imago1000376876h_120221_4c
+
Selbst eine Teilbelegung der Zuschauerplätze in den Fußballstadien erscheint durch die neue Inzidenzregel von 35 vorerst unwahrscheinlich.

35 ist die neue 50

  • vonSID
    schließen

Die Lockdown-Verlängerung trifft den Profifußball nicht so sehr wie der neue Fokus auf den Sieben-Tage-Inzidenzwert von 35. Die mögliche Rückkehr der Fans verzögert sich dadurch.

Selbst den abgezockten Bayern-Stars waren die mehr als 10 000 Fans bei der Klub-WM nicht ganz geheuer. Thomas Müller empfand es als »komisch«, auch Robert Lewandowski konnte das »fast schon vergessene« Gefühl nicht so recht einordnen. Keine Frage: Die Geisterspiele seit knapp einem Jahr haben Spuren hinterlassen, auch bei den Fans. Und der Ausschluss geht in die Verlängerung.

Die am Mittwoch beschlossene Lockdown-Verlängerung trifft den Profifußball nicht so hart wie die neue Fokussierung auf den Inzidenzwert 35, bei dem Veranstaltungen möglicherweise wieder zugelassen werden. Zuvor hatten die Politiker immer den Inzidenzwert (Neuinfektionen pro 100 000 Menschen) von 50 als Richtschnur auch für mögliche Stadionbesuche herangezogen. Dieser wird von einigen Bundesligastädten schon jetzt erreicht.

»Wir sind nach wie vor optimistisch, dass wir diese Saison noch Spiele mit Fans im Stadion erleben, es dauert jetzt nur etwas länger«, sagte Operations-Direktor Uli Wolter beim Bundesligisten RB Leipzig: »Vorher hätte ich gesagt, dass es im März möglich sein könnte, jetzt glaube ich eher an Ostern.«

Das Hygienekonzept von RB für eine Teilzulassung von Zuschauern ist nach wie vor vom örtlichen Gesundheitsamt genehmigt, es darf aufgrund der aktuellen Corona-Schutzverordnung aber zurzeit nicht umgesetzt werden. Kommt grünes Licht von den Behörden, sieht sich der Klub gerüstet. Ein Sicherheitsrisiko seien Fußballspiele für die Gesellschaft nicht. »Das sind Dinge, die wir aus der ersten Phase kennen, als wir schon mit 8500 Fans im Stadion gespielt haben«, sagte Wolter bei einem virtuellen Fan-Update am Dienstag. Auch andernorts haben die Klubs in Absprache mit den Gesundheitsämtern ihre Hausaufgaben gemacht. Öffentliche Forderungen nach einer schnelleren Öffnung vermeiden die Verantwortlichen aber, den meisten ist ihre privilegierte Lage in Zeiten der Pandemie bewusst. Klar ist aber auch: Sofern Lockerungen beschlossen werden, wird auch der Profifußball den Finger heben. »Wir lechzen alle danach«, sagte Trainer Hansi Flick von Rekordmeister Bayern München. Leipzigs Coach Julian Nagelsmann meinte zur Rückkehr der Fans: »Wir schauen alle gebannt auf den Zeitpunkt X, wenn das wieder der Fall ist.« Klar ist, dass die Chancen mit der Zunahme der Impfquote steigen. Je mehr Menschen geimpft seien, »desto mehr Zuschauer könnten eines Tages ohne jegliche Angst ins Stadion zurückkehren«, sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei Sport1. Das sei »nicht nur aus finanziellen, sondern aus Gründen der Fußballkultur, Atmosphäre und Emotionen« wichtig für den Fußballbetrieb.

Mit Interesse verfolgten die Verantwortlichen daher auch den Super Bowl am vergangenen Wochenende. Das Spektakel in Tampa durften 25 000 gegen das Coronavirus geimpfte Zuschauer live vor Ort miterleben. »Warum sollte man den Impuls vom Super Bowl nicht mitnehmen und zumindest darüber nachdenken, ob man das nicht in der Bundesliga umsetzen kann?«, sagte Sportchef Marcel Schäfer vom VfL Wolfsburg im MDR.

Diese Debatte wird jedoch wohl erst für die kommende Saison so richtig an Fahrt aufnehmen. Jetzt gilt der Zahl »35« das Hauptaugenmerk.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare