bisschen komisch, dass man nicht alle Jungs beisammen hat«, sagte der künftige NHL-Verteidiger nach seinem ersten Training im kleinen Kreis.

Wegen des Coronafalls vor anderthalb Wochen geht Bundestrainer Toni Söderholm in den letzten Tagen der WM-Vorbereitung auf Nummer sicher. Sein Team ist in drei Gruppen aufgeteilt, die im Hotel in Nürnberg und auf dem Eis streng voneinander getrennt werden. »Kontakt zu den anderen findet leider gar nicht statt«, berichtete Stürmer Frederik Tiffels: »Wir haben die anderen Jungs nur auf dem Balkon gesehen und ein bisschen kommuniziert.«

Gemeinsames Training mit allen WM-Teilnehmern ist erst in Riga vorgesehen, wenn die Mannschaft nach drei Tagen Quarantäne in den Hotelzimmern erstmals aufs Eis darf. »Was wäre die Alternative gewesen?«, fragte Kapitän Moritz Müller: »Eine Gruppe zu sein und damit die WM-Teilnahme vielleicht zu riskieren aufgrund von Coronafällen.«

Die Vorbereitung zeigt: Die WM in Riga (21. Mai bis 6. Juni) steht ganz im Zeichen der Pandemie und ist mit den Turnieren der vergangenen Jahre überhaupt nicht zu vergleichen. Seit dem letzten Testspiel vor einer Woche gegen Belarus (2:0) stießen neun neue Spieler zum Team, eine wirkliche Generalprobe zum Einspielen vor dem WM-Auftakt gegen Italien gibt es nicht.

Am Samstag steigen Müller und Co. in den Charterflieger nach Lettland. Dort erwartet sie die WM-Blase - drei Wochen komplette Isolation. »Es geht ziemlich schnell, dass die Wände ein bisschen näher kommen, wenn man die ganze Zeit nur im Zimmer hockt«, sagte Routinier Korbinian Holzer, der seine »Bubble«-Erfahrung im vergangenen Jahr in den NHL-Playoffs machte: »Es ist wichtig, dass du mental auf der Höhe bleibst.«

Auch Stürmer Tom Kühnhackl weiß, worauf es ankommt. »Hoffentlich gibt’s Spielkarten, eine Tischtennisplatte, damit wir uns beschäftigen können«, sagte der zweimalige Stanley-Cup-Sieger, der im August mit den New York Islanders in der NHL-Blase spielte.

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